Washington - Der Kampf um das Weiße Haus wird für beide Kandidaten zur Nervenprobe. Rund die Hälfte aller Wahllokale ist geschlossen, vor allem aus dem Osten der USA tröpfeln erste Ergebnisse ein. In ihren Wahlkampflagern warten Amtsinhaber Barack Obama und Konkurrent Mitt Romney gebannt auf den Ausgang der Wahlnacht - und verfolgen die Ergebnisse aus den einzelnen Staaten ganz genau (alle Entwicklungen finden Sie hier im Liveticker).
Zunächst hatte Romney mehr Grund zum Jubel. Nach aktuellem Stand holte er Siege unter anderem in South Carolina, West Virginia, Kentucky und Indiana. Keiner dieser Erfolge kommt wirklich überraschend, alle Staaten gelten als traditionelle Hochburgen der Republikaner. Dennoch bescherten sie Romney einen guten Start.
Obama hatte Indiana zwar vor vier Jahren erobert, doch dieses Mal stand außer Frage, dass die Konservativen hier triumphieren würden. Zwischenzeitlich lag der Herausforderer, nach Auszählung weniger Staaten, mehr als 30 Stimmen vor Amtsinhaber Obama.
Auch in Massachusetts, dem Heimatstaat seines Herausforderers, lag der Demokrat am Dienstagabend (Ortszeit) laut CNN uneinholbar in Führung. Der Republikaner Romney war von 2003 bis 2007 Gouverneur des Neuengland-Staates, der bei Präsidentschaftswahlen aber seit fast einem Jahrhundert fast immer die Demokraten wählt.
Alle bisherigen Ergebnisse entsprechen weitgehend den Erwartungen im Vorfeld der Wahl. Wirklich spannend wird es erst, wenn die sogenannten Swing States erste Zahlen melden. In diesen liegen beide Kandidaten so eng beieinander, dass schon wenige Stimmen den Unterschied machen können.
Hier erwischte Amtsinhaber Obama den besseren Start: In den hart umkämpften Staaten Wisconsin, Michigan, Pennsylvania und New Hampshire sicherte er sich den Sieg. Das meldeten mehrere Fernsehsender in der Nacht auf Mittwoch. Vor allem Pennsylvania gilt ist wichtiger Etappensieg für Obama. In Michigan war erwartet worden, dass Romney stärker abschneidet.
Ein enges Rennen zeichnet sich in Florida ab. Nach Hochrechnungen liegen Amtsinhaber Obama und sein Herausforderer Romney praktisch gleichauf. Florida ist mit 29 Wahlmännerstimmen der größte Swing State. Weitere Staaten, die für den Wahlausgang entscheidend werden können, sind Ohio und Virginia. Auch von dort gibt es noch keine klaren Tendenzen, welcher Kandidat sich die begehrten Stimmen sichern konnte. In den auf Nachwahlbefragungen basierenden Vorhersagen führte der Demokrat nach Schließung der Wahllokale in Ohio aber mit 51 Prozent, während der Republikaner Romney auf 49 Prozent kam.
Überschattet wird der Urnengang von Unregelmäßigkeiten, die aus zahlreichen Staaten gemeldet werden. CNN zufolge konnten US-Bürger in Pennsylvania an mindestens zwei Wahlmaschinen nicht für Obama wählen: Ihre Stimme für den amtierenden US-Präsidenten wurde wieder und wieder Romney zugeordnet.
Weitere Beschwerden gab es in Pennsylvania wegen fehlender Informationen über die Ausweispflicht. Ein Gesetz, das einen Lichtbildausweis zur Pflicht machte, um wählen zu können, wurde erst kurz vor der Wahl von einem Richter aufgehoben. In mehreren Wahllokalen sollen Helfer aber trotzdem Lichtbildausweise verlangt haben.
Obama hofft auf "gute Nacht", Romney fühlt sich "sehr, sehr gut"
Obama war am Dienstag mit leichtem Vorsprung in den meisten Meinungsumfragen in die Entscheidung gegangen. Sein republikanischer Herausforderer Romney konnte sich dennoch Chancen ausrechnen, da die Erhebungen sehr knapp und deshalb fehleranfällig waren. Mit dem Ergebnis wurde frühestens am Mittwochmorgen gerechnet.
Der Präsident hatte seine Stimme schon vor knapp zwei Wochen in seiner Heimatstadt Chicago abgegeben. Er war der erste Amtsinhaber, der vor dem eigentlichen Wahltag votierte. Romney stimmte am Dienstagmorgen in seiner Wahlheimat Boston ab. Er fühle sich "sehr, sehr gut", sagte Romney. Auch Obama sagte, er erwarte eine "gute Nacht" für die Demokraten.
Beide haben nur die magische Zahl von 270 im Blick: So viele Stimmen braucht einer der beiden Kandidaten, um den nächtlichen Nervenkrieg für sich zu entscheiden.
jok/dpa/dapd/AFP
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