US-Vorwahlen Clinton wirft Sanders Illoyalität vor

Hillary Clintons Favoritenstatus im US-Vorwahlkampf bröckelt. Nun geht sie ihren Rivalen Bernie Sanders hart an: Seine Versprechen seien unhaltbar, sein Verhalten gegenüber Präsident Obama illoyal.

US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton: Jetzt heißt es Angriff
REUTERS

US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton: Jetzt heißt es Angriff


In Iowa war es knapp, in New Hampshire deutlich: Bernie Sanders kann der ehemaligen US-Außenministerin Hillary Clinton im Kampf um die Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen gefährlich werden. Im TV-Duell in Milwaukee trafen die beiden US-Demokraten nun erneut aufeinander. Und der Ton wurde schärfer.

Clinton warf Sanders vor, nicht loyal gegenüber Präsident Barack Obama zu sein. "Die Art der Kritik, die wir von Senator Sanders über unseren Präsidenten gehört haben, erwarte ich von den Republikanern und nicht von jemandem, der sich um die Nominierung der Demokraten bemüht, um Präsident Obama nachzufolgen", sagte sie. Clinton habe klarmachen wollen, dass sie die Unterstützung des Präsidenten habe, schrieb der US-Fernsehsender CNN.

Sanders wies die Äußerung als "Tiefschlag" zurück. Als Senator habe er das Recht, auch den Präsidenten zu kritisieren. Bei den meisten Themen sei er aber ein "starker Verbündeter" von Obama gewesen.

Insgesamt war die Debatte der Demokraten geprägt von Auseinandersetzungen über innen- und sozialpolitische Themen wie Einwanderung, Wahlkampffinanzierung oder Gesundheitsversicherung.

Starke Kritik übte Clinton in der vom Fernsehsender PBS übertragenen Debatte vor allem an Sanders' Idee für eine staatliche Krankenversicherung. Das Versprechen des Senators, dass höhere Steuern für die Mittelschicht durch Einsparungen bei den Gesundheitskosten ausgeglichen würden, sei "nicht haltbar". Sanders entgegnete, dass Clinton die Wähler mit ihrer Kritik in die Irre führe. "Ich weiß nicht, mit welchen Volkswirten Außenministerin Clinton redet", sagte er.

Clinton sprach sich dafür aus, Masseninhaftierungen zu beenden. Auch gebe es in den USA einen systemischen Rassismus, der ausradiert werden müsse. Sanders sagte, am Ende seiner ersten Amtszeit würden die USA nicht mehr das Land mit den vergleichsweise meisten Gefangenen weltweit sein. Bei den Zuschauern konnte sich Clinton mit ihrem Kurs nicht durchsetzen: Einen klaren Sieger gab es bei dem TV-Duell nicht.

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brk/AP/AFP/dpa



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insgesamt 68 Beiträge
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mielforte 12.02.2016
1. Es ist wie bei der Geschichte
"Des Kaisers neue Kleider". Indem Clinton für sich in Anspruch nimmt, das politische System gepachtet zu haben und es lediglich für eine gewisse Zeit einer anderen Familie "überläßt", merkt der Wähler, daß Clinton nicht mehr rüberbringen kann, wofür sie überhaupt steht, außer für sich selbst (und ihren Clan). Und es ist noch schlimmer, sie verteidigt sich nicht einmal mehr, es genügt ihr, nur da zu sein. Das nenne ich aktive Wahlhilfe für Jeb Bush. Wie seinerzeit Steinbrück für Merkel. Eine Macht endet immer, wenn die Vision und der Glaube stirbt. Und hier setzt Bernie Sanders an.
oskarshamn 12.02.2016
2. Clinton IST Favorit
Ich verstehe nicht, inwiefern Clintons Nominierung gefährdet sein soll. Sanders hat selbst in NH kaum mehr als 1/3 der Mandate gewonnen. Und insgesamt steht er noch schlechter da. Seine Siegchancen sind quasi null.
modemhamster 12.02.2016
3. Jetzt wird schmutzig.
Und Hilary packt die Verleumdungen aus. In einer gerechteren Welt würde das auf sie zurückfallen, denn in der Beziehung ist sie verwundbar: "Top Hillary Clinton Advisers and Fundraisers Lobbied Against Obamacare and Dodd-Frank" (The Intercept)
sebastian_f 12.02.2016
4. Vaca proasta!
Wenn Sie nicht den Mut hat für Veränderungen, die auch für die armen Menschen in ihrem Land gut sind, soll sie einfach aufgeben und Sanders die Präsidentschaftskandidatur überlassen.
CommonSense2006 12.02.2016
5. seltsame Idee
Warum meint Clinton, dass man an Obama nichts kritissieren darf, nur weil er auch in er demokratischen Partei ist? Die Tatsache, dass sie statt der Krankenversicherung lieber über den "systemischen" Rassismus diskutieren will, wirft ein Schlaglicht auf ihre denkweise: Lieber über ein Thema sprechen, dass zwar emotional aufgeladen ist, sich aber eigentlich gar nicht lösen lässt, als über Dinge, die sich wirklich verändern lassen, bei denen einem aber der Wind ins Gesicht bläst und viel juristische und fachliche Kleinarbeit zu tun ist.
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