US-Wahlkampf McCain singt "Bombardiert Iran"

US-Präsidentschaftskandidat John McCain hat sich in seinem Wahlkampf erneut einen Schnitzer geleistet. Bei einem Auftritt in South Carolina sang der Republikaner in Beach-Boys-Manier "Bomb bomb Iran".


Washington - Auf die Frage, wann Washington im Atomstreit mit Iran eine "Botschaft per Flugzeug" an Teheran übermitteln werde, sagte McCain vor seinen Zuhörern im US-Bundesstaat South Carolina: "Dieser alte Hit der Beach Boys, 'Bombardiert Iran'?" Und dann sang der Vietnamkriegs-Veteran zur Melodie von "Barbara Ann": "Bomb bomb bomb, bomb bomb Iran". Die Umstehenden reagierten mit Gelächter.

Sänger McCain: "Bomb Iran"
AP

Sänger McCain: "Bomb Iran"

Nach seiner Gesangseinlage sagte der Senator in ernstem Ton: "Iran ist fest entschlossen, Israel zu zerstören." Außerdem strebe Teheran nach Atomwaffen. "Ich unterstütze Präsident George W. Bush voll und ganz, wenn er sagt, wir dürfen nicht zulassen, dass Iran Israel zerstört."

"Bitte, ich habe nur mit einigen meiner alten Veteranen-Freunde gesprochen", sagte der Politiker. "Meine Antwort ist: Entspannt euch und lebt euer Leben." Auf die Frage, ob sein Witz nicht unsensibel gewesen sei, erklärte er: "Unsensibel gegenüber wem? Den Iranern?"

Sein Team versuchte den Auftritt später herunterzuspielen. Auf den Gesang seines Chefs vom Fernsehsender ABC angesprochen sagte McCain-Sprecher Kevin McLaughlin, der Senator aus Arizona habe "nur versucht, ein bisschen Humor in diese Veranstaltung zu bringen". Die Frage des Zuhörers in South Carolina sei als Scherz formuliert worden, und der Kandidat habe eine humorvolle Antwort geben wollen.

Ein Video der Einlage während einer Wahlkampftour ist mittlerweile auf der Internetseite YouTube veröffentlicht worden und wurde schon rund 200.000 Mal gesichtet.

Es ist nicht McCains erster peinlicher Auftritt im Wahlkampf: So besuchte er am 1. April den Shorja-Markt in Bagdad, den größten Basar der irakischen Hauptstadt. McCain rückte in einem gepanzerten Humvee an, mit kugelsicherer Weste und flankiert von 100 US-Soldaten, drei Black-Hawk-Helikoptern und Scharfschützen ringsum. Der Markt wurde komplett gesperrt. Anschließend mokierte sich McCain über die negativen Schlagzeilen aus dem Irak. Die Amerikaner würden nicht "das ganze Bild" zu sehen bekommen, tönte er: Er habe auf dem Shorja-Markt so "frei herumlaufen" können wie auf "einem ganz normalen Markt im Sommer in Indiana". Zum Beweis prahlte sein Parteifreund Lindsey Graham, der ihn begleitet hatte: "Ich habe fünf Teppiche für fünf Dollar gekauft!"

Der Vorfall von McCain in South Carolina erinnert auch an einen Witz von Ronald Reagan 1984. Der hatte auf der Höhe des Wettrüstens mit der Sowjetunion gescherzt: "Meine lieben Mitbürger, ich freue mich, Ihnen heute sagen zu können, dass ich ein Gesetz unterzeichnet habe, das Russland für immer verbieten wird. Wir beginnen in fünf Minuten mit den Bombenangriffen." Reagan hatte mit diesen Worten das Mikrofon vor seiner wöchentlichen Radioansprache getestet.

als/AFP/Reuters

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