US-Wahl Parade der Außenseiter

Ohne Chance: Neben McCain und Obama gibt es Dutzende weitere Bewerber um das Amt des US-Präsidenten. Wenn es um die Swing States geht, könnten sie eine wichtige Rolle spielen: Wenn sie Demokraten oder Republikanern entscheidende Stimmen abjagen.

Von Jan Hauser und Petra Sorge


Hamburg - Sie sind die Außenseiter, die Amerikaner nennen sie die "Mavericks": Neben den Demokraten und den Republikanern haben 24 weitere Parteien Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen in den USA aufgestellt. Bewerber um das Weiße Haus müssen sich in jedem Bundesstaat auf eine Liste setzen lassen. Manche von ihnen sind nicht einmal in zehn Staaten registriert.

Immerhin: Unter den Außenseitern gibt es vier Kandidaten, die in fast allen Bundesstaaten antreten: Dies sind der unabhängige Bewerber Ralph Nader, Bob Barr von der Libertarian Party, die Grüne Cynthia McKinney und Chuck Baldwin von der Constitution Party.

Für die kleinen Parteien ist es im amerikanischen Wahlsystem schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden. Erstens müssen die Kandidaten genügend Sponsoren finden, um die Wahlwerbung zu finanzieren. Doch das Geld fließt natürlich nicht an diejenigen, die kaum Chancen auf einen Sieg haben.

Zudem werden Republikaner und Demokraten durch die staatliche Wahlkampfkostenerstattung bevorzugt. Schließlich räumen die Medien den übrigen Bewerbern keine ernst zu nehmende Plattform ein - in den TV-Duellen war nicht einmal ein Zuschauerplatz für sie reserviert.

Trotz ihrer Außenseiterposition können kleine Parteien große Spielverderber sein, auch wenn sie Demokraten oder Republikanern nur wenige Stimmen abjagen. In den unentschlossenen Swing States können schon ein paar Prozente entscheidend sein, die dann demjenigen zugute kommen, der am meisten Stimmen geholt hat.

Denn nicht die absolute Zahl an Wählerstimmen ist für den Sieg relevant, sondern die Zahl der Wahlmänner - und die Wahlmänner eines Staates wählen immer geschlossen für die siegreiche Partei in diesem Staat.

Triumph der Außenseiter

Das letzte Mal, das ein Außenseiter gewann, war 1860: Wegen der Spaltung der Demokraten zog Abraham Lincoln als erster Republikaner ins Weiße Haus. Im 20. Jahrhundert haben dann mehrere Außenseiter mit ihrer Kandidatur den Wahlausgang beeinflusst:

  • 1912 trat Ex-Präsident Theodore Roosevelt aus der republikanischen Partei aus und gründete die "Progressive Party". Damit spaltete er das konservative Lager und ermöglichte den Sieg des Demokraten Woodrow Wilson.
  • 1968 trat der Ex-Demokrat George Wallace als unabhängiger Kandidat an und erreichte 13 Prozent der Stimmen. Er siegte in fünf Staaten - North Carolina, Michigan, Maryland, Florida, Tennessee und Florida.
  • 1992 sammelte der unabhängige Kandidat Ross Perot 18 Prozent der Stimmen, in Maine und Utah stach er sogar George Bush Senior beziehungsweise Bill Clinton aus. Dank Perots Kandidatur schaffte es Clinton ins Weiße Haus.

  • Im Jahr 2000 trat der unabhängige Kandidat Ralph Nader an und erreichte 2,8 Millionen Stimmen - die dem Demokraten Al Gore zum Sieg fehlten.

Gibt es bei der Wahl am 4. November wieder einen solchen "Stimmendieb"? SPIEGEL ONLINE stellt mögliche Kandidaten vor.

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.