US-Vorwahlen: Romney kämpft um seinen Heimsieg

Aus Lansing und Detroit berichtet

In seinem Geburtsstaat Michigan liefert sich Mitt Romney ein dramatisches Kopf-an-Kopf-Rennen mit Rick Santorum. Ein Scheitern bei der heutigen Vorwahl der Republikaner würde seine gesamte Kampagne gefährden - selbst wenn er gleichzeitig in Arizona gewinnt.

US-Vorwahlen: Kampf um die Heimat Fotos
REUTERS

Erster Akt. Ein alter Theatersaal vor den Toren der verfallenden Arbeiterstadt Detroit. Drapiert in Rot, Weiß und Blau, den Farben der Republik. Auftritt der Einpeitscher: Generalstaatsanwalt, Gouverneur von Michigan.

"Let's Rock'n'roll!", ruft der quirlige Generalstaatsanwalt. Tief wummern die Bässe, das Licht wird heruntergedimmt. "Ladies and Gentlemen", ertönt es aus dem Off, "Mitt Romney!" Gut tausend Parteianhänger kreischen. Am linken, unteren Ende des schweren roten Samtvorhangs schiebt sich jetzt ein Mann in Jeans und kariertem Hemd auf die Bühne. Das ist Mitt Romney. "Oh, das geht ans Herz", sagt er.

Romney möchte Präsident der Vereinigten Staaten werden. Aber um im Herbst gegen Barack Obama antreten zu können, sollte er bei der republikanischen Vorwahl an diesem Dienstag in Michigan siegen, unbedingt. Es ist der Staat, in dem Romney geboren und aufgewachsen ist. Ford, General Motors, Chrysler haben hier ihre Fabriken, es ging mehr schlecht als recht in den letzten Jahren. Ein Staat, den Romneys Vater in den Sechzigern so erfolgreich regierte, dass sie heute noch überall vom großen George Romney erzählen. Ein Staat, den die Strategen von Romney junior schon für sich verbucht hatten - bis Rechtsaußen Rick Santorum in den Umfragen aufholte und man sich nun ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert.

Für Santorum wäre es eine Sensation, in Michigan zu siegen. Dann wäre plötzlich er der Favorit auf die Kandidatur. Für Romney geht es darum, eine drohende politische Blamage abzuwenden. Deshalb diese Mega-Show im Theater. Deshalb dieser Werbefilm, den sie jetzt zeigen: Wie Romney im Auto durch Detroit fährt; Bilder, wie er schon als Kind am Steuer sitzt. Und wie er in der Schlusssequenz mit Blick auf die Wahl sagt: "Michigan ist meine Heimat, das ist persönlich."

Auch ein absehbarer Sieg in Arizona, wo ebenfalls an diesem Dienstag gewählt wird, könnte über eine Niederlage in Michigan nicht hinweghelfen. In dem Südstaat liegt Romney einer aktuellen Umfrage zufolge mit 43 zu 26 Prozent vor Santorum. Siegt aber Romney auch in Michigan, könnte ihn der Schwung bis zur Nominierung als Präsidentschaftskandidat tragen. Also spricht er im Theater von wirtschaftlichem Aufschwung und Arbeitsplätzen, die mit seiner Präsidentschaft endlich wieder nach Michigan kommen würden. Von seiner Liebe zu diesem Staat sowieso.

Irgendwie soll alles wieder so werden wie früher, als noch die Straßenkreuzer made in Detroit das Bild von Amerika prägten. So wie damals, als alles gut war.

Schließlich fährt der rote Theatervorhang beiseite, denn Romney hat da noch eine Überraschung: Auf der Bühne steht breitbeinig der Country-Barde Kid Rock, dessen Hit "Born Free" vom Kandidaten ganz besonders geschätzt wird. So geht es jetzt ohrenbetäubend um "reißende Flüsse", "tiefste Schluchten" sowie die "Wildheit eines ungezähmten Hengsts". Rock'n'Roll sozusagen. Mitt Romney kommt dann noch mal die Treppe hoch. Und gibt Kid Rock höflich die Hand.

"Ein Geschöpf Washingtons"

Zweiter Akt. Ein Hotelsaal in Michigans Hauptstadt Lansing. Warten auf Rick Santorum. In Ermangelung einer Stereo-Anlage beginnen die etwa 300 Anhänger a cappella "God bless America" zu singen.

In einer Ecke des Saals steht der örtliche Parteigrande Saul Anuzis bei den Journalisten und erklärt, warum Santorum eh keine Chance hat: "Der ist ein Geschöpf Washingtons." Anuzis ist ein Romney-Fan. Er sagt, Santorum, der Ex-Senator aus Pennsylvania, sei alles andere als der Außenseiter, der er zu sein vorgebe. Er habe Geld für unsinnige Projekte bewilligt und regelmäßig für die Erhöhung der Schuldenobergrenze gestimmt.

Vorne wird jetzt noch rasch gebetet ("Danke, Herr, dass Du uns den richtigen Kandidaten geschickt hast, Amen"), der Conferencier warnt vorm "sozialen Selbstmord" der Gesellschaft und liest Santorums Namen vom Blatt ab.

Auch in Lansing dürfen die Republikaner mit ihrem Kandidaten auf Zeitreise in die Vergangenheit gehen. Von billigem Strom, Benzin, Gas schwärmt Rick Santorum: "Je niedriger die Energiekosten, desto höher der Lebensstandard." Öl, Kohle, Erdgas - alles sei in Nordamerika vorhanden, Energieversorgung für eine Zeitspanne von bis zu 300 Jahren gesichert. Man müsse den Schatz nur aus der Erde holen. Die wissenschaftliche Lehre vom durch den Menschen verursachten Klimawandel? Das sei doch eher "politische Wissenschaft". Gefährliches Kohlenstoffdioxid? "Das erzählt mal den Pflanzen." Die wandelten das Gas schließlich um.

Anders aber zuletzt verkneift sich Santorum allzu scharfe Attacken auf Romney. Am Vorabend noch hatte er den Ex-Gouverneur von Massachusetts als politischen Wendehals verspottet: 1994 sei Romney im Kampf um einen Sitz im US-Senat erfolglos als Linker gegen Ted Kennedy angetreten; als es acht Jahre später um den Gouverneursposten ging, sei er als Moderater ins Rennen gegangen. Und nun markiere er den Konservativen: "Aber wir brauchen einen, der schon immer ein Konservativer war."

Santorum seinerseits versucht diese Rolle seit Jahren recht breit zu interpretieren. Er warnt stets vor den Konsequenzen von vorehelichem Sex (unter anderem Depressionen, Sexualkrankheiten, Abtreibungen), kämpft gegen die Schwulenehe und verdammt den "frauenfeindlichen Kreuzzug des Radikalfeminismus". Es ist ein Abwehrkampf gegen die Moderne, den der 51-Jährige da führt. Wird das verfangen?

Dauerbrenner im Republikaner-Wahlkampf: Bailout für die Auto-Industrie

Dritter Akt. Ford-Museum in Dearborn, im Westen von Detroit. Hier startete Romney vor fünf Jahren seinen ersten, 2008 gescheiterten Anlauf auf die Präsidentschaftskandidatur. Zu bestaunen sind die Ikonen amerikanischer Automobilgeschichte: Chevrolet Bel Air, Cadillac Eldorado, De Soto Fireflite.

Die Straßenkreuzer der Fünfziger - das war's dann aber auch an Meilensteinen. Verloren steht ein "EV1" zwischen all den Blech-Ungeheuern; jenes Elektroauto, an dem sich GM Ende der Neunziger versuchte und gerade mal gut tausend Stück auf den Markt brachte. So verpasste Detroit den Anschluss - und geriet in die Krise. Die Regierung musste 2009 einspringen. Das Thema ist ein Dauerbrenner im aktuellen Republikaner-Wahlkampf. Denn sowohl Romney als auch Santorum lehnen den sogenannten Bailout ab, Obamas 80-Milliarden-Dollar-Rettungsaktion für die Auto-Industrie.

Das beschert beiden jetzt Probleme. Denn das neue GM macht plötzlich Rekordumsätze, die Nachfrage nach den nun doch etwas kleineren und effizienteren Autos wächst stetig. Die Leserbriefspalten in den Michiganer Zeitungen sind voller Häme: "Wir werden ja dauernd daran erinnert, dass Romney große Zuneigung für Michigan empfindet. Glücklicherweise wurde ihm aber die Möglichkeit verwehrt, seine Liebe auszuleben - sonst wären GM, Chrysler und Michigan heute Geschichte", schreibt etwa ein empörter Leser der "Detroit Free Press".

Andererseits spekulieren Romney und Santorum darauf, dass Bailouts unter Republikanern generell unbeliebt sind. Laut einer NBC-Umfrage unterstützen nur 42 Prozent der republikanischen Anhänger in Michigan die Maßnahmen der Regierung. Romneys Problem: Er hat zwar dem Auto-Bailout widersprochen, die Rettungsmaßnahmen für die Wall Street aber begrüßt. Das vergisst Santorum bei keiner Wahlkampfveranstaltung zu erwähnen.

Finale und Vorhang. Dienstag, eine Wahlkabine, irgendwo in Michigan.

So mancher im Obama-Lager wünscht sich Santorum oder den wunderlichen Radikal-Liberalen Ron Paul als Gegenkandidaten. Schier unwählbar für eine Mehrheit der Amerikaner, das ist die Annahme. In Michigan werben einige demokratische Parteiaktivisten bereits massiv für Paul und Santorum. Hintergrund: Hier dürfen nicht allein Republikaner an der Primary ihrer Partei teilnehmen.

Im Jahr 2000 hat das schon einmal funktioniert. Da verhinderten Tausende Demokraten und Unabhängige einen Sieg von George W. Bush in der Michigan-Vorwahl. Genutzt hat das am Ende aber freilich auch nichts.

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insgesamt 14 Beiträge
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1.
Mardor 28.02.2012
Zitat von sysopIn seinem Geburtsstaat Michigan liefert sich Mitt Romney ein dramatisches Kopf-an-Kopf-Rennen mit Rick Santorum. Ein Scheitern bei der heutigen Vorwahl der Republikaner würde seine gesamte Kampagne gefährden - selbst wenn er gleichzeitig in Arizona gewinnt. US-Vorwahlen: Romney kämpft um seine Heimat - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817994,00.html)
"Ladies and Gentleman" - schön zu sehen, wie SPON schon an der Pluralbildung von "man" scheitert...
2. .
kugelsicher99 28.02.2012
Komisch, eigentlich müsste doch Opa Paul auf Augenhöhe liegen, ach was sag ich... er müsste doch sogar in Führung liegen, jedenfalls wenn man so einigen Beiträgen der Paul Anhänger hier auf SPON so Glauben schenkt. Oder sollte am Ende doch einfach wahr sein, dass dieser Mann keine Rolle um die vorderen Plätze bei Rep. Kandidaten spielt weil er für die Masse unwählbar ist? Nein, das kann nicht sein, da muss was dahinter stecken.
3. Dirty Trick
gandhiforever 28.02.2012
Zitat von sysopIn seinem Geburtsstaat Michigan liefert sich Mitt Romney ein dramatisches Kopf-an-Kopf-Rennen mit Rick Santorum. Ein Scheitern bei der heutigen Vorwahl der Republikaner würde seine gesamte Kampagne gefährden - selbst wenn er gleichzeitig in Arizona gewinnt. US-Vorwahlen: Romney kämpft um seinen Heimsieg - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817994,00.html)
nennt Romney den Umstand, dass sowohl Santorum/Rep. SuperPac als auch demokratische Taktiker (z.B. Daily Kos) Demokraten zur Wahl von Santorumermuntern. Er nennt dies nun eine Koalition von Obama und Santorum. Der superflexible Kandidat laesst natuerlich ausser Acht, dass auch er schon an einer Demokratischen Vorwahl (er gab Tsongas seine Stimme) teilgenommen hat. Als Grund fuer seine Handlung gab Romney verschiedene Gruende an, die nicht unbedingt in die gleiche Richtung zielten. Sollte Romney in Michigan verlieren , dann ist das in erster Linie die Folge seiner tollen Unglaubwuerdigkeit, bedingt durch tolle Statements, von Let Detroit go bankrupt ueber My wife drives a couple Cadillacsbis You wear fancy raincoats (zu Plastikregenschutz). Aber wir durften heute ja auch lesen, wie es um die Moral der Reichen bestellt ist. Romney ist ein Paradebeispiel. Da erscheint der Rick Santorum, der katholischer als der Papst sein moechte, mit seinen ultrakonservativen Postulaten direkt als honorige Figur, selbst wenn er sich mit seinen Vorstellungen von Religionsfreiheit in Widerspruch zur Verfassung stellt.
4. Ist er ihnen hochgegangen?
anomie 28.02.2012
Zitat von Mardor"Ladies and Gentleman" - schön zu sehen, wie SPON schon an der Pluralbildung von "man" scheitert...
Glückwunsch, der hungrige Troll hat einen Tippfehler gefunden! Brav, kleiner!
5.
airbse 28.02.2012
Zitat von kugelsicher99Komisch, eigentlich müsste doch Opa Paul auf Augenhöhe liegen, ach was sag ich... er müsste doch sogar in Führung liegen, jedenfalls wenn man so einigen Beiträgen der Paul Anhänger hier auf SPON so Glauben schenkt. Oder sollte am Ende doch einfach wahr sein, dass dieser Mann keine Rolle um die vorderen Plätze bei Rep. Kandidaten spielt weil er für die Masse unwählbar ist? Nein, das kann nicht sein, da muss was dahinter stecken.
Ron Paul Michigan State University Auditorium Intro and Crowd - 2-27-12 - YouTube (http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=o9iEtZnrb3M) like a boss!
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Mitt Romney: Der Glatte


Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite

US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.