Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

US-Vorwahlen: Clinton gewinnt in Pennsylvania

Dieser Sieg war überlebenswichtig: Hillary Clinton hat die Vorwahl der Demokraten in Pennsylvania gewonnen. Doch entscheidend für den Wahlkampfendspurt ist auch: Wie groß ist der Abstand zu ihrem Rivalen Barack Obama?

Washington - Erst Hochspannung, dann Erleichterung und Jubel im Lager von Hillary Clinton: Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin hat die Vorwahl ihrer Partei in Pennsylvania gewonnen. Der Sender CNN und andere US-Medien prognostizierten den Sieg der New Yorker Senatorin im Ostküstenstaat. Ungewiss war zunächst aber, mit welchem Vorsprung sich die frühere First Lady gegen ihren Kontrahenten, den Senator von Illinois, Barack Obama, durchsetzen konnte.

CNN sah Clinton nach Auszählung von fast 40 Prozent der Stimmen bei etwa 54 Prozent, Obama lag demnach bei knapp 46 Prozent. Der Sender rief Clinton erst zur Siegerin aus, als die Wahllokale bereits länger als eine Stunde geschlossen waren - so lange hatten Clintons Anhänger auf ihrer Wahlparty gezittert. Als die Prognose über die Videoleinwände flimmerte, brachen die Fans in Jubel aus.

Doch besonders wichtig für den weiteren Verlauf des Wahlkampfes bei den Demokraten ist nach Meinung von Beobachtern der Abstand zwischen den beiden Rivalen. Experten hatten zuletzt stets betont, dass Clinton in Pennsylvania nicht nur einen Pflichtsieg einfahren darf. Entscheidend sei vielmehr, dass sie deutlich gewinnt. Sie benötigt den klaren Sieg, um angesichts der landesweiten Führung Obamas bei den Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag Ende August weiterhin im Rennen zu bleiben. Ansonsten dürfte der Druck auf sie immer stärker werden, ihre Bewerbung zurückzuziehen.

Pennsylvania gilt nicht nur wegen des knappen Rennens bei den Demokraten als eine Art Schicksalsstaat. Der Staat, an Einwohnern der sechstgrößte der USA, trifft mit seiner Mischung aus Weiß und Schwarz, Alt und Jung, Industriearbeitern und Angestellten der Dienstleistungsbranchen, ziemlich genau die soziologische Mitte der USA und gilt als Testlabor für die Stimmung im ganzen Land. Politstrategen sprechen daher von einem "no excuse state": zu wichtig, als dass eine Niederlage hier leicht abgetan werden kann.

Zudem ist Pennsylvania ein sogenannter "Swing State", ein Staat, in dem bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl die Einwohner in der Vergangenheit mal für die Republikaner und mal für die Demokraten gestimmt haben. Damit steigt die Bedeutung eines Sieges auch in den Vorwahlen. Wer sich hier nicht parteiintern klar durchsetzt, dem werden viele nicht zutrauen, sich gegen einen republikanischen Konkurrenten zu bewähren.

Wirtschaft wichtigstes Wahlkampfthema

Clinton verdankte ihren Sieg in der von Sorgen um die Wirtschaft geprägten Wahlentscheidung vor allem den Weißen aus der Arbeiterschaft: Zwei von drei Weißen ohne College-Abschluss entschieden sich dem Ergebnis von Wählerumfragen zufolge für die New Yorker Senatorin. Ein ähnliches Ergebnis gab es bei Wählern mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 50.000 Dollar (31.400 Euro) im Jahr. Zu ihren Wählern gehörten auch überproportional viele Katholiken, Gewerkschafter sowie Besitzer von Schusswaffen.

Obama erhielt die Stimmen von 90 Prozent der Schwarzen, die in Pennsylvania aber nur einen Anteil von einem Siebtel der Bevölkerung stellen. Besonders gut schnitt Obama bei denjenigen Wählern ab, die sich erst kürzlich bei den Demokraten registrieren ließen.

Wichtigstes Wahlkampfthema war die Entwicklung der Wirtschaft. Mehr als 80 Prozent der Wähler waren der Auffassung, dass sich die USA bereits in einer Rezession befinden. Bei der Frage nach dem Kandidaten mit der besten Wirtschaftskompetenz hatte Clinton einen leichten Vorsprung vor Obama.

Vorwahlen in sieben weiteren Staaten

Im Anschluss an die Vorwahl in Pennsylvania stehen bei den Demokraten noch Entscheidungen in sieben Staaten sowie auf den Inseln Puerto Rico und Guam an. Dabei ist Clinton in West Virginia und Kentucky favorisiert, während Obama in North Carolina, Oregon und South Dakota die besten Chancen hat. In den beiden Staaten Indiana und Montana ist noch keine klare Tendenz erkennbar.

In Pennsylvania sind rund vier Millionen Mitglieder und Sympathisanten der Demokratischen Partei registriert. Bei der Vorwahl ging es um 158 Delegiertenstimmen. Obama hat bislang einen kleinen Vorsprung bei den Delegiertenstimmen. Um ihn bei den Delegiertenstimmen noch einzuholen, müsste Clinton bei allen kommenden Vorwahlen jeweils mindestens 65 Prozent der Stimmen erringen. Das ist so gut wie ausgeschlossen.

Entscheidend beim Nominierungsparteitag der Demokraten im August könnten die Superdelegierten sein, da weder Obama noch Clinton in den ausstehenden Vorwahlen die erforderlichen 2025 noch erreichen können. Daher umwerben beide Politiker diese Delegierten, deren Sonderstellung sich unter anderem auf Partei- und Staatsämter gründet und die bei der Abstimmung nicht auf das Ergebnis ihres Herkunftsstaats festgelegt sind.

Bei den Demokraten wuchs zuletzt die Sorge, dass der zunehmend schärfere Wettkampf zwischen Clinton und Obama den Republikanern in die Hände spielen könnte. Ein weiteres TV-Duell wurde von den Demokraten von North Carolina deshalb gestrichen. Als Begründung nannte die örtliche Parteiführung "Termin- und Logistikprobleme". Gleichzeitig aber sprach sie von "ernsthafter Sorge darüber, wie sich eine weitere Debatte auf die Einheit der Partei auswirkt".

Bei den Republikanern hat Senator John McCain die Präsidentschaftskandidatur schon so gut wie sicher. Die Wähler entscheiden am 4. November, wer Nachfolger von Präsident George W. Bush werden soll. Die Amtsübergabe findet am 20. Januar 2009 statt.

phw/dpa/AP/AFP/Reuters

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Vorwahl in Pennsylvania: Entscheidung im "Swing State"

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: