Präsidentenwahl: Obama beschwört Amerikas Einheit

Die US-Bürger haben Barack Obama erneut zu ihrem Präsidenten gewählt. Nun ist er mit bewegenden Worten vor seine Anhänger getreten: "Das Beste steht uns noch bevor", sagte das alte und neue Staatsoberhaupt der USA vor Tausenden Anhängern. Zuvor hatte Konkurrent Romney seine Niederlage eingeräumt.

REUTERS

Washington - Zusammen mit Frau Michelle und den beiden Töchtern trat Barack Obama in Chicago auf die Bühne - und empfing zunächst den minutenlangen, ohrenbetäubenden Jubel seiner Anhänger. "Four more years" - "Vier weitere Jahre", schallte es ihm immer wieder entgegen. Es war der gefeierte Auftritt des alten und neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten.

"Ich möchte jedem US-Bürger danken, der an den Wahlen teilgenommen hat", sagte Obama am frühen Mittwochmorgen. Trotz aller Probleme und harter Zeiten treffe das Land wichtige und richtige Entscheidungen, so der Präsident. Und: "Wir haben uns aufgerichtet, uns zurückgekämpft. Das Beste kommt noch." Er werde inspirierter und entschlossener als je zuvor ins Weiße Haus zurückkehren, so der Demokrat weiter: "Ihr habt für Taten gestimmt, nicht für Standard-Politik."

Er habe dem unterlegenen Konkurrenten Mitt Romney zu seiner Kampagne gratuliert, so Obama weiter. Er werde sich mit dem Republikaner zusammensetzen, um über eine weitere Kooperation zu diskutieren.

Seine kämpferische Siegesrede schloss der Präsident mit den Worten: "Wir sind mehr als nur eine Sammlung von Einzelstaaten. Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika - und das werden wir auch immer bleiben. Gott segne diese Vereinigten Staaten."

Fotostrecke

29  Bilder
Wahlnacht in Bildern: Jubel, Trauer und ein Heiratsantrag
Zuvor hatte Romney selbst seine Wahlniederlage eingeräumt. "Ich habe Präsident Obama soeben angerufen und ihm zu seinem Wahlsieg gratuliert", sagte er in seinem Wahlkampfhauptquartier in Boston. Er wünsche Präsident Obama Erfolg, sagte ein gefasster Romney (alle Infos finden Sie hier im Liveticker). "Das ist eine Zeit großer Herausforderungen für Amerika. Ich bete, dass der Präsident unsere Nation erfolgreich führen wird", erklärte er unter dem Jubel seiner Anhänger.

Zahlreiche TV-Sender hatten den amtierenden Präsidenten am späten Abend (Ortszeit) zum Sieger erklärt. Gegen 5.15 Uhr MESZ meldeten NBC, CBS, CNN und Fox einen Erfolg des Demokraten im Bundesstaat Ohio. Damit hatte Obama so viele Wahlmänner auf sich vereint, dass Romney ihn nicht mehr einholen kann.

Der Präsident kann insgesamt auf mindestens 303 Wahlmännerstimmen aus den Bundesstaaten zählen, für eine Wiederwahl hätten bereits 270 ausgereicht.

Praktisch zeitgleich mit den ersten Meldungen der US-Sender schickte Obama über seinen Twitter-Account die Nachricht "Vier weitere Jahre" - und dankte seinen Anhängern. Ein beigefügtes Foto zeigt Obama in einer innigen Umarmung mit seiner Frau Michelle.

In der ersten halben Stunde nach dem Tweet wurde die Botschaft etwa 260.000 Mal "retweeted", also weitergeschickt. Das bedeutet einen neuen Rekord. Was Obama jetzt in seiner zweiten Amtszeit erwartet, lesen Sie in der Analyse hier.

Nachdem die Fernsehsender den Sieg des Präsidenten ausgerufen hatten, brandeten Applaus und Jubelgeschrei am Times Square in New York auf. Im Herzen Manhattans hatten sich Hunderte Menschen versammelt, um den Ausgang der Wahl zu verfolgen, mehrheitlich Anhänger von Obama. Bilder von der Wahlparty des Präsidentenlagers in Chicago zeigen ein Meer aus US-Flaggen, Bannern und Plakaten. Auch vor dem Weißen Haus in Washington versammelten sich Anhänger der demokratischen Partei zu einer spontanen Siegesfeier.

Obama sichert sich die Swing States

Der Wahlsieg kam letztlich schneller als erwartet. Experten hatten angesichts der Umfragen mit extrem knappen Ergebnissen und Verzögerungen durch Nachzählungen gerechnet.

Obama und Romney holten jeweils die Stimmen in den Hochburgen ihrer Parteien. Umso wichtiger wurden damit die Swing States, die in der Vergangenheit mal für den Bewerber der Republikaner, mal für den der Demokraten gestimmt hatten.

Zwar gewann Romney in North Carolina (15 Wahlmänner), wo vor vier Jahren noch die Demokraten vorne lagen. Doch in den anderen Swing States setzte sich Obama meist deutlich durch.

Der Stand, nachdem zwischen 80 und 95 Prozent der Stimmen ausgezählt sind: In Wisconsin (zehn Wahlmänner) holte Obama 52 Prozent, Romney nur 47 Prozent. Ähnlich lief es in Nevada, Iowa und New Hampshire. Mit den Siegen dort sicherte sich der alte und neue Präsident weitere 16 Wahlmänner. Auch in Colorado (neun Wahlmänner) setzte sich Obama durch. Knapper war es in dem wichtigen Swing State Ohio (18).

Nachdem in Ohio 90 Prozent der Stimmen ausgezählt sind, kommt Obama auf einen knappen Vorsprung von 50 zu 48 Prozent. Hier hatte Romney bis zuletzt um Stimmen gekämpft - offenbar vergeblich. Der Ausgang in Florida (29 Wahlmänner) ist noch offen, doch auch hier geht die Tendenz leicht in Richtung des amtierenden Machthabers.

Alle Infos, alle Ergebnisse in allen Bundesstaaten sehen Sie in der Übersicht:

US-Wahl 2012 Ergebnisse
Obama vereinigt nicht nur die Mehrheit der Wahlmänner-Stimmen auf sich; er hat auch insgesamt die meisten Stimmen bekommen. Nach der Auszählung von 94 Prozent der Wahlbezirke haben 58 Millionen US-Bürger den Präsidenten gewählt - zwei Millionen mehr als den Herausforderer (50 zu 48 Prozent).

Obama war laut CNN vor allem in den Städten erfolgreich, auf dem Land aber ohne Chance. Demnach votierten in ländlichen Gebieten nur 39 Prozent für Obama, 59 Prozent hingegen für Romney. In den Vorstädten war das Verhältnis deutlich ausgeglichener, aber mit 48 zu 50 immer noch zuungunsten des Präsidenten.

Weiße US-Amerikaner haben 72 Prozent der Wähler ausgemacht - und sie haben zu 59 Prozent für Romney gestimmt, für Obama nur zu 39 Prozent, fünf Punkte weniger als vor vier Jahren.

Der Präsident gewann zwar bei den Frauen, doch betrachtet man die weißen Frauen separat, ergibt sich ein Verhältnis von 42 zu 56 gegen Obama. Bei den Latinos - Männer wie Frauen - stimmten hingegen 71 Prozent für Obama, nur 27 Prozent für den Herausforderer. 93 Prozent der afroamerikanischen Wähler stimmten für Obama, nur sechs Prozent für Romney.

Auch bei den Altersgruppen gibt es interessante Unterschiede: Während Obama bei den Jüngeren punktete, wählte eine Mehrheit der über 65-Jährigen seinen republikanischen Kontrahenten. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt Obama mit 60 zu 37 Prozent am deutlichsten vorne. Von den über 65-Jährigen entschieden sich laut CNN 56 Prozent für Romney, nur 44 Prozent für Obama.

Welche Wählergruppen konnte US-Präsident Obama überzeugen? Eine Übersicht.

US-Wähler-Analyse

jok/hut/dpa/AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - US-Wahl - was bedeutet der Ausgang für Amerika und die Welt?
insgesamt 930 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Warum spannend ?
makki45 06.11.2012
Zitat von sysopDie Wahl in den USA ist so spannend wie lange nicht mehr. Bis zuletzt müssen Barack Obama und Mitt Romney zittern, wer am Ende den Sieg davontragen wird. Auch für den Rest der Welt ist die Entscheidung von großer Bedeutung. Was erwarten Sie vom nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten?
Was soll, bitte, daran spannend sein, wenn es ganz ohne Bedeutung ist wer gewinnt ?
2. Obamas Zeit ist aus - Nov. 2012
jos777 06.11.2012
Es ist die Zeit von konservativen Werten, welche nun mit Romney starten wird. Das liegt daran, dass konservative Familien im Durchschnitt mehr und intensiver arbeiten, um ihren Wohlstand zu mehren und den Besitz zu wahren. Letztendlich möchte jeder irgendwann konservativ werden oder ist es schon. Die ganze liberale Politik ist nur eine Modeerscheinung. Im Kern ist jeder Mensch konservativ. Deshalb wird auch Romney der neue Präsident der USA werden.
3. Gottes eigener Landstrich
e-cdg 06.11.2012
Zitat von sysopDie Wahl in den USA ist so spannend wie lange nicht mehr. Bis zuletzt müssen Barack Obama und Mitt Romney zittern, wer am Ende den Sieg davontragen wird. Auch für den Rest der Welt ist die Entscheidung von großer Bedeutung. Was erwarten Sie vom nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten?
Am Ende gewinnen in den USA eh immer die Banken - was hätte mit dem Geld, das für den Wahlkampf verprasst wurde, alles sinnvoll für Bildung,SoziaIes und Infrastruktur erreicht werden können !
4. Early Voting In Texas
spontifex 06.11.2012
Zitat von sysopDie Wahl in den USA ist so spannend wie lange nicht mehr. Bis zuletzt müssen Barack Obama und Mitt Romney zittern, wer am Ende den Sieg davontragen wird. Auch für den Rest der Welt ist die Entscheidung von großer Bedeutung. Was erwarten Sie vom nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten?
Falsches Foto (http://cdn3.spiegel.de/images/image-422072-breitwandaufmacher-dhdp.jpg) | Richtiges Foto (https://www.box.com/s/7ps8rlgbe4qwd4suomj1)
5.
Hafenschiff 06.11.2012
Zitat von jos777Es ist die Zeit von konservativen Werten, welche nun mit Romney starten wird. Das liegt daran, dass konservative Familien im Durchschnitt mehr und intensiver arbeiten, um ihren Wohlstand zu mehren und den Besitz zu wahren. Letztendlich möchte jeder irgendwann konservativ werden oder ist es schon. Die ganze liberale Politik ist nur eine Modeerscheinung. Im Kern ist jeder Mensch konservativ. Deshalb wird auch Romney der neue Präsident der USA werden.
Ja genau. Deswegen sind gerade die Ost- und Westküste der USA ja auch so reich geworden ... weil die alle so konservativ sind und die Republikaner da so einen guten Stand haben ... O_ô Aha. Und was schreiben Sie, wenn Obama wieder gewinnt? Dann hat sich mal wieder die Modeerscheinung durchgesetzt? Bei Ihnen kann man sich echt nur noch weglachen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema US-Präsidentschaftswahl 2012
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -20-
US-Wahl 2012 Ergebnisse

Fotostrecke
Obama-Sieg: Die besten Bilder der Wahlnacht

Live-Twitter vom FDP-Parteitag

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite


US-Wahlsystem