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US-Vorwahlen: Obama will Clintons K.O. mit Dollars erzwingen

Barack Obama dreht den Geldhahn auf: Der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber nutzt seine besser gefüllte Wahlkampfkasse, um seiner Rivalin Hillary Clinton bei den Vorwahlen in Texas und Ohio den entscheidenden Schlag zu versetzen. Clinton stemmt sich gegen die Offensive.

Berlin - Obama will den Sieg - um jeden Preis. Zehn Millionen Dollar hat der US-Senator in den letzten vier Wochen allein für Fernsehspots in Texas ausgegeben, über fünf Millionen in Ohio, berichtet die "New York Times". Das sei jeweils rund doppelt so viel, wie Hillary Clinton investiert hat. Auch lasse Obama Hunderte bezahlte Wahlkampfhelfer einfliegen, um die Wähler zu mobilisieren. Clintons Helfer hingegen arbeiteten weitgehend ehrenamtlich, so die Zeitung.

US-Senator Obama: Vor Texas lässt er die Muskeln spielen
REUTERS

US-Senator Obama: Vor Texas lässt er die Muskeln spielen

"Senator Obama gibt eine Menge Geld für Fernsehspots aus. Wenn man den Sieg kaufen kann, dann kann er hier gewinnen", kommentierte der Gouverneur von Ohio, Ted Strickland, ein Clinton-Unterstützer, die Offensive. Obama weiß: Clinton muss die beiden Vorwahlen am Dienstag gewinnen, wenn sie im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur bleiben will. Nach elf Niederlagen in Folge braucht sie dringend eine Wende. Sollte sie in einem der beiden Staaten verlieren, würde sie aufgeben, berichtet die "NYT" unter Berufung auf Clintons Berater.

Obama kann es sich leisten, vor dem vielleicht entscheidenden Tag die Muskeln spielen zu lassen: Er hat im vergangenen Monat nach Angaben der "NYT" 50 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden eingenommen. An Clinton flossen im gleichen Zeitraum "nur" 32 Millionen.

Clinton braucht mehr als knappe Siege

Obamas Einsatz könnte sich auszahlen. In beiden Staaten ist Clintons einst zweistelliger Vorsprung zusammengeschrumpft. In Texas liegen die beiden Bewerber in den letzten Umfragen gleichauf, in Ohio führt Clinton noch - aber nur einstellig. Clinton brauche mehr als zwei knappe Siege, schreibt die "New York Times". Sonst drohten noch mehr "Superdelegierte" ins Obama-Lager abzuwandern. Diese Funktionäre und Prominenten der Partei wären bei der Kandidatenkür am Ende wahlentscheidend, wenn in den Vorwahlen kein Sieger ermittelt werden kann.

Neben Texas und Ohio finden am Dienstag auch noch Vorwahlen in den kleinen Bundesstaaten Rhode Island und Vermont statt. Insgesamt geht es um 370 Delegiertenstimmen. Die Augen sind jedoch allein auf die beiden großen Staaten Ohio und Texas gerichtet.

Trotz der Niederlagenserie gab sich Clinton weiterhin voller Zuversicht. "Wir müssen am Dienstag gewinnen, und wir werden gewinnen", sagte sie zu ihren Helfern. "Geht nicht schlafen, bis die Vorwahlen am Dienstag vorbei sind." Hinter den Kulissen hingegen rumort es laut verschiedenen Medienberichten: Mitarbeiter schöben sich gegenseitig die Schuld für Wahlkampffehler zu.

Obama will angeblich Republikaner im Pentagon

Obama warnte seine Leute, sich zu früh zu freuen. "Denkt an New Hampshire", sagte er laut der britischen "Sunday Times", deren Reporterin mit an Bord von Obamas Flugzeug "Obama One" war. In New Hampshire hatte Clinton nach der Auftaktniederlage in Iowa ein furioses Comeback hingelegt. Aber Obama plant offensichtlich schon für die Zeit nach Dienstag und bereitet sich auf die Auseinandersetzung mit dem voraussichtlichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain vor.

Obama überlege, seinen Mangel an außenpolitischer Erfahrung durch die Ernennung eines republikanischen Verteidigungsministers wettzumachen, schreibt die "Sunday Times". In Frage kämen die republikanischen Senatoren Chuck Hagel oder Richard Lugar. Letzterer ist Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des US-Senats. Es wäre ein weiterer Versuch, in die Fußstapfen von John F. Kennedy zu treten. Auch der ernannte mit Robert McNamara einen Republikaner zum Verteidigungsminister.

Für Clinton wäre eine Niederlage am Dienstag eine "Tragödie", zitiert die "Sunday Times" den früheren Stabschef von Bill Clinton, Leon Panetta. Doch lasse sich eine Clinton nicht so schnell unterkriegen: "Sie könnte die nächste Sprecherin des Senats werden."

cvo/AP

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