US-Vorwahlen Sieg in Pennsylvania - Clinton schöpft neue Hoffnung im Demokraten-Duell

Dieser Sieg war überlebenswichtig: Hillary Clinton hat die Vorwahl der Demokraten in Pennsylvania gegen ihren Rivalen Barack Obama klar gewonnen. Klar genug für den Wahlkampfendspurt? Die Senatorin ist sich sicher: "Das Blatt wendet sich."


Washington - Ist es nur eine Atempause oder der Auftakt zu einem fulminanten Endspurt? Hillary Clinton hat die wichtige Vorwahl der Demokraten in Pennsylvania gewonnen. Der Sieg fiel deutlich aus: Um rund zehn Prozentpunkte hängte die Präsidentschaftsbewerberin dem US-Sender CNN zufolge ihren innerparteilichen Rivalen Barack Obama ab. "Das Blatt wendet sich", rief die sichtlich erleichterte Clinton am gestrigen Dienstagabend (Ortszeit) ihren jubelnden Anhängern auf der Wahlparty in Philadelphia zu.

Clinton hatte den Sieg in Pennsylvania dringend benötigt. Er war gar überlebenswichtig, um angesichts der landesweiten Führung Obamas bei den Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag Ende August weiterhin im Rennen zu bleiben. Ansonsten wäre der Druck aus der Partei, ihre Bewerbung zurückzuziehen, immer stärker geworden.

"Einige haben mich ausgezählt und mir gesagt, ich solle aufgeben", sagte Clinton nun. "Aber das amerikanische Volk gibt nicht auf. Und es verdient einen Präsidenten, der auch nicht aufgibt." Jetzt gebe es die Hoffnung, dass zum ersten Mal in der Geschichte der USA eine Frau ins Weiße Haus einziehe.

Die ehemalige First Lady gibt sich selbstbewusst. Aber reicht der Sieg tatsächlich, um Obama die Nominierung noch streitig zu machen? Nun schlägt einmal mehr die Stunde der Analysten, Experten, Strategen und Spin Doctors. Viele Beobachter hatten vor der Abstimmung betont, Clinton dürfe in Pennsylvania nicht nur einen Pflichtsieg einfahren. Entscheidend für den weiteren Verlauf des Wahlkampfes bei den Demokraten sei vielmehr der Abstand zwischen den beiden Rivalen. Zweistellig sollte der schon ausfallen, so die einhellige Meinung - eine Marge, die Clinton offenbar gerade eben erreicht.

Pennsylvania gilt nicht nur wegen des knappen Rennens bei den Demokraten als eine Art Schicksalsstaat. Der Staat, an Einwohnern der sechstgrößte der USA, trifft mit seiner Mischung aus Weiß und Schwarz, Alt und Jung, Industriearbeitern und Angestellten der Dienstleistungsbranchen, ziemlich genau die soziologische Mitte der USA und gilt als Testlabor für die Stimmung im ganzen Land. Politstrategen sprechen daher von einem "no excuse state": Eine Niederlage kann hier nicht ohne Weiteres abgetan werden.

Zudem ist Pennsylvania ein sogenannter "Swing State", ein Staat, in dem bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl die Einwohner in der Vergangenheit mal für die Republikaner und mal für die Demokraten gestimmt haben. Damit steigt die Bedeutung eines Sieges auch in den Vorwahlen. Wer sich hier nicht parteiintern klar durchsetzt, dem werden viele nicht zutrauen, sich gegen einen republikanischen Konkurrenten zu bewähren.

Vorwahlen in sieben weiteren Staaten

Clintons Rivale Obama hatte auf eine Wahlparty in Pennsylvania verzichtet und sich stattdessen bereits auf den Weg nach Indiana gemacht - ein klares Zeichen dafür, dass sein Lager selbst nicht mit einem Sieg in dem Ostküstenstaat gerechnet hatte. Obama gratulierte Clinton zu ihrem "großartigen Wahlkampf", zeigte sich aber ebenfalls siegessicher. "Das Establishment in Washington wird uns bekämpfen", dennoch sei der Sieg im Herbst und wirklicher politischer Wandel in Washington möglich. "Wir werden nicht nur die Vorwahl gewinnen, wir werden nicht nur im November gewinnen. Wir werden dieses Land verändern und die Welt", sagte er vor Anhängern in Evansville.

Ohne Clinton beim Namen zu nennen, kritisierte der Senator von Illinois ihren Wahlkampfstil. "Wir können kalkulieren und unsere Positionen in Umfragen testen und allen genau das sagen, was sie hören wollen", erklärte Obama. "Oder wir können die Partei sein, die sich nicht nur darauf konzentriert, wie sie gewinnt, sondern auch darauf, warum wir gewinnen sollten."

Nach seiner Niederlage richtete Obama seinen Blick bereits auf die nächste Entscheidung. "Jetzt liegt es an euch in Indiana", sagte Obama. In diesem Staat sowie in North Carolina stimmen die Mitglieder und Sympathisanten der Demokratischen Partei am 6. Mai über ihren Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur ab.

Entscheidungen in sieben weiteren Staaten

Nach Pennsylvania stehen bei den Demokraten noch Entscheidungen in sieben Staaten sowie auf den Inseln Puerto Rico und Guam an. Dabei ist Clinton in West Virginia und Kentucky favorisiert, während Obama in North Carolina, Oregon und South Dakota die besten Chancen hat. In den beiden Staaten Indiana und Montana ist noch keine klare Tendenz erkennbar.

Ein Problem für Clinton ist das Geld. Konkurrent Obama verfügt nach wie vor über eine prall gefüllte Wahlkampfkasse. Schon jetzt gibt er doppelt so viel Geld für Wahlkampfspots in North Carolina und Indiana aus als Clinton. Anfang April hatte Obama 42 Millionen Dollar (26,4 Millionen Euro) zur Verfügung - Clinton aber ist bereits verschuldet. Die Senatorin forderte ihre Anhänger heute erneut auf, für sie zu spenden.

In Pennsylvania waren rund vier Millionen Mitglieder und Sympathisanten der Demokratischen Partei registriert. Bei der Vorwahl ging es um 158 Delegiertenstimmen. Obama hat bislang einen kleinen Vorsprung bei den Delegiertenstimmen. Um ihn hier noch einzuholen, müsste Clinton bei allen kommenden Vorwahlen jeweils mindestens 65 Prozent der Stimmen erringen. Das ist so gut wie ausgeschlossen.

Entscheidend beim Nominierungsparteitag der Demokraten im August könnten die Superdelegierten sein, da auch Obama in den ausstehenden Vorwahlen die erforderlichen 2025 Delegiertenstimmen nicht mehr erreichen wird. Daher umwerben beide Politiker diese Superdelegierten, deren Sonderstellung sich unter anderem auf Partei- und Staatsämter gründet und die bei der Abstimmung nicht auf das Ergebnis ihres Herkunftsstaats festgelegt sind.

Bei den Demokraten wuchs zuletzt die Sorge, dass der zunehmend schärfere Wettkampf zwischen Clinton und Obama den Republikanern in die Hände spielen könnte. Ein weiteres TV-Duell wurde von den Demokraten von North Carolina deshalb gestrichen. Als Begründung nannte die örtliche Parteiführung "Termin- und Logistikprobleme". Gleichzeitig aber sprach sie von "ernsthafter Sorge darüber, wie sich eine weitere Debatte auf die Einheit der Partei auswirkt".

Bei den Republikanern hat Senator John McCain die Präsidentschaftskandidatur sicher. Die Wähler entscheiden am 4. November, wer Nachfolger von Präsident George W. Bush werden soll. Die Amtsübergabe findet am 20. Januar 2009 statt.

phw/dpa/AP/AFP/Reuters

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