Wahlkampf in den USA Wie geschmiert

Fast eine Milliarde US-Dollar haben die Kandidaten im US-Wahlkampf eingeworben. Die Infografik der Woche zeigt, bei wem die Kasse am vollsten ist - und warum Trump seine behauptete Unabhängigkeit noch beweisen muss.


STATISTA, SPIEGEL ONLINE

Der US-Wahlkampf ist größer, spektakulärer und vermutlich auch teurer als in allen anderen Ländern der Welt. Die Gesamtkosten rund um die Präsidentschaftswahl 2012 betrugen rund 2,3 Milliarden US-Dollar. Eine beeindruckende Summe, die in diesem Jahr aber locker übertroffen werden dürfte.

Mit fast einer Milliarde US-Dollar sind die Wahlkampfkassen aktuell gefüllt, dabei hat erst etwa jeder dritte Bundesstaat abgestimmt - im Vorwahlkampf, wohlgemerkt. Die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt im Überblick, wie viel Spendengelder die aussichtsreichsten Kandidaten bislang eingesammelt haben und aus welchen Quellen die Mittel stammen.

Da wären zunächst Einzelspenden, also Spenden von Privatpersonen, jährlich zulässig bis zu einer Obergrenze von 2700 US-Dollar. Eigenmittel aus dem Privatvermögen der Kandidaten können in der Form von Spenden oder Krediten gewährt werden. Super-PACs und andere externe Unterstützer bezeichnen Gelder, die nicht direkt an die Kandidaten fließen, sondern an Interessengruppen, die Wahlkampf für oder auch gegen einzelne Kandidaten oder Themen betreiben. Diese Zahlungen unterliegen keiner Obergrenze und werden immer wieder kritisiert, aufgrund möglicher Verquickungen von Lobbyinteressen und den schließlich gewählten Politikern.

Clinton führt bei Spenden, Trump bei Eigenmitteln

Die am besten gefüllte Wahlkampfkasse kann derzeit Hillary Clinton vorweisen. Sie hat insgesamt 180 Millionen Dollar eingeworben und war sowohl bei Spenden von Einzelpersonen als auch von externen Unterstützern sehr erfolgreich. Ihr parteiinterner Rivale Bernie Sanders hingegen verzichtet freiwillig beinahe vollständig auf die Unterstützung der Interessenverbände und verfügt insgesamt nur in etwa über halb so viel Spendengeld wie Clinton.

Bei den Republikanern erweist sich Jeb Bush als erfolgreichster Spendensammler. Allerdings hat sich Bush trotz starker Unterstützung aus konservativen Interessengruppen mittlerweile aus dem Kandidatenrennen verabschiedet. Hinter ihm folgen Ted Cruz und Marco Rubio.

Donald Trump ist auch beim Sammeln von Spenden ein Fall für sich. Die von ihm bislang eingesammelten 7,5 Millionen Dollar aus Einzelspenden sind nur ein Bruchteil dessen, was die anderen republikanischen Kandidaten mobilisieren konnten. Seine wiederholte Behauptung, er finanziere seinen Wahlkampf hauptsächlich selbst, muss sich allerdings noch bewahrheiten. Die knapp 18 Millionen Dollar an Eigenmitteln, die Trump bislang eingesetzt hat, stellt er seiner Kampagne nur als Kredit zur Verfügung. Ob er sich diesen am Ende zurückzahlen lassen wird, ist offen.

Generell bemerkenswert an diesem Wahlkampf ist die zunehmende Bedeutung externer Unterstützer. Diese war bereits bei den Wahlen 2004, 2008 und 2012 jeweils stark gestiegen, auf zuletzt über eine Milliarde in der Summe. Im aktuellen Wahlkampf haben externe Geldgeber bislang bereits 252,8 Millionen Dollar ausgegeben und damit in etwa doppelt so viel wie zum vergleichbaren Zeitpunkt 2012.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

adg/pst/che

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insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
joG 08.03.2016
1. Jeb Bush hat vorgeführt....
.....dass es nicht stimmt, dass Geld die Wahlen bestimmt.
k.ockenga 08.03.2016
2.
Das beweist doch nur noch einmal, dass in den USA von einer demokratischen Willensbildung, die bei uns schon mühsam genug ist, in der breiten Masse überhaupt keine Rede mehr sein kann. Schließt sich die Frage an, was denn überhaupt noch demokratisch sein kann? Ist auch pure Dummheit oder ein besinnungsloser Nachläufer noch demokratisch? Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt Ihr Alles oder Nichts? Damit wird die Demokratie zum TV-Poker an der Wahl-Urne. Bis zum demokratischen Urnenfriedhof ist es dann nicht mehr weit.
geando 08.03.2016
3. Trump ist zwar ein Clown
...seine verhältnismässig geringen finanziellen Unterstützungen durch andere finde ich aber fast sympathisch. Jedem sollte klar sein: US-Präsidentschaftskandidaten brauchen viel Geld; das Geld wird nicht geschenkt; die Spender erwarten Begünstigungen durch "ihren" Kandidaten nach einem möglichen Wahlsieg. Ein Spenden-finanzierter Präsident kann niemals unabhängig sein- er ist Präsident von Spenders Gnaden. Der Spender kann die Spenden übrigens steuerlich absetzen und damit seine politischen Steuerungsversuche praktisch vom normalen Steuerzahler refinanzieren lassen- Absurd.
mansiehtnurmitdemherzengu 08.03.2016
4. Wofür?
Lässt sich auch ermitteln, wofür das ganze Geld ausgegeben wird? Werbung? Reisespesen? Kampagnenmitarbeiter? Berater? Wäre schön, wenn das auch mal in einem Artikel erläutert würde. Denn, dass die Summen jedes Jahr steigen, ist man gewohnt.
syracusa 08.03.2016
5.
Zitat von joG.....dass es nicht stimmt, dass Geld die Wahlen bestimmt.
Er hat nur vorgeführt, dass Geld alleine auch nichts hilft. Der einzige, der ohne Superpac-Geld auskommt, ist Bernie Sanders. Nur ein Sieg von Sanders würde Ihre These belegen, dass in den USA die Wahlen nicht durch Geld bestimmt werden.
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