Wahlkämpfer Obama: Plötzlich aggressiv

Aus Virginia Beach berichten und (Video)

In neuer Schärfe nimmt sich US-Präsident Barack Obama die Republikaner vor. Seinen Widersacher Romney stellt er als kaltblütigen Kapitalisten dar, sich selbst als volksnah. Vier Monate vor der Wahl beginnt der Kampf Mann gegen Mann.

AP

Barack Obama braucht eine Viertelstunde. 15 Minuten dauert es, bis er da ist, wo ihn seine Wahlkampfstrategen haben wollen. Obama beugt sich übers Mikrofon, er brüllt, streckt die Arme nach vorn. Grimmig ist das Gesicht, die Lautsprecher dröhnen.

"Jeder soll seine faire Chance bekommen, jeder seinen gerechten Beitrag leisten und alle nach den gleichen Regeln spielen", ruft er seinen Gerechtigkeitsdreiklang in die Sporthalle der Green Run Highschool von Virginia Beach: "Daran glaube ich. Und deshalb will ich eine zweite Amtszeit."

Es jubeln die über 1000 Anhänger, sie heben die Hände, zeigen vier Finger, skandieren: "Four more years, four more years, four more years!"

Ran an die kleinen Leute

An diesem Wochenende ist Barack Obama angekommen im eigenen Wahlkampf - vier Monate vor der Entscheidung im November. Lange wirkte er unentschlossen in der Auseinandersetzung mit Republikaner-Kandidat Mitt Romney. Nicht aggressiv, nicht populistisch, nicht wütend genug. So haben sie es ihm jedenfalls vorgehalten in den eigenen Reihen; haben nicht fassen können, wie sich Obama ausgerechnet mit Romney, dem roboterhaft wirkenden 250-Millionen-Dollar-Mann, ein Kopf-an-Kopf-Rennen in den Umfragen liefern muss. Ist der denn wirklich so schwer zu knacken?

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Wahlkampf in Virginia: Der entschlossene Obama
Aber jetzt: Virginia, der Swing State. Obama braucht die Wechselwähler hier im Süden, um siegen zu können. Zwei Tage tourt er durch den alten Ostküsten-Staat, testet seinen Wahlkampfsound, der das Motiv der sozialen Gerechtigkeit variiert.

Schon am Montag im Weißen Haus hatte er vorgeschlagen, die massiven Steuernachlässe seines Amtsvorgängers George W. Bush zu verlängern - allerdings nur für jene, die weniger als 250.000 Dollar im Jahr verdienen. Die Mittelschicht, wie Obama sagt. Die Super-Reichen aber sollen künftig wieder mehr zahlen.

Der Vorschlag hat zwar keine Chance auf Zustimmung im Parlament, aber darum geht es ja auch nicht. Obama kann, wenn es gut für ihn läuft, Romney und dessen Leute vorführen: Seht her, die Republikaner wollen die Steuern für die kleinen Leute erhöhen. So in der Art. Klassenkämpfer Obama.

Zugleich hat durch Medienberichte die Debatte über Romneys Vergangenheit in der Investmentfirma Bain Capital an Fahrt gewonnen. Team Obama ist darauf eingestiegen, wirft Romney vor, seine Unternehmen hätten Jobs nach Übersee verlagert. "Pioniere des Outsourcing" nennt Obama in Virginia seinen Gegner und dessen Bain-Kollegen.

Für Romney ist das eine gefährliche Entwicklung. Am Freitagabend stellt er sich gleich drei TV-Sendern zu Interviews, weist alle Anschuldigungen zurück. Ein ungewöhnlicher Schritt für den Mann, der gern alles unter Kontrolle hat. Obamas Attacken haben ihn in die Defensive gebracht.

Vorwärts mit Kampagnen von gestern

Es sind entscheidende Tage. Der Wahlkampf gewinnt an Fahrt, wird zur Auseinandersetzung der Persönlichkeiten, zum Ich-oder-Er. Dabei trachten beide Kandidaten danach, die Vergangenheit des Gegners negativ zu besetzen: Romney versucht es mit Obamas schlechter Wirtschaftsbilanz (8,2 Prozent Arbeitslosigkeit), Obama mit Romneys Outsourcing bei Bain. Treffend bemerkte die "New York Times": "Obamas Slogan zur Wiederwahl lautet 'Vorwärts'. Aber die Kampagnen, die er und Mitt Romney dieser Tage betreiben, sind besser mit 'Rückwärts' beschrieben."

Klar ist: Obama gelingt dies besser. Romney hat sich ganz und gar auf einen Wirtschaftswahlkampf festgelegt, wollte mit seiner Bain-Vergangenheit punkten. Kann das jetzt noch funktionieren? Längst stößt Romneys Monothematik auch republikanischen Parteigranden auf, gar regelmäßig kritisiert das konservative "Wall Street Journal" die Strategie von Team Romney in seinen Leitartikeln.

In der Highschool von Virginia Beach lästert der Präsident über Romneys Top-Down-Ökonomie. Über die Vorstellung, dass man nur die Steuern für die Reichen senken müsse, und später würde dann schon auch die Mittelschicht profitieren. Man habe dieses Modell in den vergangenen Jahren angewendet, es habe in die Krise geführt, ruft Obama unter Jubel.

Und dann wird es persönlich. Es geht um die Wiederherstellung des "American Dream": darum, dass jeder, der hart arbeitet in Amerika, auch aufsteigen können soll. Obama erzählt von seinem Großvater, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg kämpfte und später als Belohnung studieren durfte. Er berichtet von den Eltern seiner Ehefrau Michelle, die nicht viel hatten, ihren Kindern aber doch ein Studium ermöglichten. Er erinnert sich an seine eigene, alleinerziehende Mutter. Und daran, wie sie damals mit dem Greyhound-Bus in den Urlaub gefahren sind. Es ist das Kontrastprogramm zur Geschichte des Multimillionärs Romney.

Was Obama seinem Publikum sagen will? "In euch sehe ich mich selbst, und ich sehe Michelle in euch", sagt er. "Wenn ich auf eure Kinder schaue, dann sehe ich meine Kinder. Und wenn ich auf eure Großeltern schaue, dann sehe ich meine Großeltern." Ich bin ihr, und ihr seid ich. Das ist die Botschaft Obamas. Sie klingt nach seiner Kampagne 2008, nach Retro-Wahlkampf - und das soll sie auch. "Ich glaube an euch", sagt er: "Und ich hoffe, auch ihr glaubt noch an mich."

Da rufen sie ihm ganz euphorisch ihr "Yeah" entgegen. Und Obama schaut sehr ernst auf diese Menge. Ein paar Sekunden verharrt er so, lässt den Applaus auf sich niederprasseln. Dann steigt er langsam die paar Stufen von der Bühne herunter. Vor vier Jahren wäre er wohl mit breitem Grinsen das Treppchen heruntergefedert. Aber die Zeiten haben sich eben doch geändert.

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insgesamt 23 Beiträge
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1. optional
leserbawü 14.07.2012
Nichts gegen die Englischkenntnisse des Autors - aber sind Sie sicher, dass es nicht "Four more years!" heißen sollte? ;)
2.
Dubbel 14.07.2012
Ich hätte auch damit gerechnet, dass es einfacher für Obama werden würde, nachdem sich die Republikaner ja im Präsidentschaftskandidatenwahlkampf gegenseitig niedergemacht haben. Aber wir werden sehen. Ich bin nicht in allen Punkten mit Obama auf einer Linie (Guantanamo, Drohnenkrieg, etc. garnicht so sehr die wirtschaftlichen Aspekte), aber die republikanischen Alternativen diese Legislaturperiode sind einfach lachhaft. BTW: Ich schätze die Menge hat nicht "For more years" sondern "Four more years" gemeint ;)
3. Schreckliche Bilanz
zeitmax 14.07.2012
eines Populisten: Wenn man die letzten vier Jahre anschaut, werden sehr wahrscheinlich die nächsten vier unter ihm schlimmer sein. Der Mann ist nureine Rezept- und Konzept-lose Marionette des Großkapitals. Parallelen zu D dürfen durchaus gezogen werden.
4. Es ist Wahlkampf … da wird gelogen was die Balken hergeben …
Dr.pol.Emik 14.07.2012
… und genau deshalb kommt auch Amerika nicht vom Fleck. Solange dort nur Show gefragt ist, es parallel dazu weiter bergab geht, ist es eigentlich auch völlig egal wer die Nation verheizt. Obama kommt mit ein paar Farbtuper sozialer Gerechtigkeit daher „RMoney“ mit den alten Werten … ist doch der grauen Eminenz egal, solange da „Geld“ bedient wird und niemand die Frage stellt wer diese Marionetten spielt, solange erleben wir ein großen Unterhaltungsformat. Nur nützt und dient es den Menschen nicht. Vielleicht sollten auch mal die Amerikaner über Wut nachdenken, wenn ihnen ihr Präsident die schon vorlebt. Nein die Schlafschafe, hier wie dort lassen sich einlullen. Realistisch, bei Lichte betrachtet, ist Obama um nichts besser als sein Vorgänger. Da er ein wenig intelligenter ist, kann er es offenbar sogar nboch schlimmer treiben, ohne dass es auffällt. Hier sei an die NDAA Gesetzgebung erinnert und die weltweit praktizierte präsidial Präventivtötung, die erst unter Obama zur bisherigen Blüte gelangte. Und was man dem amerikanischen Volk angedeihen lassen will, das kann man hier nachlesen. Es verheißt nichts gutes, deshalb wird im Mainstream auch nicht sonderlich darüber debattiert, egal wie skandalös es vielleicht sein könnte, geht ja nur um „Sicherheit“: 450 Mio. Spezial-Totmacher für US Homeland Security (http://qpress.de/2012/04/04/450-mio-spezial-totmacher-fur-homeland-security/) … wessen Sicherheit eigentlich, die paar Wenigen die Geld und Eigentum raffen während 1/3 der US Bevölkerung nachweislich an der Armutsgrenze lebt und 1/6 nur noch mit „Foodstamps“ überleben kann? Traumhaft oder traumatisch, das ist hier die Frage und nicht die nach den Wortakrobatik-Künsten der präsidialen Maulaffen die sich nur für die Position der ersten Marionette in diesem bösen Film empfehlen. Meine Achtung für Obama ist in den letzten 4 Jahren kontinuierlich gesunken. Um die Reps steht es aber auch nicht besser.
5. Und Romney in der Defensive
gandhiforever 14.07.2012
Zitat von sysopIn neuer Schärfe nimmt sich US-Präsident Barack Obama die Republikaner vor. Seinen Widersacher Romney stellt er als kaltblütigen Kapitalisten dar, sich selbst als volksnah. Vier Monate vor der Wahl beginnt der Kampf Mann gegen Mann. US-Wahlkampf: Obama testet aggressive Strategie in Virginia - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,844359,00.html)
In der Tat kommt Obama am besten an, wenn er Romney als das beschreibt, was er ist. Und bei den Umfragen zeigt sich das auch, Romney kommt nicht naeher ran, in wichtigen Staaten waechst der Abstand sogar. Der Kandidat will 1999 bei Bain die Fuehrung abgegeben haben (an wen?), also nicht mehr verantwortlich gewesen sein fuer deren Entscheidungen (dennoch sollen ihm die dann angeblich geschaffenen Arbeitsplaetze gutgeschrieben werden. Romney ist ein echter Republikaner. Nach 1999 ist er weiterhin alleiniger Aktionaer, Chaurman von Bain, doch die VErantwortung will er nicht mehr getragen haben. Darauf werden sich in Zukunft viele Kapitalisten berufen, wenn sie Mist gebaut haben. Obama reibt sich die Haende, denn die Republikaner haben ihm da einen Trumpf praesentiert, den Praesentierteller haetten sie lieber begraben. Vielleicht haetten sie sich besser bei McCain erkundigt, warum der vor 4 Jahren Abstand davon genommen hatte, Romney fuer das Amt des Vize auszuwaehlen. Romney luegt andauernd, weiss spaeter nicht mehr, was er wann wo gesagt hat, hat Gedaechnisluecken, wenn er dran erinnert wird. Nicht gerade ermutigend, so ein Kandidat. Da ist Obama zum Glueck aus einem ganz anderen Holz geschnitzt.
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.