Alternative Präsidentschaftskandidaten: Wo Rocky gegen Obama kämpft

Von , Washington

Sie wollen sich nicht abfinden mit dem Zwei-Parteien-System in den USA. Grüne, Konservative und alle möglichen Splittergruppen stellen deshalb eigene Kandidaten gegen Barack Obama und Mitt Romney auf. Das zieht mitunter schräge Charaktere an.

US-Präsidentschaftskandidaten: Die Gegner von Obama und Romney Fotos
AFP

Manchmal ist die Macht mit den Kleinen. Sie werden dann so mächtig, dass sie über Sieg oder Niederlage der Großen entscheiden.

Beispiel Ross Perot: Der Milliardär stieg 1992 ins Rennen um die Präsidentschaft ein, holte gut 19 Prozent der Stimmen und verdarb Amtsinhaber George H.W. Bush die Wiederwahl, Bill Clinton profitierte. Oder, anderes Beispiel, Ralph Nader: Der Anwalt, der den Verbraucherschutz in den USA begründete, zog im Jahr 2000 als Kandidat der Grünen knapp 100.000 Stimmen in Florida; in jenem Staat also, den Al Gore so knapp an George W. Bush verlor - und damit die Präsidentschaft.

Das ist die Macht des sogenannten Dritte-Partei-Kandidaten. Greift er viele Wähler ab, ist das traditionelle Zwei-Parteien-System ausgehebelt, die Stimmen sind verloren. Koalitionen gibt es in Amerika nicht. "Spoiler" nennen sie hier einen solchen Kandidaten: Plünderer.

Bekannt, dynamisch, vermögend

Doch nicht jeder hat das Zeug zum Plünderer. "Erfolgreiche Dritte Parteien brauchen dynamische, bekannte und im besten Fall auch vermögende Anführer", charakterisiert die "New York Times" den idealen Kandidaten. Im Jahr 2012 aber findet sich kein Nader oder Perot unter den Gegnern von Barack Obama und Mitt Romney. Michael Bloomberg, der parteilose Bürgermeister New Yorks, wäre so einer gewesen. Aber Bloomberg wollte nicht.

Vorerst gescheitert ist auch die Idee von Americans Elect. Diese Gruppe hatte es bereits in mehr als zwei Dutzend Staaten auf den Wahlzettel geschafft, wollte ihren Kandidaten per breit angelegter Internetabstimmung küren; jeder Amerikaner konnte einen Vorschlag unterbreiten. Kolumnist Thomas Friedman jubilierte, die Initiative reiße Grenzen ein und mache "wirklichen Wettbewerb möglich". Doch im Frühjahr war Schluss, keiner der Kandidaten erhielt die nötige Mindestanzahl von 10.000 Stimmen.

Dennoch: Möglicherweise braucht es dieses Jahr gar keinen echten Alternativ-Anführer, um Romney oder Obama zu schaden. Vielleicht reicht schon die Kandidatur der paar ernsthaften und vielen Dutzend unseriösen Konservativen, Grünen, Sozialisten, Friedensaktivisten und Konstitutionalisten. Denn Romney und Obama liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, liegen in landesweiten Umfragen gleichauf. Am Ende wird entscheidend sein, wer Swing States wie Ohio oder Virginia für sich entscheiden kann. Da zählt dann jede Stimme.

So beobachten sie gerade im Romney-Lager den einen oder anderen Dritte-Partei-Kandidaten sehr genau. Allen voran Gary Johnson, der von 1995 bis 2003 den Bundesstaat New Mexico regierte. Als Republikaner. Johnson hatte sich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei bemüht, musste aber rasch erkennen, dass er gegen Romney keine Chance haben würde. Schließlich ließ er sich von der libertären Partei aufstellen, sein Programm erinnert an das des Radikal-Liberalen Ron Paul: Truppen sofort raus aus Afghanistan, Militäretat um gut die Hälfte kürzen, Anti-Terror-Gesetze abschaffen, Marihuana legalisieren, Einkommensteuer streichen.

"Nicht-Faktor"? Oder doch Gefahr für Romney?

Nun sagen einerseits die Demokraten, der Ex-Parteifreund werde Romney bestimmt gefährlich. Andererseits beharren die Republikaner, Johnson mit seiner linksliberalen Agenda könnte Obama etwa im Rocky-Mountain-Swing-State Colorado Stimmen unter den Jüngeren kosten.

Fakt ist: Johnson steht in fast allen Staaten auf dem Wahlzettel, aber für Oklahoma und Michigan hat es nicht gereicht - der Kandidat reichte seine Unterlagen drei Minuten zu spät ein. Vornehmlich die Republikaner versuchen den 59-Jährigen nun in die Bedeutungslosigkeit zu reden: Ein "Nicht-Faktor" werde Johnson am Wahltag sein, höhnte Parteichef Reince Priebus auf CNN. Die Leute würden ihre Stimme nicht wegwerfen, da es ja um die Zukunft des Landes gehe.

Hinter den Kulissen läuft die Sache allerdings nicht ganz so entspannt ab. Jüngst berichtete die "New York Times", dass die Republikaner in Pennsylvania sogar einen Privatdetektiv auf Johnsons Leute angesetzt hatten. Der sollte klären, ob dessen für die Registrierung nötigen Unterstützer-Unterschriften auch auf rechtem Wege zustande gekommen sind. Dahinter stand der Verdacht, die Demokraten würden Johnson helfen, um Romney zu schwächen. Zuletzt urteilte ein Gericht im Sinne Johnsons. So ist sein Name auch auf Pennsylvanias Wahlzettel gelangt.

Der nächste Kandidat im Anti-Romney-Reigen ist Virgil Goode. Der 66-Jährige saß erst für die Demokraten und dann für die Republikaner im Repräsentantenhaus und tritt nun mit einer konservativen Agenda und dem Kampf gegen illegale Immigration in mehr als zwei Dutzend Staaten an. Das alles wäre noch kein ernstliches Problem für Romney, wenn Virgil Goode nicht aus Virginia kommen würde und dort nicht entsprechend bekannt wäre - einem der wichtigsten Swing States, in dem Romney und Obama um jede Stimme kämpfen. Und selbstverständlich steht Goode dort auf dem Wahlzettel.

Eigene TV-Debatte für die Aussichtslosen

Obama seinerseits bekommt im linken Lager Konkurrenz von Jill Stein, Kandidatin der Grünen. Mit einem "Green New Deal" will sie an die Konjunkturprogramme während der Großen Depression in den dreißiger Jahren anschließen, 25 Millionen (grüne) Jobs schaffen. Die 62-jährige Internistin steht in 38 Staaten auf dem Wahlzettel und könnte davon profitieren, dass Obama die Klimaschutzpolitik gänzlich vernachlässigt und Anhänger enttäuscht hat. Ähnliches erhofft sich Rocky Anderson in Sachen Bürgerrechten. Der 61-Jährige tritt für die Justice Party an, war einst - für die Demokraten - Bürgermeister von Salt Lake City und steht nun in 15 Staaten auf dem Wahlzettel.

Das war's natürlich noch lange nicht. Johnson, Goode, Stein und Anderson sind allein jene Kandidaten mit den besten Aussichten unter den Hoffnungslosen. Die Vier lieferten sich sogar eine eigene TV-Debatte, weil sie zur Auseinandersetzung zwischen Obama und Romney nicht zugelassen wurden. Als die Grüne Stein dennoch versuchte, das Gelände des zweiten TV-Duells auf Long Island zu betreten und eine Pressekonferenz abzuhalten, wurde sie von der Polizei festgenommen.

Mehr als zwei Dutzend Kandidaten stehen mindestens auf einem Wahlzettel, irgendwo zwischen Alaska und Florida. Da gibt es Andre Barnett, ein Ex-Soldat und freizügiges Fitness-Model, der sich als "menschliches Porträt des American Dream" darstellt. Oder Roseanne Barr, einst Star der TV-Sitcom "Roseanne", die sich nun als "einzig ernsthafte Komikerin, die sich um die Präsidentschaft bewirbt", zu verkaufen sucht. Weil es für sie bei den Grünen nicht gereicht hat, tritt sie für die Peace and Freedom Party an.

Viele weitere bemühen sich als sogenannte "Write-in"-Kandidaten, der Wähler kann ihre Namen selbst auf den Wahlzettel schreiben. Die Liste reicht von "Santa Claus" bis zum Gefängnisinsassen Keith Judd, der in der demokratischen Vorwahl von West-Virginia gleich 41 Prozent gegen Barack Obama holen konnte.

Solche Werte sind am 6. November natürlich unerreichbar. Das letzte Mal, im Jahr 2008, holten die Libertären 0,4 Prozent, die Grünen 0,12 Prozent und Ralph Nader, der Verbraucherschützer, kam auf 0,56 Prozent.

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Spoiler...
j.w.pepper 31.10.2012
...würde hier wohl treffender mit "Spielverderber" übersetzt als mit "Plünderer".
2. Aussichtslos …
Dr.pol.Emik 31.10.2012
… in einer Gesellschaft die nur Gut und Böse kennt, nur den gelegentlichen Seitenwechsel der Demokraten oder Republikaner. Den Amerikanern scheint es ausreichend zu sein, stets zwischen dem Teufel und dem Beelzebub auswählen zu können. Dabei werden sie regelmäßig von beiden Seiten verladen, aber den eigentlichen Regenten im Land ist das wurscht, solange die Präsidentendarsteller korrekt funktionieren. Ich versteige mich dazu, die USA als die größte Scheindemokratie der Welt zu bezeichnen. Jetzt noch fix die Wahlergebnisse vom 6. November 2012 hinterher, dann wird es vielleicht deutlicher: *Obama mit 3 Prozent Vorsprung vor Romney zum neuen Präsidenten gewählt* (http://qpress.de/2012/10/25/obama-mit-3-prozent-vorsprung-vor-romney-zum-neuen-prasidenten-gewahlt/) … basierend auf einer eher versehentlich rausgelassenen Mitteilung einer CBS Tochter … ein Schelm wer Böses dabei denkt … (°!°)
3. Frontspoiler?
stefan kaitschick 31.10.2012
Zitat von j.w.pepper...würde hier wohl treffender mit "Spielverderber" übersetzt als mit "Plünderer".
Wenigstens wurde Spoiler hier nicht mit Luftabweiser übersetzt. :-)
4. Ich mein, ...
MrSelfDestruct 31.10.2012
man soll ja nicht mit Steinen schmeißen, wenn man im Glashaus sitzt, aber das amerikanische Politiksystem ist ja mal voll für den ... Hintern, oder? :) Dr.pol.Emik hat das schon ganz gut ausgedrückt: Hauptsache, es gibt Gut und Böse. Alles andere zählt nicht....
5. bananenrepublik
alex1006 31.10.2012
entweder man wählt den wolf im wolfspelz oder den schaf im wolfspelz. die republikaner fangen kriege an, die demokraten beenden sie, die politik der amerikaner.
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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Fotostrecke
Obama vs. Romney: Schmutziger Wahlkampf ums Weiße Haus
Twitter zur Präsidentschaftswahl


US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.