US-Wahlkampf Außenminister Steinmeier warnt vor einem Präsidenten Trump

Von Feinden umringt, auf dem Weg in die Isolation: Donald Trumps Wahlkampfthesen irritieren den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Trump zeichne ein "groteskes" Bild der USA.

Donald Trump
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Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich im US-Präsidentschaftswahlkampf gegen den Kandidaten der Republikaner, Donald Trump, positioniert. Der SPD-Politiker zeigte sich besorgt über die Nominierung Trumps.

"Dass ein Präsidentschaftskandidat Trump der gesamten politischen Elite den Kampf ansagt, obwohl er ihr angehört, und gerade dafür Unterstützung gewinnt, beunruhigt mich sehr", sagte Steinmeier der "Passauer Neuen Presse".

Beim Parteitag der Republikaner sei auch von Trump das Bild eines Landes gezeichnet worden, das von äußeren und inneren Feinden belagert, ja geradezu okkupiert wäre. "Das ist doch grotesk", sagte Steinmeier. Einerseits wolle Trump Amerika stark machen. "Aber mit demselben Brustton der Überzeugung sagt er, dass sich Amerika aus den Konflikten dieser Welt heraushalten solle. Wie das eine mit dem anderen zusammengeht, kann ich mir jedenfalls nicht erklären." Bei einem Sieg Trumps gegen die Demokratin Hillary Clinton gäbe es "viele Ungewissheiten für das transatlantische Verhältnis".

In den USA machen sich die Demokraten nach der Nominierung Trumps offenbar Sorgen um die nationale Sicherheit. Der US-Abgeordnete David Cicilline forderte, US-Präsident Barack Obama solle Donald Trump sensible Dokumente besser vorenthalten. Im Interesse der nationalen Sicherheit sei es wichtig, dass Trump keinen Zugriff auf als geheim eingestufte Regierungsunterlagen erhalte.

Cicilline begründete das mit der Aufforderung Trumps an Russland, fehlende E-Mails aus einem privaten Mailkonto der damaligen Außenministerin Clinton ausfindig zu machen. Dazu sagte Cicilline, wer "das Ausland zu feindseligem Handeln" ermutige, stelle eine "Gefahr für das Land dar". In den USA ist es gute Tradition, schon im Wahlkampf den nominierten Kandidaten der Parteien sicherheitsrelevante Informationen weiterzugehen, wenn sie die Kandidatur sichern konnten.

Mehr Hintergründe zu der E-Mail-Affäre lesen Sie hier.

Der Leiter des Aspen-Forschungsinstitutes in Deutschland, Rüdiger Lentz, hält einen Sieg Trumps für gut möglich. "Wir müssen uns darauf einrichten, dass Donald Trump mehr als gute Chancen hat, nächster Präsident der Vereinigten Staaten zu werden", sagte er den "Ruhr Nachrichten".

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Parteitag der Demokraten: Ich drück dich

Hillary Clinton werde zwar jetzt auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten begeistert gefeiert. "Aber es muss sie nicht ins Weiße Haus tragen." Clintons Handicap sei: "In ihrer Nähe hat man das Gefühl, es gehe um sie und erst in zweiter Linie um die Wähler oder die Gesellschaft. Der Eindruck hat sich über die Jahre verfestigt. Deshalb ist ihre Position nicht so, wie sie sein könnte."

cht/dpa/AP

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Max Super-Powers 28.07.2016
1.
Schauen wir doch mal, welche klassisch linken Positionen Trump vertritt: - Er will Korruption bekämpfen - Er will die USA stärker aus Konflikten raushalten - Er will keine Konfrontation mit den Russen - Er will die Fed beschränken - Er will mehr Arbeitsplätze schaffen Jap, das klingt natürlich nach einem sehr grotesken Bild der USA... Manchmal habe ich den Eindruck, eher links tendierende Menschen neigen dazu, alles zu dämonisieren, was nicht aus ihren Reihen stammt - selbst wenn es absolut linke Ideen sind. Und, pardon, ein Steinmeier, der eher einem Elefanten im Porzelanladen ähnelt, was sein politisches Geschick anbelangt, sollte sich mit solch extrem einseitigen Äußerungen mächtig zurückhalten. "Seine" Hillary ist eine inkompetente Kriminelle.
darthkai 28.07.2016
2. Und damit
hat Steinmeier sich schon mehr in den US-Wahlkampf eingemischt, als der schreckliche Ivan. Ich warte auf die Flut "empörter" Artikel ;)
Art. 5 28.07.2016
3. Steinmeier irrt
Steinmeier irrt, Trump gehört nicht der politischen Elite an sondern der wirtschaftlichen. Er hat doch noch nie ein politisches Amt innegehabt, er ist ein totaler politischer Neuling. Auch Steinmeier sollte Trumps Sprüche nicht so ernst nehmen, sie dienen nur dazu in die Schlagzeilen zu kommen und dadurch die Millionen an Werbekosten zu sparen, die andere Kandidaten dafür aufbringen. Das gilt auch für die Aufforderung an die Russen, die 30 000 Clinton-Emails zu veröffentlichen, wenn sie sie gehackt haben sollten.
jujo 28.07.2016
4. ...
Ich halte es für legitim von beiden Kandidaten sich eigen nützig darzustellen und dem Wahlvolk zu präsentieren. Wenn man aber liest wie Trump von seinen maßgeblichen Helfern gelobt wird und positiv dargestellt, das man seine Auftritte und Verhalten im "innercircle" nicht vergleichen kann, dann könnte man ja die Hoffnung haben, das er als Präsident ein anderes Benehmen und eine andere Wortwahl zeigt. Andererseits ist sein jetziges Verhalten dann bezeichnend was er von den Menschen hält die ihn wählen sollen. nähmlich gar nichts, eine tumbe, leicht zu manipulierende Masse. Unterm Strich neigt sich für mich die Waage leicht in Richtung Clinton.
jerusalem 28.07.2016
5. Ich bin neugierig
was Hr. Steinmeier sagt, sollte Trump wirklich Präsident werden. Aber wer mit dem terrorglorifizierer Abbas gut Freund ist, kann auch dies ausbügeln.
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