US-Vorwahlen Obama und Huckabee gewinnen in Iowa

Entscheidung in Iowa: Barack Obama hat die erste demokratische Vorwahl der Präsidentschaftsbewerber gewonnen. Hillary Clinton kam nur auf den dritten Platz hinter Mitbewerber John Edwards. Ebenfalls deutlich setzte sich bei den Republikanern Ex-Baptistenprediger Mike Huckabee durch.


Hamburg - Die ersten Weichen für die Nachfolge von Präsident Bush sind gestellt: Barack Obama und Mike Huckabee heißen die Sieger der Vorwahlen in Iowa. Bei dem sogenannten Caucus der US-Präsidentschaftsbewerber ließ Obama die lange Zeit favorisierte Hillary Clinton sowie seinen Konkurrenten John Edwards hinter sich. Huckabee landete klar vor seinem republikanischen Mitbewerber Mitt Romney.

Iowa-Caucus: Obama und Huckabee gewinnen
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Iowa-Caucus: Obama und Huckabee gewinnen

Obama kam bei den Wählerversammlungen der Demokraten auf rund 38 Prozent, Edwards erzielte knapp 30 Prozent. Hillary Clinton kam mit gut 29 Prozent nur auf den dritten Platz. Auf Huckabee entfielen bei den Abstimmungen der Republikaner nach Auszählung von knapp 90 Prozent der Stimmen 34 Prozent - ein deutlicher Vorsprung gegenüber Romney, für den sich rund 25 Prozent aussprachen. Auf den dritten Platz kam Ex-Senator Fred Thompson mit gut 13 Prozent - knapp vor Senator John McCain, der nur knapp 13 Prozent erreichte.

Caucus-Sieger geben sich optimistisch

Obama zeigte sich vor seinen Anhängern siegesgewiss. Der Demokrat sagte in seiner Wahlkampfzentrale, er sei stolz auf seine Unterstützer und "bereit, der nächste Präsident Amerikas zu sein". Obama sagte weiter: "Wir wählen Hoffnung gegen Angst, wir wählen Einheit gegen Teilung und senden eine kraftvolle Botschaft aus - dass Amerika einen Wechsel bekommt." Er wolle ein Präsident sein, "der diesen Krieg im Irak beendet und unsere Truppen endlich nach Hause bringt, der unser moralisches Ansehen wiederherstellt", sagte Obama.

Auch der republikanische Caucus-Sieger Huckabee gab sich vor seinen Anhängern optimistisch. "Was wir heute gesehen haben, ist ein neuer Tag in der amerikanischen Politik", sagte er. "Es wird noch ein Marathon", sagte Huckabee unter großem Jubel - dieser werde in einem Jahr im Weißen Haus enden. "Ich hoffe, wir werden heute Abend für immer die Art und Weise verändern, wie Amerikaner ihr politisches System sehen und wie wir Präsidenten wählen."

Hillary Clinton gratulierte Obama zu seinem Erfolg. Sie trat trotz des enttäuschenden Ergebnis ebenfalls siegesgewiss vor ihre Anhänger. Umrahmt von Tochter Chelsea, ihrem Mann Bill - dem ehemaligen US-Präsidenten - und dessen früherer Außenministerin Madeleine Albright nahm sie gleich die nächste Vorwahl am kommenden Dienstag in den Blick. Den Geist des Wechsels, der die Vorwahl in Iowa bestimmt habe, werde sie mit nach New Hampshire nehmen, so Clinton. Sie sei "optimistisch" und "zuversichtlich" für die weiteren Abstimmungen. "Ich bin bereit für den Rest der Kampagne und bereit zu führen", sagte Clinton. "Wir werden dafür so hart arbeiten wir wir können."

Schätzungen zufolge beteiligten sich an den Abstimmungen der Demokraten in Iowa trotz klirrender Kälte rund 220.580 Menschen, deutlich mehr als die 124.000 beim letzten Mal. Bei den Republikanern lag die Zahl der Wähler bei schätzungsweise 114.000 gegenüber knapp 88.000 bei der letzten Vorwahl.

Vor allem das Rennen zwischen Clinton und Obama um die demokratische Spitzenkandidatur für die Präsidentschaftswahl am 4. November hatte den Wahlkampf in Iowa bestimmt. Beide investierten beispiellose Summen in ihre Wahlkampagne. Clinton hatte in Iowa ihre langjährige politische Erfahrung herausgestrichen, Obama präsentierte sich als Garant für einen politischen Neuanfang nach acht Jahren Präsidentschaft von George W. Bush.

Huckabee ist der Republikaner-Shootingstar

Der Republikaner Huckabee war vor wenigen Wochen den Wählern in den USA noch nahezu unbekannt. Er ist 52 Jahre alt, gelernter Baptisten-Pastor und regierte von 1996 bis 2007 als Gouverneur den Bundesstaat Arkansas. Erst im Wahlkampfendspurt hatte er in den Umfragen zugelegt. Weitere republikanische Anwärter auf die Kandidatur sind neben Romney, McCain und Thompson der frühere Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani. Dieser hatte in Iowa keinen Wahlkampf gemacht und kam nur auf knapp 4 Prozent der Stimmen.

In einer ersten Reaktion sagte der Republikaner Romney, der in Umfragen in Iowa lange klar in Führung lag, dem Sender Fox News: "Ich werde weiter kämpfen und ich werde nominiert werden." Auch der Demokrat Edwards kündigte an, er werde an seiner Kandidatur festhalten. Er wolle für einen Wechsel kämpfen, sagte er telefonisch der Nachrichtenagentur AP.

Kandidaten, die in Iowa und nächste Woche bei der ersten regulären Vorwahl in New Hampshire von den Wählern abgestraft werden, müssen ihre Kampagne unter Umständen aufgeben. Bei den Demokraten kündigten Joseph Biden und Chris Dodd - beide Senatoren - bereits das Ende ihrer Bewerbung an. Der bei den Demokraten in Iowa viertplatzierte Bill Richardson, Gouverneur von New Mexiko, will dagegen im Rennen bleiben.

Die Abstimmungen in Iowa bildeten den Startschuss im Marathonrennen um die Nachfolge von US-Präsident Bush. Die Entscheidung über die Spitzenkandidaten für die Wahl im November dürfte spätestens am 5. Februar fallen, wenn in mehr als 20 Bundesstaaten Vorwahlen abgehalten werden.

flo/AP/AFP/Reuters



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