Debatte über US-Waffenrecht Biden empfiehlt Schrotflinten

Ausgerechnet US-Vizepräsident Joe Biden rät Amerikanern, sich zur eigenen Sicherheit eine Schrotflinte zuzulegen. "Kauf eine Flinte, kauf eine Flinte!", empfiehlt er. Biden leitete nach dem Newtown-Amoklauf eine Arbeitsgruppe zur Eindämmung von Waffengewalt.

Vizepräsident Biden: "Jill, wenn es ein Problem gibt, nimm die doppelläufige Flinte"
AP

Vizepräsident Biden: "Jill, wenn es ein Problem gibt, nimm die doppelläufige Flinte"


Washington - Das Interview begann harmlos. Leser des amerikanischen Elternmagazins "Parents" stellten US-Vizepräsident Joe Biden Fragen zum Waffenrecht. Immerhin wirbt er immer wieder für schärfere Waffengesetze. So empfahl Biden etwa, Gewehre und Munition sicher wegzuschließen: "Kekse bewahren sie ja auch in den oberen Regalen auf, damit die Kinder nicht drankommen."

Doch dann fragte eine Leserin, wie sie sich künftig schützen könne - und Biden reagierte überraschend. "Wenn du dich schützen willst, beschaffe dir eine doppelläufige Flinte", erklärte er. Diesen Rat habe er einst seiner Frau Jill gegeben, weil sie im Bundesstaat Delaware in einer "sehr abgelegenen Gegend" leben würden.

"Jill, wenn es ein Problem gibt, geh auf den Balkon, nimm die doppelläufige Flinte und feuere zwei Schüsse nach draußen", sagte Biden. Ein halbautomatisches Sturmgewehr sei für einen solchen Fall gar nicht nötig, "denn in Wirklichkeit braucht man keine 30 Schüsse, um sich zu schützen". Außerdem seien Sturmgewehre schwieriger zu handhaben. "Kauf eine Flinte, kauf eine Flinte", schob er noch hinterher.

Mit seinen Ausführungen wollte Biden die Leser offenbar davon überzeugen, dass auch zum Selbstschutz keine halbautomatischen Sturmgewehre nötig sind. Die Leser hatten die Fragen per Facebook gestellt, der Chefredakteur reichte sie in einem Video-Interview an den Vizepräsidenten weiter. Bidens Aussagen irritieren die USA. Fast alle amerikanischen Medien beschäftigen sich nun mit seinen überraschenden Waffenbekenntnissen.

Obama und Biden als Waffenfans?

Nach dem Amoklauf von Newtown Mitte Dezember, bei dem ein junger Mann unter anderem 20 kleine Kinder in einer Grundschule erschossen hatte, hatte US-Präsident Barack Obama seinen Stellvertreter damit beauftragt, Maßnahmen zur Eindämmung der Waffengewalt vorzuschlagen. Biden leitete eine Arbeitsgruppe, die sich mit Kritikern, Lobbyisten, Opfern von Waffengewalt und auch der mächtigen National Rifle Association traf.

Das Weiße Haus setzt sich unter anderem für ein Verbot von Sturmgewehren und von besonders großen Magazinen ein. Insbesondere viele Republikaner im Kongress sperren sich gegen schärfere Regeln und verweisen auf das in der US-Verfassung festgeschriebene Recht auf das Tragen von Waffen. Biden hielt immer wieder dagegen: Bei der Reform gehe es nicht um die Kontrolle der Bürger, sondern um mehr Sicherheit.

Aber auch Präsident Obama sorgte kürzlich in der Waffendebatte für Aufsehen. In einem Interview mit dem Politikmagazin "The New Republic" erklärte der Präsident, dass er ein begeisterter Sportschütze sei, der seinem Hobby "all the time" nachgehe - sehr häufig. Um seine überraschende Aussage zu belegen, veröffentlichte das Weiße Haus ein Bild des Präsidenten. Es trägt als Datum den 4. August 2012, wurde demnach an Obamas 51. Geburtstag gemacht und zeigt den US-Präsidenten mit Ohrenschützern, Schutzbrille und einem Gewehr, das er offenbar gerade abgefeuert hat: Um den Lauf herum sind Rauchschwaden zu sehen.

kgp/AFP



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