US-Vorwahlen Fünf Lehren aus South Carolina und Nevada

Nicht einmal der Papst kann Donald Trump stoppen. Hillary ist doch noch die große Favoritin bei den Demokraten. Der Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse der jüngsten US-Vorwahlen.

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Aus Columbia und Las Vegas berichten und


Hillary Clinton ist schon in Texas. Noch am Abend der Wahl in Nevada reiste sie weiter in den wichtigen Vorwahlstaat an der Grenze zu Mexiko. Kurz vor Mitternacht gab sie dort bereits ihre erste Rede. Auch Donald Trump ist schon wieder unterwegs. Er hat sich in Richtung Georgia aufgemacht. Am Nachtmittag will er vor Tausenden seiner Anhänger sprechen. Das Rennen um die Präsidentschaft kennt keine Pausen, schon gar nicht in dieser Phase.

Die dritte Runde der Vorwahlen ist vorbei. Die Republikaner wählten in South Carolina (hier lesen Sie die Analyse), die Demokraten in Nevada (hier lesen Sie die Analyse). Wie ging es aus? Was sind die Folgen? Und was die Lehren?

Nicht einmal der Papst kann Donald Trump stoppen

Zehn Prozent vor der Konkurrenz, alle Delegierten gewonnen: Donald Trumps Sieg in South Carolina war eine Art Durchmarsch. Der Erfolg des Milliardärs verunsichert das Establishment der Republikaner. Selbst die größten Skeptiker realisieren dort langsam: Trumps Kandidatur ist kein Scherz, er kann auch in Staaten gewinnen, die eine deutlich diversere Wählerschaft haben als Iowa oder New Hampshire. Der Sieg belegt zudem, wie wenig sich die Anhänger Trumps von Kritik am Kandidaten beeindrucken lassen. Trump bekriegt sich mit dem Papst? Die religiöse Rechte wählt ihn trotzdem. Er beleidigt Gott und die Welt? Ist in den Augen seiner Fans ein Ausweis seiner Stärke. In Nevada steht kommende Woche die nächste Wahl an. Gewinnt er dort, könnte der Super Tuesday am 1. März zum Trump-Tuesday werden.

Das Feld konsolidiert sich

Nach der dritten Wahl schmilzt das Feld der Republikaner: Neben Donald Trump können nur noch Rechtsaußen Ted Cruz und Floridas Senator Marco Rubio als aussichtsreiche Kandidaten gelten. Der Dreikampf dürfte heftig werden. Vor allem Rubio macht sich nun Hoffnungen, alle Moderaten in der Partei hinter sich versammeln zu können. Er setzt darauf, dass Trump und Cruz sich die Stimmen der wütenden Republikaner gegenseitig wegnehmen - und er als Kandidat der Mitte an der Partei vorbei zieht. Ganz unrealistisch ist das nicht. Trumps Gegner verweisen darauf, dass der Milliardär stets deutlich unterhalb der 40 Prozent geblieben ist, also nur einen gewissen Teil der Basis anspricht. Aber auch Rubio hat Schwächen: Er muss sich gegen den Vorwurf wehren, in Einwanderungsfragen keine klare Linie zu haben. Das ist ausgerechnet Trumps Kernthema.

Die Partei ist tot - es lebe die Partei!

South Carolina hat die Republikaner vollends in eine Existenzkrise gestürzt. Der ideologisch verankerte, doch längst entrückte Machtapparat der Partei sieht sich dem Aufstieg Trumps einigermaßen hilflos ausgeliefert. Was mit der Tea-Party-Revolte begann und sich mit der Demontage des Mainstream-Kandidaten Mitt Romney fortsetzte, findet sein Finale: Die Partei frisst sich selbst auf. Dass Trump sie dabei nicht nur ungestraft mit Füßen treten kann, sondern dafür sogar noch belohnt wird, offenbart das Ausmaß der Selbstzerstörung. Aus der Asche wächst etwas Neues, das mit der Partei Lincolns allenfalls den Namen gemein hat - radikaler, kompromissloser, nationalistischer, rassistischer, unpolitischer.

Vorwahl-Aussteiger Jeb Bush: Keine Chance gegen den Bulldozer
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Vorwahl-Aussteiger Jeb Bush: Keine Chance gegen den Bulldozer

Money doesn't make the world go around

Weder sein Name noch eine Kampfkasse von 100 Millionen Dollar nutzten: In South Carolina endete Jeb Bushs Traum, in die präsidialen Fußstapfen des Vaters und des älteren Bruders zu treten. Damit besiegelte sich das Ende einer Dynastie, die die US-Politik fast ein halbes Jahrhundert lang bestimmte. Die Erkenntnis daraus: Der vielbeklagte Einfluss von Parteispenden in US-Wahlkämpfen ist wohl doch nur beschränkt - und ohne Wirkung gegen einen Bulldozer wie Donald Trump, der bisher nur einen Bruchteil seines eigenen Vermögens investiert hat und stattdessen von der Gratiswerbung der Medien lebt.

Vorwahlsiegerin Clinton: Strategische Schwächen
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Vorwahlsiegerin Clinton: Strategische Schwächen

Hillary? Hillary!

In Nevada hat Hillary Clinton ihren Anspruch auf die demokratische Präsidentschaftskandidatur gefestigt. An ihrer Nominierung bestehen wenig Zweifel. Es sei denn, es geschieht noch etwas ganz Unerwartetes. Clinton bewies, dass sie trotz Gegenwind eine Koalition der wichtigsten Wählergruppen schmieden kann - vor allem die Afroamerikaner, deren einflussreichste Vertreter sich auf ihre Seite schlugen. Doch Clinton hat noch viel vor sich: Das knappe Rennen offenbarte ihre strategischen Schwächen. So konnte sich Rivale Bernie Sanders ausgerechnet in Nevada die Mehrheit der Latinos sichern, der am schnellsten wachsenden Noch-Minderheit. Darüber hinaus misslang es ihm aber, seine Botschaft von wirtschaftlicher Fairness über seine überwiegend weiße Basis hinaus auszuweiten. Dass die Hürden nunmehr statistisch fast unüberwindbar geworden sind, stört ihn wenig: Aufgeben will er noch lange nicht.

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insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
Art. 5 21.02.2016
1.
Rubio ist kein Kandidat der Mitte. Warum schreibt ihr so etwas?
maximinus 21.02.2016
2. Kein Zweifel?
"An ihrer Nominierung bestehen wenig Zweifel." 51 zu 51 Delegierte nach drei Vorwahlen und ein hauchdünner Vorsprung in einem Staat wie Nevada lassen für mich einige Zweifel zu.
Schalk 21.02.2016
3.
Der Einschätzung bezüglich der Demokratischen Kandidaten kann ich nicht ganz folgen. bei den Stimmen der Deligierten steht es zwischen Clinton und Sanders 51 zu 51. Wie kommt man da zu der Einschätzung, für Sanders seien "die Hürden nunmehr statistisch fast unüberwindbar"? Also weil Sanders in Nevada nur die Latinos (unerwarteterweise!), aber nicht die Afroamerikaner für sich hat gewinnen können, ist er automatisch aus dem Rennen? Das ist doch sehr dünn; allein schon die Kompliziertheit der Argumentation zeigt, wie weit hergeholt das ist. Schwarze können doch in anderen Staaten anders wählen, schließlich stiftet die Hautfarbe ja keine telepathische Verbindung.
INGXXL 21.02.2016
4. Warten wir mal
den 1. März ab, ist vielleicht einiges klarer
KingTut 21.02.2016
5. Pro Hillary
Gott sei Dank ist Hillary "doch noch die große Favoritin" und ob der Papst Donald Trump nicht verhindern konnte, steht momentan noch in den Sternen. Bei Hillary weiß man wenigstens, woran man ist. Sie war als Außenministerin der USA überaus erfolgreich, weil sie eine Politik mit Augenmaß betrieb. Sie berechenbar im positiven Sinne, was man bei Trump wohl nicht behaupten kann. Lasst uns die Daumen drücken, dass Frau Clintion die 45. Präsidentin der USA wird.
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