US-Vorwahlen in Michigan und Arizona Romneys mühsamer Triumph

Bei den US-Vorwahlen machte es Herausforderer Rick Santorum spannend: Zwar konnte Mitt Romney die Abstimmung in Arizona klar gewinnen. Doch im heiß umkämpften Staat Michigan war das Rennen lange denkbar knapp - bis sich der Favorit in seinem Heimatstaat endlich mühsam durchsetzte.

DPA

Hamburg - Nur wenige Prozentpunkte trennen die beiden Kandidaten in den Hochrechnungen: Die Republikaner Mitt Romney und Rick Santorum lagen bei der Vorwahl im US-Bundesstaat Michigan zunächst gleichauf - dann stabilisierte sich ein knapper Vorsprung Romneys, ihm wurde der Sieg gegen 4.20 Uhr deutscher Zeit offiziell zugesprochen.

In Arizona war der Ausgang viel schneller klar. Dort gewann Romney deutlich mit zweistelligem Vorsprung vor Santorum. In beiden US-Bundesstaaten sicherte sich der Doppelsieger insgesamt 59 Wahlmännerstimmen: 30 in Michigan, 29 in Arizona.

Doch der Erfolg wurde ihm vergällt: In Michigan sollte Mitt Romney eigentlich klar triumphieren, lange war von einem Heimspiel die Rede - der 64-Jährige stammt aus dem Bundesstaat, sein Vater regierte dort erfolgreich als Gouverneur und genießt noch heute hohes Ansehen. Doch ausgerechnet der ehemalige Außenseiter bei den Republikanern, der Erzkonservative Rick Santorum, holte in den Umfragen plötzlich auf und machte Romney den Heimsieg streitig.

Bei seiner Rede im Anschluss an die Wahl stand Romney die Erleichterung denn auch ins Gesicht geschrieben. "Wir haben nicht mit großem Vorsprung gewonnen", rief er im Wahlkampflager in der Stadt Novi im Südosten von Michigan seinen jubelnden Anhängern zu, "aber er war groß genug, und das ist alles, was zählt." Präsident Barack Obama griff er scharf an und warf ihm vor, die Vereinigten Staaten auf einen Pfad der Verschuldung, des Defizits und des Niedergangs geführt zu haben. Er hingegen wolle "Amerikas Versprechen erneuern".

Im Vorfeld der Abstimmung hatte Romney Erwartungen auf einen Sieg in seinem Heimatstaat noch gedämpft. So warf er nach Öffnung der Wahllokale am Dienstag in einer Pressekonferenz seinem Rivalen Santorum vor, mit "schmutzigen Tricks" zu arbeiten. In automatisierten Telefonanrufen - sogenannten Robocalls - hatte dieser an Anhänger der Demokratischen Partei appelliert, sich an dem Urnengang zu beteiligen und für ihn zu stimmen.

Bei den Vorwahlen in Michigan konnten auch Nicht-Republikaner ihre Stimme abgeben - dem Sender CNN zufolge gaben in Michigan zehn Prozent der befragten Wähler an, Demokraten zu sein, 31 Prozent gaben an, sich keiner Partei zuzurechnen, 59 Prozent waren demnach Republikaner.

Michigan ist der Geburtsort der US-amerikanischen Automobilindustrie. In dem Bundesstaat zwischen den Großen Seen haben Ford, General Motors und Chrysler ihre Fabriken. Die Entscheidung von Präsident Obama, die kriselnden Autobauer in der Weltwirtschaftskrise 2009 mit einem 80-Milliarden-Dollar-Paket zu retten, spielt auch bei der Vorwahl 2012 eine wichtige Rolle. Denn es war ausgerechnet Mitt Romney, der sich damals entschieden gegen Staatshilfen für die Autokonzerne aussprach. In der "New York Times" veröffentlichte er einen Beitrag unter dem Titel: "Lasst Detroit bankrottgehen". Zwar sprach sich Santorum ebenfalls gegen den sogenannten Bailout für die Auto-Industrie aus - doch er stellte sich auch quer, als es um die Rettungsmaßnahmen für die Wall Street ging. Romney dagegen unterstützte diese.

Bis zu den Vorwahlen am Dienstag hatte Romney 123 Wahlmännerstimmen für sich gesichert, Santorum 72. Für die Nominierung als Kandidat sind 1144 Stimmen nötig.

Nachdem Rick Santorum am 7. Februar gleich in drei Staaten - in Missouri, Minnesota und Colorado - die Vorwahlen für sich entscheiden konnte, hatte er in den vergangenen Wochen in den Umfragen stark aufgeholt.

Am Samstag wird im Nordwesten der USA, im Staat Washington, gewählt. Kommende Woche Dienstag finden am sogenannten Super Tuesday Vorwahlen in zehn US-Staaten statt. Insgesamt wird im März in mehr als 20 Staaten abgestimmt. Die Präsidentenwahl findet am 6. November statt.

bos/AFP/dapd/dpa/Reuters

insgesamt 3 Beiträge
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widder58 29.02.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSSpannende Entscheidung in den USA: Bei der wichtigen Vorwahl im Bundesstaat Michigan liefern sich die republikanischen Kandidaten Mitt Romney und Rick Santorum ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Eine Schlüsselrolle bei der Abstimmung spielen ausgerechnet demokratische Wähler. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818243,00.html
Alles Kalter Kaffee in der Pseudodemokratie. Vollkommen schnuppe wer da gewählt wird.
roland.vanhelven 29.02.2012
2. traurig
was fuer eine farce. Ron Paul wird mit massivem wahlbetrug in mehreren faellen aus der kandidatur gedreangt, und die verbleibenden marionetten, allesamt gekauft und bezahlt von den banken kartellen, bieten ein peinliches schaulaufen in den medien. korrupter gehts nicht mehr. und der SPON autor nennt Ron Paul "wunderlich". das ist blamabel...
harte2, 29.02.2012
3. konnten auch Nicht-Republikaner ihre Stimme abgeben
.....Bei den Vorwahlen in Michigan konnten auch Nicht-Republikaner ihre Stimme abgeben ..... : 0 ach ist es sonst nicht üblich, das anders Wählende ihre Stimme abgeben ? oder dürfen in anderen Bundesstaaten nur Republikaner wählen ?
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