US-Vorwahlen Das müssen Sie über South Carolina und Nevada wissen

Schadet die Papst-Schelte Donald Trump? Und schafft Hillary Clinton das Comeback? Vor den Vorwahlen in South Carolina und Nevada wächst in beiden Lagern die Nervosität. Der Überblick.

Republikaner Trump: Fehde mit Franziskus - und dem Rivalen Ted Cruz
AFP

Republikaner Trump: Fehde mit Franziskus - und dem Rivalen Ted Cruz

Von und , Charleston und Las Vegas


Die Republikaner in South Carolina, die Demokraten in Nevada - die beiden Vorwahlstaaten sind weit voneinander entfernt. Aber es gibt eine wichtige Parallele: Sowohl im Südosten als auch im Westen sind die Wählerschichten deutlich diverser als noch in den beiden ersten Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire und damit auch deutlich repräsentativer für die Stimmung im ganzen Land.

Mehr schwarze Amerikaner und mehr Latinos werden zur Wahl gehen, davon könnten Politiker mit einem breiten Profil profitieren, also Kandidaten wie Hillary Clinton oder Marco Rubio. Die Betonung liegt auf "könnten": Die Vorwahlen sind nicht wirklich berechenbar, das haben die vergangenen Ergebnisse gezeigt. Die wichtigsten Punkte im Überblick.

Das Duell Trump gegen Cruz

Trump hat laut Umfragen die besten Aussichten auf den Sieg, ein Erfolg wäre ein weiterer Beleg dafür, dass er auf dem besten Wege zur Nominierung ist. Für Tea-Party-Kandidat Cruz geht es darum, den Abstand zu Trump so gering wie möglich zu halten. Manche seiner Leute setzen auf das Iowa-Szenario und hoffen darauf, dass Cruz trotz Umfragen vor Trump landet. Ein Duo sind beide übrigens längst nicht mehr, zwischen ihnen ist ein regelrechter Krieg ausgebrochen. Sie buhlen um jene Republikaner, die sich gegen die Parteiführung stellen. Cruz hat South Carolina mit Fernsehwerbung überzogen, die Trump in ein schlechtes Licht rückt. Als "größten Lügner aller Zeiten" beschimpft dafür der Milliardär den Senator aus Texas.

Der Papst-Faktor

Interessant wird sein, ob sich die Kritik des Papstes an Trump niederschlägt. In welche Richtung, ist völlig offen. Einiges spricht dafür, dass Trump die Fehde mit Franziskus nicht schadet, weil sie sein Image als Mann festigt, der sich von niemandem etwas sagen lässt. In der christlichen Rechten allerdings könnte die Warnung des Papstes eine Rolle spielen. Sollte diese in South Carolina so wichtige Wählergruppe sich in Teilen von Trump abwenden, wäre mit Sicherheit Cruz der Profiteur.

Das Rennen um die Nummer drei

Das Establishment der Republikaner hofft darauf, dass es nach der Wahl zu klaren Verhältnissen im Feld hinter Trump und Cruz kommt. Heißt: Es muss sich endlich eine klare Tendenz abzeichnen, wer der Kandidat ist, hinter dem sich die Parteielite versammelt. Marco Rubio ist in dieser Hinsicht gut positioniert. Er muss aber mit klarem Abstand vor seinen Rivalen Jeb Bush und John Kasich landen, ansonsten geht der Kampf des Trios einfach weiter. Das Problem: Je länger sich der Wettbewerb um Platz drei hinzieht, desto länger nehmen sie sich auch gegenseitig die Delegierten weg. Die Folge: Trump und Cruz können schneller davonziehen.

High Noon in Nevada

Bei den Demokraten findet das Duell zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders in Nevada einen neuen Höhepunkt. Lange schien der Staat eine sichere Bank für Hillary Clinton, doch auch hier ist ihr zweistelliger Vorsprung geschmolzen, Sanders liegt in Umfragen gleichauf. Dabei hat Clinton mächtige Verbündete in Nevada, darunter den prominenten Senator Harry Reid. Nevada wird zur Zitterpartie: Eine Niederlage könnte ein Zeichen dafür sein, wie mühsam Clintons Weg zur Nominierung noch werden könnte. Und ein Sieg von Sanders könnte zeigen, dass er möglicherweise mehr ist als nur ein Protestkandidat, der nach frühen Gewinnen verglüht. Seine Hürde: Er muss sich in einem Staat behaupten, der nicht mehrheitlich von weißen Wählern bestimmt wird.

Minderheiten, Gewerkschaften, Croupiers

Von den nur 2,8 Millionen Einwohnern Nevadas - kaum mehr als New Yorks Stadtteil Brooklyn - sind 28 Prozent Latinos und neun Prozent Schwarze. Top-Wahlkampfthemen: illegale Einwanderung und die Wirtschaft. Nevada litt besonders schlimm unter der Hypothekenkrise und der Rezession, die Nachwehen sind bis heute zu spüren. Auch sind die Gewerkschaften hier einflussreicher als anderswo, vor allem dank ihrer starken Basis in den Casinos von Las Vegas.

Bezeichnend: Die mächtige Culinary Workers Union, die 2008 Barack Obama unterstützt hatte, verzichtete diesmal explizit auf eine Position. Doch Nevadas Caucus-System ist unberechenbar: Wie in Iowa dauern die Treffen oft Stunden, allerdings tagsüber, damit auch Croupiers und Cocktail-Kellnerinnen teilnehmen können. Gibt es in einem Bezirk ein Patt, werden verdeckte Spielkarten gezogen - die höchste Karte gewinnt.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Mondaugen 20.02.2016
1. Alternative
Die Alternative Cruz oder Trump klingt wie die zwischen 2 bekannten Krankheiten; der Unterschied ist, dass Cruz ein ernsthafter Politiker und Trump ein Clown und Showman ist. Vielleicht ist gerade das aber in den USA sein größter Trump(f)!
dolemite 20.02.2016
2.
Der "papst faktor" wird für Trump keine Rolle Spielen. Die Überwiegende Anzahl der Einwohner von South Carolina sind Baptisten. Gerade einmal 4 oder 5% sind Katholiken. Ich würde sogar soweit gehen das die Aussagen des Papstes unfreiwillig Trump gestärkt haben wenn man von der konservativen Wählerschaft ausgeht die zu Trump tendieren. Im allgemeinen wird es für SPON jetzt endlich Zeit Ted Cruz besser zu beleuchten der mit Abstand der gefährlichste Politiker in diesem Wahlkampf ist. Innen wie auch Außenpolitisch
Bertold 20.02.2016
3.
Zitat von MondaugenDie Alternative Cruz oder Trump klingt wie die zwischen 2 bekannten Krankheiten; der Unterschied ist, dass Cruz ein ernsthafter Politiker und Trump ein Clown und Showman ist. Vielleicht ist gerade das aber in den USA sein größter Trump(f)!
Cruz ein ernsthafter Politiker, soso. Sie wissen schon, dass er bereits bei der Einwanderung seiner Eltern den wahren Zeitpunkt verschwiegen hat um so zu tun, als wären sie vor Castro geflohen. Leider hat Castro erst ein paar Jahre später geputscht. Damit wollte er vertuschen, dass seine Familie auch nur zu den üblichen Wirtschaftsflüchtlingen gehörte.
johannesraabe 20.02.2016
4.
Ein Patt wird mit Spielkarten gelöst? Wird dann in anderen Bundesstaaten ein Tontaubenschießen oder ein Hundeschlittenrennen veranstaltet? Trump und Sanders werden gewinnen.
Bertold 20.02.2016
5.
Zitat von dolemiteDer "papst faktor" wird für Trump keine Rolle Spielen. Die Überwiegende Anzahl der Einwohner von South Carolina sind Baptisten. Gerade einmal 4 oder 5% sind Katholiken. Ich würde sogar soweit gehen das die Aussagen des Papstes unfreiwillig Trump gestärkt haben wenn man von der konservativen Wählerschaft ausgeht die zu Trump tendieren. Im allgemeinen wird es für SPON jetzt endlich Zeit Ted Cruz besser zu beleuchten der mit Abstand der gefährlichste Politiker in diesem Wahlkampf ist. Innen wie auch Außenpolitisch
Schlagfertig ist er ja, der Trump. Mit seiner Aussage, der Papst sollte sich mal zuerst um seine hohe Mauer um den Vatikan kümmern, bevor er sich um die Mauer zwischen Mexiko und den USA Gedanken macht, hat er meines Erachtens wieder einen Volltreffer gelandet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.