US-Wahlumfragen: Panik im Demoskopen-Dickicht

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Neue Umfragen sorgen für Aufregung im US-Wahlkampf: Mitt Romney liegt erstmals vor Barack Obama, mit teils deutlichem Vorsprung. Hat sich das Rennen ums Weiße Haus wirklich gedreht? Im Durcheinander der Befragungen drohen beide Seiten, den Überblick zu verlieren.

Romney und Obama: Kopf-An-Kopf-Rennen ums Weiße Haus Zur Großansicht
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Romney und Obama: Kopf-An-Kopf-Rennen ums Weiße Haus

Andrew Sullivan ist mit den Nerven am Ende. "Niederschmetternd", jammert der prominente Kolumnist. "Einfach niederschmetternd." Doch was plagt den armen Mann denn so? Es ist die jüngste US-Wahlumfrage des Pew Research Centers, die Mitt Romney erstmals in diesem Rennen vor Präsident Barack Obama sieht.

Sullivan ist ein moderater Konservativer, der Obama mag und ihn schon im Januar in einer vieldiskutierten "Newsweek"-Titelgeschichte als Sieger porträtierte. Doch die Pew-Umfrage - die erste, die die Konsequenzen von Obamas Debatten-Debakel vorige Woche auf breiter Fläche erörterte - zerstört seine Hoffnungen nun.

Alles gelaufen, lamentiert Sullivan also vier Wochen vor dem Wahltermin am 6. November: "Ein amtierender Präsident rettet sich nicht mehr, wenn er derart ausradiert worden ist."

Das händeringende J'accuse Sullivans fand auf Twitter prompt seinen eigenen Hashtag: #sullypanic. In der Tat hat die Umfrage hierzulande leichte Panik ausgelöst - bei den Demokraten natürlich, die sich entweder dumm stellen und gegenrudern. Vor allem aber bei den geschockten Medien, die sich kaum mehr einkriegen. Oder jubeln: "SOS Obama", titelte der rechte "Drudge Report" beglückt.

SOS? Panik? Tief durchatmen. Sanft schlucken. Bis zehn zählen. Aha: Schon sieht das alles nicht mehr ganz so dramatisch aus. Oder?

Sicher: Das sind tatsächlich Werte, die die Demokraten stutzen lassen müssten. Doch was sagen sie einem über den 6. November?

Also, die Zahlen. Pew befragte 1511 "likely voters": Amerikaner, die "wahrscheinlich" wählen - ein verlässlicherer Maßstab als die "registered voters", die lediglich registrierten Wähler. Die Umfrage lief vom 4. bis 7. Oktober, vom ersten Tag nach der TV-Debatte bis zum Sonntag. 49 Prozent würden demnach heute Romney wählen und 45 Prozent Obama - eine eklatante Wende seit Mitte September (Romney 43 Prozent, Obama 51 Prozent).

Weiter unten findet sich noch viel mehr, was für Obama das Prädikat "niederschmetternd" verdient. In vielen Bereichen zieht Romney gleich - wenn auch nicht am Präsidenten vorbei.

Doch lassen sich die Wähler durch ein einziges TV-Duell so umstimmen? Schnell versuchen die Demokraten die Umfrage zu diskreditieren, als Anomalie, nicht im Trend, nicht repräsentativ.

Ähnliche Klagen gab's letzte Woche - von der anderen Seite: Da lehnten die Republikaner die gesunkene Arbeitslosenquote als womöglich gefälscht ab. Beides war ein klassischer Reflex - zumal Pew bisher als eher linkslastig galt.

Aber auch Experten wie Nate Silver, dessen Umfrageblog "FiveThirtyEight" von der "New York Times" lizensiert wird, warnen vor Hype. Silver durchforstet das gesamte Demoskopen-Dickicht. Das zeigt ebenfalls einen Romney-Schub. Doch sei der weder so stark, wie es Pew darstelle, noch stabil - vorerst jedenfalls.

So gibt die neueste CNN-Umfrage ("likely voters") Romney 48 und Obama 47 Prozent, weit innerhalb des Fehlerbereichs. Gallup, die Mutter aller Demoskopiefirmen, sieht Romney bei 49 und Obama bei 47 Prozent - unter "likely voters". Und unter "registered voters" genau umgekehrt: Obama 49, Romney 46.

Silver dreht alle Zahlen durch den Computer-Fleischwolf, würzt sie mit Wirtschaftsdaten und berechnet daraus die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsiegs. Aktuellster Stand: Romney habe seine Chancen von 13,9 auf 28,8 Prozent mehr als verdoppelt. Die Debatte habe den gesamten Vorsprung zunichte gemacht, den Obama beim Parteitag herausgeholt hatte.

Trotzdem bleibe Obama aber - noch - der wahrscheinliche Sieger: "Romney muss seinen Schub erst noch ein paar Tage durchhalten."

Was tun? Jeden Tag kommen hier Dutzende neue, oft widersprüchliche Umfragen auf den Hype-Markt. Welchen glauben? Welchen nicht?

Auch in den "Swing States" ist der Abstand zwischen Obama und Romney geschrumpft. Obamas behält meist noch eine hauchdünne Führung, vereinzelt baute er sie sogar aus.

Es bleibt also knapp. Obama liegt knapp vorne, Romney holt knapp auf, und beide können das noch knapp drehen.

Täglich neuen Einzelzahlen hinterherzujagen ist ein amüsanter, aber müßiger Zeitvertreib. Man denke nur vier Jahre zurück: Da lag selbst das altehrwürdige Gallup am Ende kräftig daneben.

Ach ja, 2008: Da verzettelten sich so manche. Nur zwei Gruppen prophezeiten das Ergebnis punktgenau. Die eine war der Rasmussen Report, den die Demokraten heute als republikanernah ablehnen. Das andere? Pew.

Vielleicht jammert Andrew Sullivan doch zu Recht.

Marc Pitzke



Neue Jobs, neuer Schwung

Obama in Fairfax, Virginia: "Wirtschaft heilt weiter" Zur Großansicht
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Obama in Fairfax, Virginia: "Wirtschaft heilt weiter"

Sieben komma acht. Eine einzige Zahl reicht, schon reden alle wieder von etwas anderem. Gerade noch wurde heftig diskutiert über das erste TV-Duell zwischen Barack Obama und Mitt Romney. Über den Präsidenten, der da so ein Jammerbild bot und deshalb "verlor". Über seinen Rivalen, der telegen immer neue Fakten verdrehte und deshalb "gewann". Über den neuen Schwung, den dieses Rennen damit zu Gunste Romneys bekommen habe.

Dann kam der Freitagmorgen: 7,8 Prozent.

Auf diesen Wert sank die US-Arbeitslosenquote im September. Die beste Quote seit Obamas Amtsantritt. Kein Präsident, so hatten sich die Republikaner zuvor noch gefreut, wurde je mit mehr als acht Prozent wiedergewählt. Und da die Quote bislang störrisch bei acht Prozent festklemmte, war ihre Argumentation klar: Amerika steckt in der Malaise, Barack Obama ist wie Jimmy Carter - folglich muss er gefeuert werden.

Doch die neuen Zahlen vom Freitag - obwohl vorläufig und auf den zweiten Blick weiter durchwachsen - stellen alles wieder auf den Kopf.

Klar, dass beide Teams die Statistiken flugs durch den politischen Schleudergang jagen - und sie völlig unterschiedlich interpretieren. Team Obama betont das Positive: "Die Wirtschaft heilt weiter", sagt Alan Krueger, der Top-Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, warnt zugleich aber vor vorschnellem Jubel. Obama selbst begrüßte die Zahlen mit Vorsicht: "Dieses Land ist zu weit vorangekommen, um jetzt wieder umzukehren." Team Romney betont das Negative: "So sieht kein Aufschwung aus", erklärt der Kandidat.

Doch Wähler mögen keine Feinheiten. Was am Ende hängenbleibt, ist eine Zahl: 7,8 Prozent.

Die Arbeitsmarktdaten haben auch den Dow Jones auf den höchsten Stand seit fast fünf Jahren geschoben. Der Leitindex stand zeitweise bei 13.661 Punkten, so hoch wie seit Dezember 2007 nicht mehr.

Immerhin: So ist aus diesem Wahlkampf, in dem Stil und prägnante Soundbites mehr zählen als Substanz, ein Wahlkampf der Fakten und Daten geworden. Zumindest für einen Tag.

Als nächstes sind die Stellvertreter dran

Stil und Soundbites: Danach hatten die Kommentatoren Obama zum "Verlierer" und Romney zum "Gewinner" der Debatte erklärt und das Romney-"Comeback" ausgerufen. Ein Rennen, in dem immer nur derselbe führt, bringt schließlich weder Quoten noch Klicks.

In der Tat: Debatten-Obama war fade, desinteressiert, fast arrogant, während Debatten-Romney sich munter, interessiert und telegen gab. Doch die Substanz? Lügen? Wahrheiten? Egal. Ihr nächstes direktes Zusammentreffen ist erst übernächste Woche.

Vorher sind die Stellvertreter dran. Dazu stehen sich nächste Woche in Kentucky Vizepräsident Joe Biden und der Republikaner-Kongressabgeordnete Paul Ryan gegenüber.

Auch das kann noch lustig werden. Biden ist ein unberechenbarer Verbal-Tolpatsch und Ryan einer, der es wie Romney mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, das aber flott serviert.

Außerdem starren alle nun auf die neun "Swing States". Romney werde "in Orten wie Ohio, Nevada, Virginia niemanden umstimmen", prophezeite Obamas Oberberater David Plouffe an Bord des Regierungsjumbos "Air Force One" - zwischen zwei Kurzterminen seines Chefs in Colorado und Wisconsin, beide "Swing States".

Déjà-vu: George W. Bush - der seine Debatten "verlor" - gewann den swingendsten "Swing State" Florida vor zwölf Jahren mit nur 537 Stimmen Vorsprung, dank höchstrichterlicher Intervention. Es war jedenfalls genug, um die Wahlmänner-Balance in seine Richtung zu kippen und ihm den Gesamtsieg zu sichern.

Am Ende kommt es wahrscheinlich sowieso nur darauf an, wer im November die meisten seiner Anhänger tatsächlich ins Wahllokal bringen kann. Der wahre Krieg herrscht eher hinter den Kulissen, fernab der Fernsehschirme.

In Florida leitete die Justiz jetzt Ermittlungen gegen eine Firma ein, die allein im Bezirk Palm Beach mehr als 100 fiktive Wähler registriert haben soll - im Namen der Republikaner. Die wiederum haben in 30 US-Bundesstaaten Verschärfungen des Wahlrechts durchgeboxt, die demokratische Gruppen benachteiligen. Quoten- und Klickjäger dürfen sich freuen: Es bleibt unberechenbar - Debatten hin oder her.

Marc Pitzke


Noch sechs Wochen bis zur Wahl: Zahlenhuberei, gute Güte!

Präsidentschaftkandidat Romney: Endlich ein wärmeres Bild von sich zeichnen Zur Großansicht
REUTERS

Präsidentschaftkandidat Romney: Endlich ein wärmeres Bild von sich zeichnen

Bill Clinton hat neulich auf dem Demokraten-Parteitag gesagt, man solle doch bitte schön nicht rumquatschen sondern sich mal der Arithmetik widmen. So war das, sinngemäß. Dann kam allerlei über Amerikas Schuldenkrise, Clinton schob Milliarden mit seinem Zeigefinger hin und her, so dass am Ende alle ziemlich happy waren. Begeistert über Zahlenhuberei, gute Güte!

Aber gut, wir wollen uns daran ein Beispiel nehmen. Deshalb steigen wir hier ausnahmsweise mal schön trocken ein, ganz ohne Gequatsche:

49 zu 46 Prozent in Florida,

49 zu 44 in Ohio,

49 zu 45 in Iowa,

49 zu 45 in Virginia,

49 zu 45 bundesweit,

51 zu 44 in den Zustimmungswerten.

Reicht jetzt, oder? Das sind die Durchschnittwerte der jüngsten Umfragen. Der jeweils erste Wert ist jener von Barack Obama, der andere der von Mitt Romney. Heißt: Der US-Präsident hat sich insbesondere in den wichtigen Swing States mittlerweile einen satten Vorsprung erarbeiten können. Noch mehr Zahlen gibt es hier bei RealClearPolitics, die Aussage allerdings bleibt gleich: Der Amtsinhaber liegt vorn.

Ist Obama damit jetzt schon so gut wie durch, sechs Wochen vor der Wahl?

Darüber kann man diskutieren, wir haben das auf SPIEGEL ONLINE intensiv getan: Ich meine, Romney ist auf dem Weg nach unten, seine Chancen schwinden. Keineswegs, wendet Kollege Fleischhauer ein, der vermutete Obama-Sieg sei "mediale Beschwörungszeremonie". Fakt ist, dass es ein paar (auch arithmetische) Gründe gibt, weshalb Obama jedenfalls nicht so einfach zum Sieg segeln wird.

Der wichtigste - und da mögen wir uns dann doch alle einig sein - sind die drei bevorstehenden TV-Duelle zwischen Romney und Obama. Am Mittwoch geht es los, in Denver (Liveticker auf SPIEGEL ONLINE in der Nacht auf den Donnerstag). Wenn Romney noch eine Chance haben will bei der Wahl am 6. November, dann muss er dort punkten. Dem Multimillionär steht der Alles-oder-nichts-Moment bevor, gut 50 Millionen Amerikaner werden wohl einschalten. Romney muss endlich ein anderes, ein wärmeres Bild von sich zeichnen. Sogar der sorgsam inszenierte Parteitag hat da keine Abhilfe schaffen können. Kühl, abgehoben, opportunistisch - so nimmt ihn die Mehrheit der Wähler wahr.

In einer der TV-Debatten während der Vorwahlen stritt er mit Texas-Gouverneur Rick Perry über die Gesundheitsreform. Der eine behauptete dies, der andere jenes, und irgendwann bot Romney eine Wette über 10.000 Dollar an. Reichlich abgehoben. Dass so etwas nicht passiert, dafür trainieren sie jetzt.

Sparringspartner für die TV-Debatten

Der Herausforderer hat dabei ein bisschen mehr Zeit als der Präsident, weil ja kein Tagesgeschäft neben dem Wahlkampf. Beide haben Sparringspartner, um die Debatten möglichst realistisch vorwegzunehmen. Bei Romney spielt Rob Portman, der US-Senator aus Ohio, den Part des Präsidenten. Und bei Obama macht John Kerry, demokratischer Präsidentschaftskandidat von 2004, den Romney. Kerry hat jetzt durchblicken lassen, das sei gar nicht so leicht, weil man ja nicht genau wisse, was Romney eigentlich wolle. Die Lästerei gehört zum Spiel.

Obama und seine Leute haben sich derzeit zum Debatten-Training nach Nevada zurückgezogen, in die Nähe von Las Vegas. Aber anders als im Jahr 2008 wollen sie diesmal offenbar nicht die Studiobühne nachbauen.

Und die Chancen? Gar nicht mal so schlecht - für Romney. Sagen die Polit-Auguren. In einer "Atlantic"-Titelstory argumentierte James Fallows mit der Erfahrung, die der Herausforderer in gut 50 Stunden Republikaner-Debatten sammeln konnte. Romney habe da statistisch nur einmal alle zehn Stunden gepatzt (Arithmetik!). Obama hingegen war in den 2008er Debatten Hillary Clinton oft unterlegen, kam zu langatmig, professoral rüber. Er mag zwar ein begnadeter Redner sein, aber ein ebensolcher TV-Debattierer war er bisher nicht unbedingt. So vergessen Obamas Strategen nicht, auf vermeintliche Startvorteile Romneys am Mittwoch hinzuweisen. Tiefstapeln ist angesagt. Auch das gehört zum Spiel.

Die Chance des Präsidenten: Romney überraschen, ihn auf dem falschen Fuß erwischen. Denn unter Druck - das hat Romney nun zur Genüge bewiesen - macht er Fehler. Pedantisch bereitet sich der Herausforderer schon seit Wochen auf das Duell vor, seine Leute haben ihn sogar eine Reihe geistreicher Sprüche auswendig lernen lassen, wie die "New York Times" berichtet. Man weiß ja nie.

Klar ist: Romney hat eh nichts mehr zu verlieren, das ist seine letzte Chance. So oder so, die TV-Debatten können die Wahl entscheiden. Etwa wie 1960, als der braungebrannte Kennedy gegen den schlecht rasierten Nixon antrat. Die Leute vorm Fernseher achteten am Ende nur noch auf Nixons Oberlippenschweiß.

Aber Schluss jetzt, hier sollte ja vornehmlich von Zahlen die Rede sein.

Sebastian Fischer

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1. Bin verwundert ob der Beachtung
zeitmax 01.10.2012
die dieses theater immer noch findet. Der langjährige Vergleich beweist doch die politische Kontinuität im Marionettenspiel derer, die die USA - und die Welt in tragischer Versuchsweise - wirklich regieren... The Show must go on.
2.
kjartan75 01.10.2012
Zu Fleischhauers medialer Beschwörungszeremonie kann man eigentlich nicht mehr viel sagen, nur soviel, dass er offensichtlich zu ideologisch verblendet ist, um ernst genommen werden zu können, wenn es um Fakten geht. Sein Beispiel Kerry vs. Bush sagt eigentlich alles aus, indem er nämlich die Swift Boat-Kampagne vollkommen verschweigt und im Übrigen auch die Umfragen, die sahen nämlich für Bush besser aus in den fünf Wochen zuvor. Da haben übrigens auf Webseiten der Demokraten auch das übliche einfach gestrickte "Argument" wie das von Fleischhauer eingebracht, die Umfragen seien quasi biased. Ganz aktuell zeigt übrigens 538 zu diesem Thema, dass es dafür keinen historischen Beleg gibt. Die Methodik zeigt zwar bei den einen oder anderen eine Präferenz (Rasmussen, PPP), aber es ist eher eine Sache der Methodik und was wie stark gewichtet wird.
3. Wie wahr, wie wahr...
4qfghei3pers 01.10.2012
Zitat von zeitmaxdie dieses theater immer noch findet. Der langjährige Vergleich beweist doch die politische Kontinuität im Marionettenspiel derer, die die USA - und die Welt in tragischer Versuchsweise - wirklich regieren... The Show must go on.
Und diese Leute scheuen sich nicht, die Welt ggf. in einen neuen Krieg zu führen, die medialen Vorbereitungen sind in vollem Gange, der Bösewicht bereits wieder einmal ausgemacht. Wenn die USA wirklich und wahrhaftig eine Demokratie wären, in der das Volk und nicht zahlungskräftige Lobbyisten das Sagen hätte, sähe es auf unserer Welt weitaus besser und friedlicher aus.
4. Die Debatten spielen kaum eine Rolle
alexschneider75 01.10.2012
Immer wieder lustig, wie alle vier Jahren in den deutschsprachigen Medien von der Bedeutsamkeit der Debatten fabuliert wird, während in den USA regelmäßig betont wird, wie wenig Einfluss diese tatsächlich haben. Allein Nixon hat wohl seine Niederlage dem Fernsehen zu verdanken, aber das war 1960 (!) und eben die allererste TV-Debatte überhaupt – da spielte der visuelle Eindruck, den man sich von einem Kandidaten machen konnte, noch eine Rolle! Heute ist das doch alles hinfällig, ein kurzer Blick in die aktuellen amerikanischen Newsportale reicht, um genügend Artikel zu finden, die die Rolle der TV-Debatten definitiv anders beurteilt, wie es SpOn und Konsorten tun.
5. Überbewertete Nichtigkeit
bürgergeld2 01.10.2012
Abgesehen von der allerersten Fernseh-Debatte 1962 zeigen Analysen der Umfragewerte, das diese Debatten den Ausgang der Wahl nie wieder (also seit 50 Jahren!) nennenswert beeinflußt haben. Selbst 2004, als Kerry alle drei Debatten gegen Bush klar gewann, entsprach das letzendliche Wahlergebnis exakt dem Stand der Umfragewerte vor den Debatten. Der Grund dafür ist ganz einfach: Es handelt sich schließlich nicht wirklich um Debatten (also Streitgespräche) zwischen den Konkurrenten sondern lediglich um eine Art öffentlicher Pressekonferenzen mit auswendig gelernten Standardfloskeln. Da können also im allgemeinen keine wirklich kriegsentscheidenden Fehler passieren. Für dieses Jahr könnte ich mir allerdings vorstellen, daß Romneys Umfragewerte durch die Debatten sogar noch sinken, denn viele der nur am Rande interessierten Wähler werden erst durch die Debatten vom (für den Durchschnittsamerikaner verheerenden) Inhalt seiner Budget-Pläne (speziell im Bereich Medicare) erfahren.
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Blog zur US-Wahl 2012
  • SPIEGEL ONLINE
    Es wird spannend, noch wenige Wochen bis zur Präsidentschaftswahl in den USA: Wer macht das Rennen - Barack Obama oder Mitt Romney? Unsere Korrespondenten Sebastian Fischer (rechts), 34, und Marc Pitzke, 49, berichten in diesem Wahl-Blog im wöchentlichen Wechsel aus Washington D.C., New York und von unterwegs über das Großereignis.


Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite

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Barack Obama: Vom Außenseiter zum Präsidenten

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Mitt Romney: Auf den Spuren des Vaters
US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.

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US-Präsidentschaftsdebatten: Nixons Bart, Reagans Witze