Der erste US-Caucus Die wichtigsten Fakten zu Iowa

Am Abend starten die US-Vorwahlen in Iowa, Ausgang offen. Was steht für Donald Trump auf dem Spiel, was für Hillary Clinton? Und wer hat Außenseiterchancen?

Von und , Des Moines

Iowa vor der Wahl: Amerika blickt nach Des Moines
AFP

Iowa vor der Wahl: Amerika blickt nach Des Moines


Natürlich, die Umfragen. Sie sind ein gewisser Indikator dafür, was in Iowa passieren könnte. Die Frage ist nur, wie zuverlässig sie sind.

Es gibt vage Trends: Bei den Republikanern ist der Milliardär Donald Trump knapp vorne, bei den Demokraten Hillary Clinton. Aber schon die Abstände zu den jeweils Zweitplatzierten schwanken von Erhebung zu Erhebung. Zudem entscheiden viele Wählerinnen und Wähler traditionell erst sehr kurz vor dem Caucus, auf wessen Seite sie sich schlagen. Und es ist eben Iowa. Hier gab es schon so manche Überraschung. Der Versuch eines Leitfadens:

Worum geht es für Donald Trump?

Der Populist und sein ärgster Rivale Ted Cruz, Liebling der Evangelikalen, kämpfen um den Sieg. Für Trump ist Iowa enorm wichtig. Gewinnt er, wäre das ein erster Beleg dafür, dass sich seine Popularität tatsächlich in Stimmen niederschlägt. Gelänge ihm das noch dazu in einem Staat, in dem die christliche Rechte stark verankert ist, wäre das umso mehr wert. Denn Umfragen zufolge gilt er als der am wenigsten Religiöse unter den Republikanern. Er würde noch einmal gestärkt in die Vorwahlen in New Hampshire gehen, bei denen er ohnehin der Favorit ist.

Verliert Trump gegen Cruz, könnte das Zweifel an seiner Stärke hervorrufen und die kommenden Vorwahlen negativ beeinflussen. Trump hat das Gewinnen zum Leitmotiv seiner Kampagne gemacht. Mit Blick auf seine Umfragedominanz der letzten Monate wäre eine Niederlage gleich bei der Premiere für ihn daher eine besondere Peinlichkeit.

Worum geht es für Hillary Clinton?

Für Hillary Clinton hätte ein Sieg den Vorteil, dass sie die Zweifel an ihrer Kandidatur rasch ausräumen und den Aufstieg ihres stärksten Konkurrenten Bernie Sanders ein Stück weit stoppen könnte. Insgesamt hat sie weniger zu verlieren als Trump. Clintons Kampagne hat die Erwartungen zuletzt heruntergeschraubt, eine Niederlage bei einer der beiden ersten Vorwahlen gegen Sanders gilt als einkalkuliert. Sie hofft auf den Super Tuesday am 1. März, an dem etliche Südstaaten wählen. Der dortige hohe Anteil an schwarzen und eingewanderten Wählern gilt als großer demographischer Vorteil für Clinton.

Was ist mit den anderen?

Neben den Spitzenreiter-Duellen gibt es natürlich noch andere Kandidaten - zehn allein bei den Republikanern. Sie hoffen auf eine Underdog-Überraschung. Vor allem Senator Marco Rubio setzt auf einen "guten dritten Platz". Um sich dem Partei-Establishment als Anti-Trump-Kandidat der Vernunft zu empfehlen und mit Schwung in die nächsten Vorwahlen zu gehen, müsste er die restlichen Bewerber um Jeb Bush und Chris Christie aber erkennbar auf Abstand halten.

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Vorwahlen in Iowa: Die Last-minute-Charmeoffensive
Um überhaupt eine Alternative gegen Trump entwickeln zu können, muss das Feld kleiner werden. Das geht nur, wenn es klare Verlierer gibt. Der worst case aus Sicht der Pragmatiker in der Partei wäre gewissermaßen ein Doppelsieg von Trump und Cruz und eine lange Riege von Establishment-Kandidaten mit ähnlich niedrigen Ergebnissen rund um die 10 Prozent. Wichtig: Die hinteren Plätze müssen nicht gleich das Ende einer Kampagne bedeuten. John McCain landete 2008 in Iowa auf Platz 4 - und erkämpfte sich am Ende die Nominierung.

Welche Faktoren sind in Iowa wichtig für einen Erfolg?

Wetter, Wahlbeteiligung, Religion: Noch andere Elemente beeinflussen das Ergebnis. Iowas brutale Winter können selbst harte Caucus-Fans fernhalten. Die letzten Tage waren relativ warm - was die Wahlbeteiligung nach oben treiben würde. Doch droht am Dienstag ein schwerer Schneesturm, der schon am Caucus-Abend beginnen könnte. Grundsätzlich gilt: Outsider wie Trump und Sanders hoffen auf eine hohe Wahlbeteiligung. Beide sind besonders unter jenen verankert, die traditionell eher nicht wählen gehen. Wenn sich die Wählerschaft auf die Stammwähler beschränkt, dürften etablierte Kandidaten wie Clinton und Rubio einen Vorteil haben.

Die Religion ist ein anderer Nenner. Die Hälfte der republikanischen Wähler bezeichnen sich als konservative Christen. Früher stellten die sich hinter einen Lieblingskandidaten, etwa 2012, als sie dem bibelfesten Rick Santorum einen denkbar knappen Sieg verschafften. Dieses Jahr spaltet sich die "religiöse Stimme" zwischen Ted Cruz und Trump.

Wie geht es nach Iowa weiter?

Nach den Caucusen zieht die Karawane weiter nach New Hampshire, wo am 9. Februar Vorwahlen stattfinden. Manche Kandidaten verbringen nicht mal mehr den Caucus-Abend in Iowa. Zwar kann der Schwung des Iowa-Ergebnisses den Medienhype um die nächste Etappe anheizen. Doch die Wähler in New Hampshire lassen sich nichts vorschreiben. Auch gelten dort ganz andere Umstände, allein beim Wahlsystem.

Danach geht's erst richtig los: Die Schlusslichter dürften aufgeben, ihre Stimmen und Delegierten sich um die Rest-Kandidaten konsolidieren. Die wirklich spannenden Vorwahlen folgen: Nevada, South Carolina, der Super Tuesday mit vielen Südstaaten. Auch wenn Trump und Clinton in Iowa siegen - ihre Arbeit hat erst angefangen.

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insgesamt 13 Beiträge
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mcpoel 01.02.2016
1. Demokratie Abschaffen?
Der große Zulauf zu Trump ist beschämend, verschafft Demokratie einen schlechten Namen und gibt authoritären Staatsformen Rechtfertigungsargumente. Mal sehen, wie's im Caucasus ausgeht.... Und warum gibt es eigentlich keinen einzigen US Kandidaten der gegen Waffenfreiheit und Todestarafe ist, aber Abtreibungen auch nicht gerade unterstützt? Irgendwie gehört alles das aber immer zusammen und macht dann die einzigen wahlentscheidenden Argumente aus.
Schreiber5.1 01.02.2016
2. Spielt das noch eine Rolle?
Ausgang offen? Egal wer in den USA dran kommt, die US-Politik ist - genau wie bei uns - vom Geldadel völlig fremdbestimmt. Lediglich - um Unterschiede zu erzeugen - ist die Dreistigkeit ein klein wenig distanziert. Im Ergebnis ist der Unterschied für die Wähler nicht all zu weit her. Bestimmt wird die Politik hinter verschlossenen Türen durch die Bilderberger & Co. Wer - wie nach Spitzenrecherche eindrucksvoll im Buch "Was Sie nicht wissen sollen" beschrieben - Vermögenswerte von 220.000 Milliarden oder an zweiter Stelle 11.000 Milliarden besitzt, der sagt auch wo es lang geht! Da beißt die Maus keinen Faden ab. Beide Familien sind im Übrigen deutschen Ursprungs. In dem Zusammenhang ist die Queen ja schon fast eine arme Frau. Und deutsche "Oberbosse" eifern dem nach, denn Großmannssucht war schon immer eine deutsche Tugend, aber nicht wünschenswert. Und wer nun denkt oder gern dagegen wettern will (was meistens auf solche Äußerungen folgt) der sollte sich alternativ Naomi Kleins Buch "Die Schock Strategie" (Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus) sehr genau durchlesen. So läuft eben die Politik, hüben wie drüben. Daher spricht man es heutzutage deutlich aus! Huschmand Sabet schreibt in seinem Buch "Globale Maßlosigkeit": "Die Vorstände der Großunternehmen sorgen, wie hochrangige Funktionäre im Kommunismus, für die Lenkung der wirtschaftlichen Geschehnisse. Wie in der Planwirtschaft sind sie auf spekulative Erfolge angewiesen. Sie sind zudem jederzeit austauschbar. Dies belegt die ungewöhnlich hohe Fluktuation der Vorstandsposten in den DAX-Unternehmen. In einer Atmosphäre des Erfolgszwanges, der Hetze und Intrigen blüht amoralisches Verhalten. Das bestätigt beispielsweise die Entlassung von Mitarbeitern, um Einsparungen zu erzwingen. Die damit verbundene Verunsicherung äußert sich letztlich auch in der Korruption. Es ist kein Zufall, dass heute Vorteilsnahme, Bestechung und Korruption in allen Bereichen und auf allen Ebenen Bestandteile des Alltags geworden sind." Und das passiert überall auf der Welt, so dass die Wahlen und Vorwahlen praktisch bedeutungslos sind, weshalb ich oben schrieb, dass es leider eigentlich egal ist, wer da nun gewinnt.
ruman 01.02.2016
3. es kommt erstmal wie's kommt. Warum nicht nationwide
an einem Tag. Die Staaten sind so unterschiedlich und doch beeinfussen sich gegenseitig. Paradox ist, dass eine Niederlage hier einen Sieg dort provoziert. Oder die nächsten jumpen auf den bandwagon, wo die Musik von Anfang an am schrillsten spielt. Amerikanischer Jahrmarkt mit wenig Inhalt.
SeHerb 01.02.2016
4. Ted Cruz
Ich finde es erschreckend, wie wenig von SPON über Ted Cruz berichtet wird. Er liegt mit Trump gleichauf und ist mit seinen radikalen Ansichten nicht weniger gefährlich, wenn nicht sogar gefährlicher als Trump.
Reichnix 01.02.2016
5. Grund dumm
Ohne den Artikel gelesen zu haben - grund dumm. Solange nicht verstanden wird, und akzeptiert wird, dass ein US Präsi nicht gewählt wird, hat eure ganze Schwallerei keinerlei Mehrwert.
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