US-Vorwahlen der Republikaner: Superreiche Spender befeuern Schlammschlacht

Aus Manchester, New Hampshire, berichtet

In New Hampshire hat er gesiegt, nun rückt für Mitt Romney die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner immer näher. Nächster Schauplatz der Vorwahlen ist South Carolina. Dort droht eine beispiellose Schmutzkampagne - finanziert von schwerreichen Hintermännern.

Vorwahlen in New Hampshire: Romneys zweiter Sieg Fotos
AFP

Kelly Carter-Currier hat sich zur Feier des Tages eine Krone gebastelt. Sie hat eine alte Haarspange genommen, auf der "HAPPY NEW YEAR" stand, und die Buchstaben umgeklebt. Jetzt steht da stolz: "NH PRIMARY", New-Hampshire-Vorwahl. Noch ein paar Fähnchen und Luftschlangen, und fertig ist die Polit-Tiara.

Carter-Currier lehnt am Tresen des "Black Brimmer", einer Musikkneipe in Manchester. Ringsum fegen Kellner das letzte Konfetti auf, Restmüll einer Vorwahlparty. "In meinem Bezirk sind alle Demokraten", beschwert sich die Lehrerin. "Ich bin definitiv keine Demokratin." Also hat sie noch vor der Arbeit ihr Votum für einen Republikaner abgegeben.

Allerdings mit einem erklärten Ziel: "Hauptsache nicht für Mitt Romney."

Romney, der designierte Kandidat, der nach seinem nunmehr zweiten Vorwahlsieg ruhig schlafen dürfte: Er gefällt immer noch nicht allen. Seit fünf Jahren empfiehlt er sich - und kommt trotzdem nicht über 40 Prozent. "Zu poliert", sagt Carter-Currier, die im letzten Moment für Jon Huntsman gestimmt hat, den schmucken Ex-Gouverneur aus Utah.

Der hat sich schließlich im "Black Brimmer" feiern lassen wie ein Sieger. Dabei ist er mit 17 Prozent weit hinter Romney und Ron Paul gelandet. Nicht schlecht für einen, der längst abgeschrieben war. Aber auch nicht gut genug. "Ein dritter Platz ist ein Fahrschein!", ruft Huntsman unverzagt. "South Carolina, wir kommen!"

Diesen Fahrschein lösen aber auch die anderen. Noch in der Nacht zieht die US-Vorwahlkarawane weiter in den Südstaat, wo am 22. Januar die nächste Etappe ansteht. Die dürfte Romney ebenfalls in der Tasche haben. Die Hoffnung geben die anderen dennoch nicht auf: Ron Paul, Jon Huntsman, Newt Gingrich, Rick Santorum und Rick Perry.

"Das Rennen ist offen"

Perry erreichte in New Hampshire nicht mal ein Prozent. "Das Rennen ist weit offen", behauptet er ungerührt. Dass sich der Dritte freut wie ein Erster und dass selbst das Schlusslicht nicht aufgeben mag, sagt allerhand über dieses US-Vorwahldrama. New Hampshire hat zwar eine nominelle Entscheidung gebracht im Kampf um ihre Präsidentschaftskandidatur, die Romney nun kaum mehr einer nehmen kann. Doch eine emotionale Entscheidung fehlt der Partei.

Die soll nun also in South Carolina kommen, dem ehemaligen Sklavenstaat, in dem einst der Bürgerkrieg begann. Jetzt werden die Republikaner dort ihren eigenen Sezessionskrieg austragen, bevor sie sich irgendwann unweigerlich zusammenraufen. "In den kommenden zwei Wochen", prophezeit Perry, "wird viel passieren in South Carolina."

Man ahnt, was das heißt. South Carolina ist immer schon ein Staat der verbrannten Erde gewesen, nicht zuletzt bei Vorwahlen. Hier zerstörte George W. Bush vor zwölf Jahren seinen Widersacher John McCain mit einer beispiellosen Schmutzkampagne. Hier spielte Bill Clinton vor vier Jahren, im Namen seiner Gattin Hillary, eiskalt die Rassismuskarte gegen Barack Obama. Und hier wird nun auch Romney ins Sperrfeuer der Parteirivalen laufen.

Romney von allen Seiten unter Beschuss

New Hampshire gab ihm darauf schon einen Vorgeschmack. Da fand sich Romney plötzlich unter Beschuss von allen Seiten. "Du sollst nicht schlecht reden über andere Republikaner", lautete Ronald Reagans "elftes Gebot" einst. Doch die Zeiten der Höflichkeit und des Anstands sind vorerst vorbei.

In South Carolina fahren sie statt dessen schweres Geschütz auf, um ihren ungeliebten Top-Mann zu ramponieren. Fast 3,5 Millionen Dollar will allein ein Gingrich nahestehender "Super-PAC" - eine jener berüchtigten, unregulierten Spendengruppen, die von Multimillionären finanziert werden - in eine Werbekampagne gegen Romney stecken.

"Winning Our Future" nennt sich diese Gruppe aufgeblasen. Ihr erster Anti-Romney-Spot erschien bereits im Internet - ein dreiminütiger Teaser für eine halbstündige Film-Anklage, die sich Romneys Jahre als Chef des Private-Equity-Konzerns Bain Capital vorknöpft. "Firmenjäger" Romney, heißt es darin, habe Tausende Jobs vernichtet - "skrupelloser als die Wall Street".

Das Thema beherrschte die letzten Tage. Auch die anderen Romney-Rivalen stürzten sich gierig auf die Vorlage, Perry nennt Romney in der Wahlnacht sogar einen "Aasgeier". Dessen Sieg konnte das zwar nicht verhindern - aber die Affäre rasiert Romneys Vorsprung spürbar.

"Winning Our Future" ist nicht die einzige Truppe, die nun in South Carolina mobilisiert. Auch "Restore Our Future", eine Pro-Romney-Gruppe, will dort mindestens 2,3 Millionen Dollar investieren. Schon in Iowa hatte sie Newt Gingrichs zwischenzeitlichen Vorsprung mit einer flächendeckenden TV-Attacke ausradiert, die sie allein drei Millionen Dollar gekostet hat.

Abermillionen wurden in South Carolina investiert

Perry und Santorum bekommen ebenfalls Flankenschutz von "Super-PACs". Perrys reiche Freunde heißen "Make Us Great Again", sie haben jetzt schon Abermillionen in South Carolina investiert, das Perrys letzte Hoffnung ist. Santorums Truppe heißt "Red, White and Blue Fund", bisheriger Kostenaufwand in South Carolina: 200.000 Dollar, immerhin.

In South Carolina ist TV-Werbung billiger als in Iowa und New Hampshire - zugleich aber viel effektiver als das traditionelle Klinkenputzen, das die ersten zwei kleinen Vorwahl-Staaten den Kandidaten abfordern. South Carolina ist wesentlich größer: Mit Coffeeshop-Visiten und Town-Hall-Versammlungen lassen sich bei weitem nicht alle Republikanerwähler erreichen. Telegene Attacken funktionieren da viel besser.

Das Phänomen der "Super-PACs" - die den Kurs eines Wahlkampfes buchstäblich über Nacht ändern können - ist relativ neu. MSNBC-Moderator Chris Matthews hat ihre Folgen diese Woche mit dem Dresdner Feuersturm 1945 verglichen. Das war sicherlich ein unglücklicher Vergleich, illustrierte aber die Dramatik der Entwicklung.

"Super-PACs" existieren seit 2010, dank zweier Urteile des Obersten US-Gerichtshofs. Der Supreme Court befand erstens, dass Firmen und Gruppen Geld für "politische Bekenntnisse" ausgeben können, so lange sie sich nicht namentlich zu einem Kandidaten bekennen. Und zweitens, dass diese indirekten Wahlspenden keine Obergrenze mehr haben.

"Super-PACs" als neue Geldquelle im Wahlkampf

Dies hat eine neue, sprudelnde Geldquelle erschlossen. Die Präsidentschaftswahl 2012 ist die erste, bei der das voll zum Tragen kommt. Mit Konsequenzen, die sich in New Hampshire angedeutet haben und South Carolina beherrschen werden - aber ihre volle Wucht wohl erst im Herbst entfalten dürften, wenn die Republikaner gegen Obama aufmarschieren.

Die Finanziers und Strippenzieher hinter diesen sündteuren Dreckskampagnen kommen nur langsam ans Licht. "Restore Our Future" wird offenbar vom früheren Romney-Berater Carl Forti gesteuert und stützt sich unter anderem auf Spenden früherer Bain-Manager und der Brüder John Willard und Richard Marriott, die die Marriott-Hotelkette führen. Ihr Vater war ein guter Freund von Romneys Vater George.

"Winning Our Future" wiederum erhielt vorige Woche, gerade als Gingrich ins Trudeln geriet, nach Recherchen der "New York Times" eine Finanzspritze von fünf Millionen Dollar - vom Casino-Magnat Sheldon Adelson aus Las Vegas, einem alten Freund Gingrichs. Das illustriert die verheerende Bedeutung der Supreme-Court-Urteile: Per Spendengesetz darf Adelson dem Kandidaten direkt nur 5000 Dollar geben - so nun aber um die Ecke unbegrenzt spenden.

Gingrich freut sich - und kann sich zugleich die Hände reinwaschen. "Super-PACs" dürfen sich ja offiziell nicht mit Kandidaten "koordinieren". Weshalb diese auf ihrem hohen Ross sitzen bleiben können, während die reichen Scharfschützen die Schmutzarbeit erledigen.

Auf nach South Carolina: "Wenn Mitt denkt, er hat das in der Tasche", warnt Perry den Sieger noch in der Nacht, "wird er sich wundern."

Selbst Saubermann Huntsman verliert keine Zeit. Um kurz nach Mitternacht schickt er eine E-Mail an seine Anhänger, in der er sich "untertänig" bedankt und ihnen schwört, nicht aufzugeben. "Heute Abend ist ein erster Schritt in einer langen Kampagne", schreibt er. "Auf nach South Carolina - und darüber hinaus."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. leblos
toskana2 11.01.2012
Zitat von sysopIn New Hampshire hat er gesiegt, nun rückt für Mitt Romney die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner immer näher. Nächster Schauplatz der Vorwahlen ist South Carolina. Dort droht eine beispiellose Schmutzkampagne - finanziert von schwerreichen Hintermännern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808439,00.html
Herr Romney sieht aus wie eine Figur aus Madame Tussauds Wachskabinett: glatt, geleckt, mit aufgesetzten Lächeln und leblos. Ich ahne nichts Gutes, sollte er mal zum Regierungsleben erweckt werden.
2. .
testthewest 11.01.2012
Zitat von toskana2Herr Romney sieht aus wie eine Figur aus Madame Tussauds Wachskabinett: glatt, geleckt, mit aufgesetzten Lächeln und leblos. Ich ahne nichts Gutes, sollte er mal zum Regierungsleben erweckt werden.
Das sehe ich zwar ähnlich, allerdings ist es ein (menschlicher) Fehler sich vom Aussehen leiten zu lassen. Man kann auch die Kampagne vergessen. Bestes Beispiel ist Obama, der Guantanamo immer noch nicht geräumt hat, Ewigkeiten im Irak blieb und auch ansonsten das Gegenteil von dem Versprochenen tut. ...dabei sah er so sympatisch aus!
3. Was ich nicht verstehe?
Seffi 11.01.2012
Zitat von sysopIn New Hampshire hat er gesiegt, nun rückt für Mitt Romney die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner immer näher. Nächster Schauplatz der Vorwahlen ist South Carolina. Dort droht eine beispiellose Schmutzkampagne - finanziert von schwerreichen Hintermännern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808439,00.html
Die Republikaner bewerfen sich jetzt gegenseitig kübelweise mit Schmutz, soviel, wie nur irgendwie möglich. Irgendwann soll aus den Beworfenen ein (ziemlich schmutziger) Kandidat gekürt werden. Mit den Steilvorlagen aus dem Vorwahlkampf liefern die Republikaner den Demokraten (sozusagen for free) Munition ohne Ende. Warum tun sie das?
4. Ähmm
rodelaax 11.01.2012
Zitat von toskana2Herr Romney sieht aus wie eine Figur aus Madame Tussauds Wachskabinett: glatt, geleckt, mit aufgesetzten Lächeln und leblos. Ich ahne nichts Gutes, sollte er mal zum Regierungsleben erweckt werden.
Diese Beschreibung paßt aber 100 %ig auch auf Christian Wulff!
5. Seltsamer Kandiadat
hubertrudnick1 11.01.2012
Zitat von sysopIn New Hampshire hat er gesiegt, nun rückt für Mitt Romney die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner immer näher. Nächster Schauplatz der Vorwahlen ist South Carolina. Dort droht eine beispiellose Schmutzkampagne - finanziert von schwerreichen Hintermännern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808439,00.html
Es ist schon sehr seltsam was man dafür einen Kandidaten ins Rennen schickt. Ein Multimillonär, der mit der Beseitigung von Arbeitsplätzen hohen Profit für sich einstreicht, aber den amtierenden Präsidenten kritisieren weil er nicht genug Jobs schafft. Soviel Dummheit kann nur wieder aus den USA kommen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema US-Präsidentschaftswahl 2012
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 43 Kommentare


Republikanische Präsidentschaftsbewerber

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite