US-Wahlkampf Dollarsegen für Obama und Clinton

Gut gesammelt ist halb gewonnen - nach dieser Devise horten die US-Präsidentschaftskandidaten derzeit Millionen für ihren Wahlkampf. Zwischenbilanz: Barack Obama und Hillary Clinton bleiben vorne, ihr demokratischer Herausforderer John Edwards fällt zurück. Die Republikaner schwächeln.

Von , Washington


Washington - Beim Abendessen klagte die enge Vertraute von Barack Obama ihr Leid: Eines der führenden US-Nachrichtenmagazine hatte ein Interview mit dem Kandidaten angefragt. Das Magazin hat eine Millionenauflage, Obama sollte auf den Titel. Alles was die Redaktion wollte, war eine halbe Stunde mit ihm. Obamas Mitarbeiter prüften die Terminkalender, jeden Tag, jede Stunde. Dann mussten sie dem Magazin absagen: keine Zeit. "Jede einzelne freie Minute ist verplant fürs Spendensammeln", sagt die Obama-Beraterin zu SPIEGEL ONLINE. "Wir brauchen jeden Cent gegen Hillary."

Demokratischer Präsidentschaftskandidat Obama bei einem Wahlkampfspenden-Termin: 20 Millionen Dollar im dritten Quartal
AP

Demokratischer Präsidentschaftskandidat Obama bei einem Wahlkampfspenden-Termin: 20 Millionen Dollar im dritten Quartal

Der US-Wahlkampf ist im Moment vor allem ein Spenden-Wettkampf. Denn die Finanzzahlen, die alle Kandidaten am Ende jedes Quartals vorlegen müssen, sind der wichtigste Indikator für die Popularität der Kampagne. Wer viel Geld sammelt, verbessert sich auch in den Umfragen. Und umgekehrt. Deshalb versuchen die Bewerber beider Parteien, sich mit immer originelleren Spendenanreizen zu überbieten. Der Republikaner John McCain verlost unter Spendern Plätze in seinem Wahlkampfbus. Demokrat John Edwards lädt Geldgeber ein, mit ihm nach New Orleans zu reisen. Hillary Clinton spannt sogar ihren Gatten ungehemmt ein: Wer zum 30. September Geld gibt, hat die Chance, mit Bill Clinton einen Abend zu verbringen.

Gezielte E-Mail-Botschaften

Nun sickern die ersten Zahlen für das dritte Quartal 2007 durch. Sie offenbaren: Bei den Demokraten geht der Zweikampf Clinton-Obama weiter, finanziell wohl mit leichten Vorteilen für Barack Obama. Der hat laut ersten Berichten von rund 350.000 Einzelspendern bis zu 20 Millionen Dollar eingesammelt. Es hat sich also ausgezahlt, dass die in den vergangenen Wochen mit gezielten E-Mail-Botschaften von Obama und seiner Frau ("Hey. We can transform politics") bombardiert wurden. Seine Kampagne genießt aber auch sehr viel Rückhalt an der Wall Street, wo Finanzexperten Großspender für ihn rekrutieren.

Hillary Clintons Zahlen sind ebenfalls weiterhin eindrucksvoll. Sie rechnet mit einem Betrag zwischen 17 und 19 Millionen Dollar. Beide Kandidaten haben etwas weniger eingenommen als in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres - als Obama fast 60 Millionen Dollar erwirtschaftete, Clinton deutlich mehr als 50 Millionen. Das ist jedoch eine normale Entwicklung, denn in der Phase konnten sie auf ihre treuesten Unterstützer zählen, die sie nun aufgrund der Beschränkungen für individuelle Spender (eine einzelne Person darf nicht mehr als 2300 Dollar spenden) nicht mehr ansprechen können.

Edwards fällt zurück

Spannend auf demokratischer Seite ist der Rückfall von John Edwards, dem dritten aussichtsreichen Kandidaten. Der erwartete für das dritte Quartal nur noch Einnahmen von rund sieben Millionen Dollar. Edwards hat vor einigen Tagen angekündigt, nun doch auf öffentliche Wahlkampffinanzierung zurückzugreifen - ein Schritt, gegen den sich Obama und Clinton entschieden haben. Zwar garantiert dies Edward sehr viel Geld im Januar aus der Staatskasse, rund 21 Millionen Dollar. Er hofft damit auf Siege in den wichtigen ersten Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire, wodurch er sich zum Kandidaten der Demokraten krönen könnte. Aber aufgrund gesetzlicher Beschränkungen bliebe ihm danach kaum Geld bis zum Nominierungsparteitag im Sommer übrig - und er wäre hilflos den PR-Angriffen der Republikaner ausgeliefert.

Edwards versucht zwar, seine Entscheidung als Teil seiner Wahlkampagne gegen das Großkapital zu verkaufen. "Diese Wahl sollte sich nicht nur um die obszönen Geldsummen drehen, die manche Leute einsammeln", sagt Edwards Kampagnenmanager David Bonior. Doch allgemein wird der Sinneswandel eher als Zeichen der Schwäche ausgelegt.



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