Trump-Siege bei US-Vorwahlen "Jeder, der mich attackiert, geht unter"

Am Super-Samstag gewinnt Donald Trump die US-Vorwahlen in Louisiana und Kentucky. Doch auch Ted Cruz kann in zwei Staaten punkten - und bleibt damit im Rennen. Kann er Trump noch gefährlich werden?

Von , Washington

AFP

Sie beschimpfen ihn, sie nennen ihnen einen Lügner, sie machen sich über seine Haare und Hände lustig - und trotzdem bleibt Donald Trump am Ende Sieger. Am sogenannten Super-Samstag hat der US-Milliardär erneut wichtige Vorwahlen gewonnen: In Louisiana und Kentucky votierte die Basis der republikanischen Partei mehrheitlich für Trump als nächsten Präsidentschaftskandidaten.

"Wir sind eine Bewegung, Millionen von Menschen unterstützen mich", jubelte Trump. Wieder einmal hatte er in eines seiner Luxushotels in Florida zur Siegesfeier geladen. Dort gab er sich selbstbewusst, überheblich. "Das Establishment ist gegen mich, aber sie können mich nicht kontrollieren. Jeder, der mich attackiert, geht unter."

Gleichwohl hat dieser Sieg für Trump einen Schönheitsfehler. Und der heißt Ted Cruz. Der konservative Senator aus Texas konnte in Maine und Kansas gegen Trump gewinnen, und in Kentucky erreichte Trump nur einen äußerst knappen Vorsprung von wenigen Prozentpunkten auf Cruz.

Trump hat jetzt mindestens 375 Delegiertenstimmen eingesammelt. Cruz hat gut 290. Kandidat Nummer drei, Marco Rubio, ist mit gut 123 Delegierten abgeschlagen, ebenso John Kasich mit 33 Stimmen. Ein Kandidat braucht mindestens 1237 Delegierte, um die Nominierung zu gewinnen.

Ted Cruz - der letzte ernstzunehmende Rivale

Damit wird deutlich: Ted Cruz ist vermutlich der letzte ernstzunehmende Konkurrent für Trump in diesem Rennen. Aus dem Wettstreit um die Nominierung der Republikaner dürfte nun tatsächlich ein Zweikampf werden: Trump versus Cruz.

Vor allem der Sieg in Maine ist für Cruz wichtig: Er beweist damit, dass er nicht nur im Süden und Mittleren Westen punkten kann, sondern auch im Nordosten des Landes. Für Marco Rubio, den Trump gern als den "kleinen Marco" verspottet, wird es eng. Noch hofft er wohl darauf, in seinem Heimatstaat Florida am 15. März gewinnen zu können. Doch das wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher. Laut Umfragen hat Trump auch dort einen bequemen Vorsprung. "Für Marco ist es echt Zeit auszusteigen", höhnte Trump. "Marco ist ein netter Kerl, aber jetzt kann er abzischen."

Auch Cruz appellierte an Rubio und Kasich, sich zurückzuziehen. "Das Feld muss sich weiter verkleinern. Solange das Feld weiter geteilt ist, hat Donald einen Vorsprung."

Trump wird sich jetzt auf seinen neuen Hauptgegner Cruz einstellen. Während er bislang bei öffentlichen Auftritten vor allem mit Rubio im Streit lag, dürfte er nun versuchen, Cruz auf Abstand zu halten. Das könnte schwieriger werden als gedacht. Denn wie Trump spricht Cruz mit scharfen Tönen gegen Migranten oder gegen das politische Establishment in Washington einen stramm konservativen Wählerkreis an. Außerdem gilt er nach dem Ausscheiden des Kandidaten Ben Carson als Favorit der religiösen Wähler.

Parteiführung in einer verzwickte Lage

Cruz setzt darauf, dass er von jetzt an die Unterstützung aller Trump-Gegner in der republikanischen Partei erhält. Frei nach dem Motto: Wer Trump stoppen will, muss mir helfen. Dabei geht es auch um viel Geld. Bislang halten sich Großspender der Republikaner mit Unterstützung für Cruz zurück. Der Texaner hofft, dass er nun frische Millionen erhält, um bei den anstehenden Vorwahlen TV-Werbung gegen Trump schalten zu können.

Die Führung der republikanischen Partei bringt der Ausgang des Super-Samstags in eine verzwickte Lage. In den vergangenen Tagen hatten Parteigrößen wie Mitt Romney oder John McCain Trump scharf attackiert, sie warnten, er sei ein Betrüger und Trickser. Er dürfte auf keinen Fall gewählt werden. Doch offenbar hat das an der republikanischen Basis nur begrenzt Eindruck hinterlassen.

Es wird immer deutlicher, dass Trump nur schwer zu stoppen ist. Die Parteifunktionäre im Senat und Kongress hatten auf den moderaten Marco Rubio als Kompromisskandidaten gehofft, Ted Cruz ist für sie keine wirkliche Alternative zu Trump. Viele halten den Senator für ebenso unberechenbar und polarisierend wie Trump. Sie trauen keinem der beiden zu, bei der Präsidentenwahl im November gegen die wahrscheinliche Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, gewinnen zu können.

Trump selbst warnte die Parteiführer in seiner Siegesansprache davor, ihn auszutricksen. Ausdrücklich brachte er dabei die Möglichkeit eines dritten, unabhängigen Kandidaten ins Spiel, den die Parteiführer jetzt gegen ihn in Stellung bringen könnten. Weiterer Streit würde nur Hillary Clinton helfen, warnte er und machte den Pateigranden ein Versöhnungsangebot: "Ich schieße doch nur zurück, wenn ich angegriffen werde", beteuerte Trump. "Ich liebe die Partei. Ich liebe die Republikaner."

Mysteriöser dritter Kandidat

Welcher mysteriöse dritte Kandidat gemeint sein könnte, blieb Trumps Geheimnis. Auch von der Seite der republikanischen Führung ist bislang kein konkreter Plan für eine solche Nominierung bekannt. In der kommenden Woche gehen die Vorwahlen unter anderem in Michigan weiter. Es wird damit gerechnet, dass das Rennen um die Kandidatur bei den Republikanern nach den Wahlen in Florida und Ohio am 15. März weitestgehend entschieden sein wird. Für Trump gilt: "Ich setze auf einen K.o.-Sieg."

Vergleichsweise entspannt dürfte derweil Hillary Clinton den weiteren Vorwahlkampf bestreiten. Zwar konnte ihr Rivale Bernie Sanders am Super-Samstag in zwei Staaten, Nebraska und Kansas, gewinnen. Aber Hillary Clinton holte den wichtigen Bundesstaat Louisiana und bleibt damit weiter in Führung bei der Zahl der Delegiertenstimmen. Sie hat nun 663 Delegierte eingesammelt, Sanders 457.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 128 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
friedrich_eckard 06.03.2016
1.
Einmal abgesehen davon, dass ich die Frage "Trump oder Cruz" nicht für so furchtbar interessant halte, weil a.) das Rennen zugunsten Trumps gelaufen sein dürfte, und weil b.) ich einen messbaren Unterschied in der Grössenordnung des Übels zwischen einem grossmäuligen PEGIDiotischen Quartalsirren und einem reaktionären Frömmler nicht erkennen kann: könnte man nicht die Berichterstattung über die Vorwahlen der Demokraten jemanden anders als einem gewissen Hern Palmström übertragen? "Weil, so schliesst er messerscharf / nicht sein kann, was nicht sein darf." - heiliger Christian Morgenstern! Tatsache ist doch, dass Sanders überhaupt nicht "raus" ist. Für Nebraska habe ich keine Umfragen finden können, und in Kansas lag er hinten. "Seine" Staaten kommen doch überhaupt erst noch, während Clinton derzeit die Staaten abräumt, die in der Hauptwahl eh' republikanisch wählen werden - der Kandidat möge Trump, Cruz, Rubio oder Leonard J. Broomstick heissen. Wenn ein Fussballclub von den ersten zwölf Saisonspielen zehn auswärts austragen muss und aus diesen Spielen 14 bis 16 von 36 möglichen Punkten holt, dann ist das doch, verd... nochmal, kein schlechter Start, und die Heimspiele müssen ja irgendwann auch noch kommen.
moistvonlipwik 06.03.2016
2.
Die andere Frage: wäre Cruz soviel besser? Zudem sind die ersten Klagen eingegangen: die Gerichte werden also alsbald entscheiden, was man unter "natural born citizen" zu verstehen hat.
severin123 06.03.2016
3. Habe mich in der letzten zeit
mit dem wahlkampf beschäftigt, es ist erschreckend zu sehen wie populistisch alle Kandidaten sind, kein einziger von denen hat irgendwas konkretes zu sagen " Ich sorge dafür, dass alle junge Menschen Arbeit bekommen" toll und weiter? Die Amis schmeißen nur mit solchen Floskeln um sich. Es war nie anders , eine Show , mehr nicht , am Ende wird die Politik von Strippenzieher bestimmt und der Mächtigste Mann der Welt ist eine Witzfigur. Zum Glück ist die öffentliche Meinung ein wesentlicher Motor und dank Hollywood sitzt, das Herz bei vielen Amis auf dem richtigen Fleck, deswegen wird immer noch zumindest versucht ein Anschein der Helfer vor zu gaukeln.
bdxc 06.03.2016
4. I have a dream
Ein Präsident Donald Trump mit einem Vize (oder einem "Speaker" des Parlaments) Ted Cruz. Dieser Traum bekommt von Vorwahl zu Vorwahl mehr Chancen der Überführung in die Realität ab dem 20. Januar 2017. Den Vereinigten Staaten und der ganzen Welt stehen mindestens vier, hoffentlich sogar acht, sehr gute Jahre bevor.
kuac 06.03.2016
5.
Trump:"Das Establishment ist gegen mich, aber sie können mich nicht kontrollieren. Jeder, der mich attackiert, geht unter"... Er ist doch selbst das Establishment, mit dem er Superreich geworden ist. Wenn er gegen das Establishment ist, dann ist er gegen sich selbst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.