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US-Wahlkampf: Kerry klagt wegen Anti-Vietnam-Spots

Wegen Fernsehspots, die seinen Vietnam-Dienst in Misskredit zu ziehen versuchen, hat US-Senator John Kerry bei der Wahlkommission Beschwerde eingelegt. Der demokratische Präsidentschaftskandidat beschuldigt zudem Amtsinhaber George Bush, die von einer Veteranengruppe in Auftrag gegeben Spots unterstützt zu haben.

Kerry im Wahlkampf: Mitarbeiter des Weißen Hauses beteuern ihre Unschuld
REUTERS

Kerry im Wahlkampf: Mitarbeiter des Weißen Hauses beteuern ihre Unschuld

Fort Myers - Die republikanischen Wahlkämpfer wiesen den Vorwurf, an der Kampagne gegen Kerry beteiligt zu sein, umgehend zurück. Die Veteranengruppe "Swift Boat Veterans For Truth" habe "mit unrichtigen Spots gegen das Gesetz verstoßen", erklärte das Wahlkampfteam Kerrys. In den Spots wird Kerry von Vietnam-Kriegsveteranen unterstellt, seine angeblichen Heldentaten in Vietnam seien erlogen. Kerry warf Bush vor, er lasse "seine schmutzige Arbeit" von Frontgruppen erledigen. Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, warf Kerry vor, mit falschen und haltlosen Attacken gegen den Präsidenten vorzugehen. Der demokratische Herausforderer habe seine Gelassenheit verloren und sei damit kaum für das höchste Staatsamt geeignet, deutete McClellan an.

Für die Wahlkampfführung der Demokraten konterte deren Sprecherin Stephanie Cutter, Kerry sei nicht der Typ von Präsident, der Zweitklässlern Bilderbücher vorlese, während Amerika angegriffen werde - eine Anspielung auf den Schulbesuch Bushs während der Terroranschläge vom 11. September 2001. Die Demokraten brachten außerdem neue Fernsehspots heraus, in denen der ehemalige Luftwaffengeneral Merrill McPeak für Kerry wirbt.

Der parteilose Präsidentschaftskandidat Ralph Nader erlitt unterdessen einen Rückschlag bei der Zulassung zur Wahl am 2. November. In den Staaten Virginia, Maryland, Illinois und Missouri wurde ihm wegen Fehlern bei der Einreichung von unterstützenden Unterschriften die Aufstellung als dritter Kandidat verwehrt. Der Sprecher des Verbraucherschützers, Kevin Zeese, kündigte juristische Schritte gegen die Beschlüsse der Wahlbehörden an. Im Jahr 2000 hatte Nader als Kandidat der Grünen Partei rund drei Prozent der Stimmen in Maryland und jeweils zwei Prozent in den anderen drei Staaten erhalten. Die Demokraten befürchten, dass die Stimmen für Nader ihrem Kandidaten Kerry im Kampf gegen Bush fehlen könnten.

Unterdessen stellten sich einige US-Kriegsveteranen in Vietnam in dem Streit auf die Seite Kerrys. Sie verkauften T-Shirts mit der Aufschrift "Amerikaner in Übersee für Kerry" und einem Bild Bushs, das ablehnend durchgestrichen ist. "Es ist Teil der Bemühungen einiger von uns, auf die Verdienste Kerrys im Krieg aufmerksam zu machen und einigen Anschuldigen und Lügen über seinen Dienst in Vietnam entgegenzutreten", sagte einer der Veteranen am Samstag in Hanoi.

Der hoch dekorierte Vietnam-Veteran Kerry betont im Wahlkampf immer wieder seine militärischen Erfahrugen. Sie heben ihn von Bush ab, der während des Vietnam-Kriegs bei der Nationalgarde in der Heimat stationiert war. Die Demokraten hatten den Vorwurf erhoben, Bush habe sich vor einem Einsatz in Vietnam gedrückt. In den USA wird am 2. November ein neuer Präsident gewählt.

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