Favorit bei den US-Vorwahlen Republikaner kapitulieren vor Donald Trump

Kurz vor den Vorwahlen ist Donald Trump der klare Favorit auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Die Partei gewöhnt sich an ihn, und er fühlt sich stark wie nie. Doch jetzt kommt sein erster wirklicher Test: Iowa.

Republikaner Trump: In Iowa wird es ernst für ihn
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Republikaner Trump: In Iowa wird es ernst für ihn

Von , Washington


Jetzt, so kurz vor den ersten Vorwahlen in Iowa, ändert Donald Trump sogar ein paar Gewohnheiten. Statt - wie sonst fast immer nach Wahlkampfterminen - mit seiner Boeing 757 ins heimische New York zu fliegen, mietete er sich dieser Tage in einem Holiday Inn Express ein, einer dieser seelenlosen Hotelketten, die es überall gibt im Land. "Es war schön, es war sauber", befand Trump hernach. "Gute Matratze, gute Mitarbeiter, alles gut."

Trump kämpft, er will den Sieg gleich im Premieren-Bundesstaat. Die Wahl am 1. Februar ist sein erster großer Test, ob sich seine Popularität auch in Stimmen niederschlägt. Er weiß, wie wichtig das wäre für den weiteren Verlauf der Vorwahlen und sein Ziel, trotz vieler Widerstände bei den Republikanern Präsidentschaftskandidat der Partei zu werden. In Iowa wird es knapp. Sein stärkster Rivale, Rechtsaußen Ted Cruz, liegt mit ihm Kopf an Kopf.

Die Spannung in Iowa überdeckt, dass Trump bei den Republikanern als klarer Favorit ins Rennen um die Kandidatur geht. Galt er im Herbst noch als chancenloser Sonderling, beschreiben einige Medien inzwischen das Szenario "President Trump". Er selbst fühlt sich stark wie nie. Die nächste TV-Debatte? Will er auslassen und stattdessen möglicherweise eine Konkurrenzveranstaltung abhalten. Typisch Trump. Unverfroren, klar. Aber alle Welt redet über ihn. Und aus Sicht seiner Fans ist der Boykott das, was einen starken Mann ausmacht. "Trump ist keine Erfindung irgendeiner Werbeagentur. Er ist real. Das muss man langsam anerkennen", beschreibt Byron Shafer, Politikprofessor von der Universität Wisconsin, das Phänomen.

Im Video: Trump boykottiert TV-Debatte

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"Richtige Persönlichkeit"

Wie sehr sich Trump als aussichtsreichster Kandidat der Republikaner manifestiert hat, lässt sich an mehreren Indikatoren ablesen. Natürlich sind da die Umfragen. In vielen Bundesstaaten liegt er weit vor seinen Konkurrenten. Aber aufschlussreich ist vor allem eine aktuelle Erhebung von "NBC" und "Wall Street Journal": Sie zeigt, wie sich das Bild von Trump innerhalb seiner Partei verändert hat. Inzwischen können sich demnach zwei Drittel der Republikaner vorstellen, Trump zu unterstützen. Als er im Juni seine Bewerbung verkündete, hielten das noch zwei Drittel für unvorstellbar. Da hat sich etwas komplett gedreht. (Lesen Sie hier die Umfrage im pdf-Format.)

Von einem Aufstand der Partei-Eilte gegen Trump ist bislang wenig zu sehen. Der "National Review" veröffentlichte dieser Tage ein Manifest gegen Trump, unterschrieben von etlichen prominenten Konservativen. Das Problem aber ist, dass das Establishment in der Partei derzeit einen so schlechten Stand hat, dass Angriffe wie dieser eher das Gegenteil des beabsichtigten Effekts erzielen. Trump, der Mann, der die alte Garde verschreckt - so sehen es die Anhänger des Ex-Casino-Magnaten am liebsten, und der Aufschrei seiner Gegner zeigt aus ihrer Sicht nur, dass er auf dem richtigen Weg ist.

Angesichts des starken Evangelikalen-Lieblings Cruz, der im Senat einen wahren Krieg gegen die Parteispitze führt, entdecken einige Vertreter der alten Garde inzwischen sogar ihre Liebe zum Milliardär. Bob Dole, ehemaliger Präsidentschaftskandidat, bescheinigte Trump, die "richtige Persönlichkeit" für das Weiße Haus zu haben. Rudy Giuliani, Ex-Bürgermeister von New York, versprach ihm vorauseilend seine Unterstützung. Auch diese Republikaner haben einen schlechten Stand, und wirklich mächtig sind sie auch nicht mehr. Aber ihre Sätze deuten darauf hin, dass die Revolution ausbleiben könnte, wenn auch nur aus Angst vor dem für die Parteiideale noch gefährlicheren Cruz.

Kapitulation der Rivalen

Inhaltlich traut sich schon lange niemand mehr, Trump wirklich etwas entgegenzusetzen. Beim dem von ihm gesetzten Thema Einwanderung sind seine Rivalen inzwischen mehr oder weniger auf seinem radikalen Kurs. Selbst Trumps Vorschlag, für Muslime vorübergehend die Grenzen dichtzumachen, wird nur noch zaghaft kritisiert. Allenfalls Jeb Bush hält ihm die Irrationalität dieser Idee etwas entschlossener vor Augen und dekliniert schon mal durch, wie sehr ein solcher Plan den Anti-Terror-Kampf erschweren würde. Aber wenn Bush sich mit zu Wort meldet, hält Trump ihm seine schlechten Umfragewerte vor, die Leute lachen, und die Sache ist vergessen. Bei der letzten TV-Debatte war das schön zu sehen.

Das alles heißt nicht, dass Trump mit der Kandidatur bereits planen kann. Die nächsten Monate bringen für ihn noch etliche Hürden.

Sein Rückhalt unter Wechselwählern ist miserabel. Je nach Ausgang der ersten Vorwahlen könnte sich das Partei-Establishment hinter einem Alternativkandidaten sammeln. Und das republikanische Wahlsystem ist anders als noch 2008 und 2012. Die meisten Staaten verteilen ihre Delegierten in diesem Jahr proportional. Auch als Zweit- oder Drittplatzierter lassen sich so eine Menge Wahlmänner sammeln. Dass ein Kandidat gleich in den ersten Wochen davonstürmt und somit früh Fakten schafft, ist sehr unwahrscheinlich. Aber ein paar Tage vor Iowa ist klar: Kein anderer Republikaner hat derzeit bessere Aussichten, im Sommer die Demokraten herauszufordern.

"Wenn Sie Geld wetten müssten", formuliert es der Meinungsforscher David Merritt: "Donald Trump wäre die beste Wahl."

Video über Trumps deutsche Wurzeln: Die Pfalz im Blut

Maria Feck



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insgesamt 136 Beiträge
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Seite 1
plietsch 27.01.2016
1.
Trump hätte wohl eine geringe Aussicht auf Erfolg, wenn die Demokraten mit einem vernünftigen Kandidaten ins Rennen gingen. Aber Hillary hat sich durch ihren außenpolitischen Hardliner-Kurs bei den kriegsmüden Amerikanern nicht beliebt gemacht. Ihre E-Mail-Affären und Widersprüche sowie ihre enge Vernetzung mit der Wall Street machen es nur umso schlimmer. Und Sanders ist für das Bürgertum einfach zu radikal, auch wenn seine Thesen von vielen generell befürwortet werden. Interessant wäre es, wenn die Republikaner Cruz aufstellen, Trump als Unabhängiger ins Rennen geht und zugleich Bloomberg antritt. Wenn dann noch Sanders kandidiert, wäre das wohl der interessanteste Wahlkampf seit Jahrzehnten. Zwischen Obama, McCain, Kerry, H. Clinton, J. Bush etc. sind die politischen und persönlichen Unterschiede nur marginal gewesen.
sickandinsane 27.01.2016
2. Sicher interessant was herauskommt,
da Iowa ein Swing-State ist. Über das Ergebnis kann man sich also nie ganz sicher sein, auch ein Herr Trump nicht ;)
frenchie3 27.01.2016
3. Ehrlich
Langsam wird mir bange. Ich denke es wird Zeit Aktien von Bunkerherstellern zu ordern.
akeley 27.01.2016
4. von wegen optional
Noch vor kurzer Zeit, als Trump bereits deutlich in Umfragen vorne lag, behaupteten viele sogenannte "Politikexperten" noch, Trump würde gleichwohl niemals die Nominierung der Republikaner erhalten.
robin-masters 27.01.2016
5. Gute Chancen
gegen eine Hilary Clinton die für Establishment und Klüngelei steht oder für US Verhältnis radikalen Linken Bernie Sanders stehen die Chancen wohl ganz gut. für Mr. Trump.
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