US-Wahlkampf Obama kontert Romneys Wählerbeschimpfung

Vor einem Millionenpublikum hat Barack Obama die Steilvorlage seines Rivalen Mitt Romney genutzt und dessen Wählerbeschimpfung kritisiert. "Wir machen alle Fehler", sagte er in einer TV-Show, aber: "Als Präsident habe ich gelernt, dass man das ganze Land repräsentiert." Romney versuchte währenddessen, seine Äußerungen zu rechtfertigen.


Washington - Bei einem Auftritt in der beliebten TV-Late-Night-Show von David Letterman hat Barack Obama die umstrittenen Wahlkampf-Äußerungen seines Herausforderers Mitt Romney kommentiert. Romney schreibe einen großen Teil des Landes ab, sagte Obama. "Als Präsident habe ich gelernt, dass man das ganze Land repräsentiert."

Der Präsident reagierte damit auf ein Video, in dem Romney vor Spendern rund die Hälfte der US-Bürger in die Nähe von Sozialschmarotzern gerückt hatte, die Ansprüche an die Regierung stellten. Romney hatte hinzugefügt, es sei nicht seine Aufgabe, sich um diese Menschen zu kümmern.

"Wir machen alle Fehler", kommentierte Obama die Äußerungen Romneys genüsslich. Er selbst habe bereits in seiner ersten Rede nach seinem Wahlsieg 2008 klar gemacht, dass er sein Amt als Dienst an allen Amerikanern verstehe. "Ich habe noch in der Wahlnacht gesagt: Auch wenn ihr mich nicht gewählt habt, höre ich eure Stimmen und ich werde so hart wie es geht daran arbeiten, euer Präsident zu sein", sagte Obama unter dem Applaus des Studiopublikums.

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US-Wahlkampf: Obama bei Letterman
Der US-Präsident wies die Einschätzung Romneys zurück und erklärte, es gebe nur wenige Menschen in den USA, die sich als Opfer betrachteten. Die Wähler wollten nur sicherstellen, dass der Präsident nicht große Teile des Landes einfach abschreibe.

"Palästinenser nicht an Frieden interessiert"

Romney bemühte sich unterdessen, seine Kommentare als Beweis für die fundamentalen Unterschiede zu Obama darzustellen. Der Herausforderer sagte dem Fernsehsender Fox, er habe keine Wähler abschreiben wollen. Er werde keine Stimmen von Menschen erhalten, die glaubten, dass die Regierung Wohlstand umverteilen müsse. Obama jedoch glaube genau das, erklärte er.

"47 Prozent der Menschen werden für den Präsidenten stimmen, egal was passiert", hatte Romney in dem heimlich bei dem Spenden-Event aufgezeichneten Video gesagt. "Sie sind abhängig von der Regierung, glauben, dass sie Opfer sind, dass die Regierung verpflichtet ist, sich um sie zu kümmern, dass sie Anspruch haben auf eine Gesundheitsfürsorge, auf Lebensmittel, Wohnung, was auch immer."

Aber auch unter den Republikanern sorgten Romneys Äußerungen für Unruhe. Zwei Senatoren distanzierten sich öffentlich davon, während andere fragten, welche Auswirkungen die Kontroverse auf die Siegchancen bei der Präsidentschaftswahl im November haben werde.

Das Magazin "Mother Jones" veröffentlichte unterdessen weitere Auszüge des Videos. Darin spricht Romney über seine Einschätzungen über die Lage in Nahost. Die Palästinenser seien nicht an einem Frieden interessiert, erklärte er. Es sei "fast undenkbar", dass es zu einem Friedensschluss komme. Die Palästinenser hätten sich "der Zerstörung und Beseitigung Israels verschrieben". Vor diesem Hintergrund sei er auch nicht dafür, dass Israel sich den Palästinensern beuge. "Die Idee, Israel dazu zu drängen, etwas aufzugeben, um die Palästinenser zum Handeln zu bringen, ist die schlechteste Idee auf der Welt." Außerdem werde Iran versuchen, Raketen in ein eigenständiges Westjordanland zu bringen, um Israel zu bedrohen.

als/dpa/Reuters/dapad

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dabinichjetzt 19.09.2012
1. Jedes einzelne Wort
des Herrn Romney in dem Video kann ich unterschreiben. Der Mann weiß wovon er spricht!
carolane 19.09.2012
2. Schade
Dass man sich über Romneys Aussagen in den US so aufregt wundert mich. Es sieht so aus, dass die europäische Empörungskultur in den US bei den dortigen Linken mittlerweilen genauso verbreitet ist wie hier. Obwohl, ich denke dass der Großteil der Amerikaner Romney zustimmen wird, dass sich in den US beinahe schon eine europäische Sozialstaatserwartungshaltung weit verbreitet hat. Dass sich so eine Bedien-mich-Mentalität dort etabliert hat ist schon schade. Die US sind eigentlich immer noch ein Land wo Selbstverantwortung selbstverständlich ist, wo man stolz ist für sich selber sorgen zu können egal ob der Nachbar mehr hat, wo Umverteilung ein Schimpfwort ist. Hier dagegen ist man Stolz darauf anderen etwas wegzunehmen, weil ja hartes Arbeiten ansich schon verdächtig ist, Reichtum immer etwas nach Diebstahl klingt. Bei uns sind es dazu noch nicht nur 47% sondern eher Richtung 80% die gewohnheitsmässig gerne die Hand in die Tasche des Nachbarns stecken.
shokaku 19.09.2012
3. Hier könnte ein Titel stehen
Zitat von sysopAFPVor einem Millionenpublikum hat Barack Obama die Steilvorlage seines Rivalen Mitt Romney genutzt und dessen Wählerbeschimpfung kritisiert. "Wir machen alle Fehler", sagte er in einer TV-Talkshow, aber: "Als Präsident habe ich gelernt, dass man das ganze Land repräsentiert." Romney versuchte währendessen, seine Äußerungen zu rechtfertigen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,856629,00.html
Wenn Romney erst Präsident ist, so wird er das auch schon lernen.
derknecht 19.09.2012
4.
Dieser Romney ist schon einer. Klar wenn man jemanden sein Land wegnimmt, kann man ja im nachhinein nicht sagen, hier habt ihr ein Stückchen wieder. Aber bitte beschwert euch in Zukunft nicht mehr. Ihr solltet endlich mit den verbliebenen 5% eures Landes zufrieden sein. Der Rest gehört nun meinen Freunden.
ford_fairlane 19.09.2012
5.
Zitat von sysopAFPVor einem Millionenpublikum hat Barack Obama die Steilvorlage seines Rivalen Mitt Romney genutzt und dessen Wählerbeschimpfung kritisiert. "Wir machen alle Fehler", sagte er in einer TV-Talkshow, aber: "Als Präsident habe ich gelernt, dass man das ganze Land repräsentiert." Romney versuchte währendessen, seine Äußerungen zu rechtfertigen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,856629,00.html
Wenn er gelernt hat, wieso macht er es denn nicht. Es ist völlig egal wer Präsident wird, Romney würde das Land lediglich schneller an die Wand fahren.
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