TV-Duell gegen Obama: Romney hofft auf seine letzte Chance

Aus Denver berichtet

Jetzt beginnt die große Show: Rund 50 Millionen Amerikaner werden einschalten, wenn sich US-Präsident Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney in der Nacht zum Donnerstag ihr erstes TV-Duell liefern. Was ist zu erwarten?

Obama vs. Romney: Vor der TV-Debatte in Denver Fotos
REUTERS

Noch eine Chance hat Mitt Romney, sagen seine republikanischen Parteifreunde. Noch eine Chance, wenn überhaupt, sagen seine demokratischen Gegner. Romneys wohl letzte Chance, doch noch Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden - das könnten die drei TV-Duelle gegen Amtsinhaber Barack Obama im Oktober sein.

Der erste Termin ist zugleich der wichtigste. An diesem Mittwochabend treten Romney und Obama in der Universität zu Denver 90 Minuten gegeneinander an (3 Uhr, Liveticker bei SPIEGEL ONLINE). Die Themen: Innen- und Wirtschaftspolitik, aufgeteilt in sechs Kapitel à 15 Minuten.

Zwar sprechen die Zahlen 34 Tage vor der Wahl nahezu ausnahmslos gegen Romney - nicht nur in landesweiten Umfragen, sondern auch in bedeutenden Swing States wie Florida oder Ohio ist er mittlerweile hinter Obama zurückgefallen. Mit Blick auf die Fernsehdebatten muss das noch nichts heißen. In der Vergangenheit konnte sich schon mancher Kandidat durch einen gelungenen Auftritt wieder nach vorn schieben.

Wie einst Jimmy Carter?

Zum Beispiel Jimmy Carter. Als der Demokrat im Jahr 1976 gegen Amtsinhaber Gerald Ford zum TV-Duell antrat, schien er chancenlos. Doch dann fiel erst über 27 Minuten der Ton aus. Schließlich verhaspelte sich Ford, erklärte, die Sowjetunion übe keine Vorherrschaft über Osteuropa aus. Mitten im Kalten Krieg. Die Folge: Fords Werte schmolzen dahin, Carter wurde Präsident.

Jetzt hofft Romney wenigstens auf einen kleinen Ford-Moment bei Obama. Vor allem aber muss er ein neues Bild von sich selbst zeichnen: weniger kühl, weniger abgehoben. Er solle konkreter werden, klare Alternativen zu Obama aufzeigen, verlangt Ex-Rivale Newt Gingrich, mit dem sich Romney während der parteiinternen TV-Debatten beharkt hatte. Derweil tönt der Romney-Vertraute und Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, auf CBS: "Dieses Rennen wird sich gedreht haben am Donnerstagmorgen."

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US-Präsidentschaftsdebatten: Nixons Bart, Reagans Witze
Tatsächlich? Schließlich schaffte Romney das in all den Monaten nicht, selbst auf dem eigenen Parteitag hat er es vermasselt. Seitdem ein im Geheimen gedrehtes Video von ihm die Runde macht, in dem er vor schwerreichen Gönnern 47 Prozent der US-Bevölkerung Sozialschmarotzerei unterstellt, scheint er nicht mehr Herr seiner eigenen Kampagne. Die Zahl 47 im Zusammenhang mit dem Namen Romney ist zum Synonym geworden für die Pannen und Patzer des Multi-Millionärs, zum "definierenden Moment" seines Wahlkampfs, wie die "Washington Post" schreibt.

Worauf zu achten ist

Was also können da ein paar Treffer in den anstehenden TV-Duellen noch ausrichten? Einer Umfrage des "Wall Street Journal" zufolge sagen 38 Prozent der befragten registrierten US-Wähler, die kommenden Debatten seien "sehr wichtig" oder "ziemlich wichtig" für ihre Entscheidungsfindung.

Romney hat sich akribisch vorbereitet, sogar einige geistreiche Sprüche soll er sich zurechtgelegt haben. Doch TV-Duelle, das zeigt die Geschichte, sind mitunter nur schlecht planbar - und können im Idealfall dem Publikum damit einen seltenen unverstellten Blick auf die Kandidaten ermöglichen. Legendär sind jene großen und kleinen Momente, die manchmal eine Inszenierung entlarvten, den einen Kandidaten überraschten oder einen anderen schlicht den Sieg kosteten. Zu achten ist neben den Inhalten auf...

  • ...das Auftreten: Der damalige Vizepräsident Richard Nixon wirkte unausgeruht, schwitzte, klammerte sich gar an die Armlehne seines Stuhls, als er 1960 gegen den elegant wirkenden John F. Kennedy antrat. Jenen, die das Duell allein im Radio verfolgten, galt später Nixon als knapper Sieger. Die TV-Zuschauer jedoch votierten mit großer Mehrheit für Kennedy. Im Duell zwischen dem älteren George Bush und Bill Clinton 1992 schaute Bush senior auf die Uhr - ausgerechnet als die Kamera auf ihn gerichtet war;

  • ...die Aggression: Demokrat Al Gore galt George W. Bush im Jahr 2000 als intellektuell überlegen. Doch die TV-Debatten konnte Bush für sich nutzen, da Gore zwischenzeitlich arrogant und aggressiv rüberkam: Mal seufzte er hörbar, während Bush redete; ein anderes Mal schritt er direkt auf ihn zu, Bush unterbrach seine Rede kurz, nickte Gore schelmisch zu - und hatte die Lacher auf seiner Seite;
  • ...die Coolness: Ronald Reagan galt 1980 als Rechtsaußen, als Hardliner. Die Demokraten mühten sich, Amtsinhaber Carter dagegen als Mann der Vernunft darzustellen. Doch in den TV-Duellen gab sich Reagan locker, charmant, so gar nicht teuflisch. Vier Jahre später nahm der damals 73-Jährige seinem Kontrahenten Walter Mondale mit einem lockeren Spruch das Altersargument: Er verspreche, so Reagan, die "Jugend und Unerfahrenheit" Mondales nicht auszubeuten;
  • ...die Anrede: Wie sprechen sich die Rivalen an? Mr. Obama? Mr. President? Mr. Governor? Oder einfach nur Mitt und Barack? Zu formell - das könnte zu respektvoll wirken. Aber zu flapsig - das käme wiederum arrogant rüber. Am schlechtesten machte es John McCain 2008 gegen Obama, den er einmal nur als "dieser da" bezeichnete, während er auf ihn zeigte.

Die Amerikaner jedenfalls scheinen jetzt nicht mehr viel von Mitt Romney zu erwarten. Nur 28 Prozent der Befragten rechnen den Meinungsforschern von der Quinnipiac University zufolge überhaupt damit, dass der Herausforderer die Debatten für sich entscheiden könnte; 54 Prozent setzen auf Präsident Obama. Das aber, sagt Quinnipiac-Experte Scott Brown, sei die vielleicht beste Nachricht für Romney. Denn ist die Erwartungshaltung niedrig, kann der Kandidat überraschen.

"Polit-Krebs im Endstadium"

Auffällig ist, wie Obamas Leute in den vergangenen Tagen stets betonten, was für ein ausgezeichneter Debattierer Rivale Romney doch sei; dass der Herausforderer ja traditionell gewisse Vorteile habe in der ersten TV-Begegnung, weil er auf Augenhöhe mit dem Präsidenten auftrete. Und so weiter. Hauptsache, Romneys Messlatte rutscht ein Stück höher. Nur eines hat Team Obama noch immer nicht geliefert: Das prägende Projekt für eine zweite Amtszeit. Was will Obama eigentlich konkret angehen, wenn er gewinnt: Den Frieden in Nahost? Die Reform des Einwanderungsrechts? Was bloß?

Klar ist: Ein größeres Publikum als kommende Nacht ist kaum vorstellbar. Gut 50 Millionen Amerikaner werden einschalten, "neun von zehn Wählern wollen dabei sein", sagt Meinungsforscher Brown. Eine bessere Möglichkeit aufs Comeback werde sich Romney in den verbleibenden Wochen nicht mehr bieten. Die Schwierigkeit für den Republikaner: Er muss alles riskieren, auf Sieg setzen und darf dabei nicht zu aggressiv rüberkommen; Obama dagegen braucht nur den Status quo zu verteidigen.

"Schon ein Unentschieden wäre ganz hervorragend für den Präsidenten", sagt Brown. "Obama muss einfach nur der Präsident sein, staatsmännisch, souverän", sagt ein Demokraten-Stratege. Ein anderer meint gar, politisch gesehen habe Romney "Krebs im Endstadium". Obama sei durch, so gut wie. Die neuesten Zahlen von Experte Brown jedenfalls deuten in diese Richtung:

  • Landesweit liegt Obama laut Quinnipiac mit 49 zu 45 Prozent vorn;
  • bei weiblichen Wählern macht der Vorsprung des Präsidenten 18 Punkte aus, es steht 56 zu 38 Prozent;
  • bei Männern dagegen liegt Romney vorn, 52 zu 42 Prozent;
  • Unabhängige votieren mit 47 zu 45 Prozent für Romney;
  • bei schwarzen Wählern führt Obama mit 94 zu zwei Prozent;
  • Romney führt bei Weißen mit 53 zu 42 Prozent.

Entscheidend könnte am Ende durchaus Obamas massiver Vorsprung bei der weiblichen Wählerschaft sein. "Frauen lieben Obama", sagt Brown. Aber dass er bei den Weißen hinten liegt? Das sei im Siegerjahr 2008 genauso gewesen, so der Meinungsforscher: "Wenn er den damaligen Anteil von 43 Prozent wieder erreichen oder noch verbessern kann, dann ist es für Romney schwierig bis unmöglich zu gewinnen." Derzeit liegt Obama bei 42 Prozent.

Mitt Romney also wird viel zu tun haben an diesem Abend in Denver.

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1. Erst beim übernächsten Mal
gottgegenuns 03.10.2012
Zitat von sysopREUTERSJetzt beginnt die große Show: Rund 50 Millionen Amerikaner werden einschalten, wenn sich US-Präsident Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney in der Nacht zum Donnerstag ihr erstes TV-Duell liefern. Was ist zu erwarten? http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-wahlkampf-obama-und-romney-treffen-sich-zum-tv-duell-a-859321.html
Is ja gut. Er wird schon nicht gewählt. Das machen die Amis erst bei der übernächsten Mal. Dann kommt wieder ein Republikaner dran, dann ist auch der Weltstress noch größer und die Amis werden den starken, rechten Mann suchen und finden. Für diesmal gibt es noch Entwarnung. Aber danke für die Propaganda.
2. Egal
Dio_genes 03.10.2012
Ob Obama oder Romney, ob Merkel oder Steinbrück... für einige (insbesondere die Medien) scheint das noch wichtig zu sein. Ein Schaukampf, Spannung, wer wird gewinnen - gähn. Für einen großen Teil der Bevölkerung (in diesem Land und insbesondere in den USA) ist das aber nicht mehr wichtig, da jeder halbwegs vernünftige Mensch realisiert haben dürfte, dass es beinahe völlig egal ist, wer als Marionette der Wirtschaft regiert. Egal wer, er wird noch ein paar Jahre so weiterwursteln, die Reichen reicher machen (und die Mittelschicht durch Inflation und Betrug ärmer), bis alles zusammenbricht. Erst dann ist die Stunde des Volkes gekommen um zu versuchen das echte demokratische Zepter in die Hand zu nehmen (was allerdings zwar niemals gelingen wird, aber dadurch immerhin ein paar Millionäre zu Schaden kommen). So sind wir für immer den Bonzen ausgeliefert.
3.
husker 03.10.2012
38% der Frauen würden Romney wählen? Denn sie wissen nicht, was sie tun... Dieser Mann möchte Abtreibungen kriminalisieren und Verhütungsmittel nicht mehr bezuschussen, ein Kollege von ihm meinte, vergewaltigte Frauen könnten gar keine Kinder bekommen, weil die Vagina dichtmachen würde... Und von solch einer geballten Kompetenz will Frau sich regieren lassen?
4. Spiegel
cdrenk 03.10.2012
Romney ist ein Spiegel der ewig gestrigen Reaktionäre der VStaaten. Bin sehr froh, dass Obama Präsident bleibt.
5. -
betasheet 03.10.2012
Zitat von sysopREUTERSJetzt beginnt die große Show: Rund 50 Millionen Amerikaner werden einschalten, wenn sich US-Präsident Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney in der Nacht zum Donnerstag ihr erstes TV-Duell liefern. Was ist zu erwarten? http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-wahlkampf-obama-und-romney-treffen-sich-zum-tv-duell-a-859321.html
Barack Obama hat sich hoffentlich auf alle möglichen Fragen aus dem Romney Lager vorbereitet, denn sollte er bei einer Frage in Unsicherheit geraten, endet das bei ihm sehr schnell im Gestammel und er neigt dann zu Fehlern. Romney hingegen kann eigentlich sehr gut frei reden, aber er wirkt eben immer steif, während Obama der Coole ist, dem auch Selbstironie nicht fremd ist. Ich bin Konservativ und habe ein Ferienhaus in Kalifornien, trotzdem wünsche ich mir keinen President Romney. Romney hat sicherlich nicht mit allem Unrecht (viele Probleme kennt man nur, wenn man in den USA lebt), aber gewisse Punkte kann ich einfach nicht nachvollziehen. Viele Superreiche beschweren sich über zu niedrige Steuern und er will sie für die reichsten der Reichen absenken. Cmon... Obama hat Recht, es ist besser den Menschen mit weniger als 250k im Jahr tax cuts zu zusichern und dafür die tax cuts für Personen mit Einkommen über 250k auszusetzen. Auch Einkünfte durch Kapitalerträge sollten ganz normal wie Einkommen versteuert werden, wenn die Kapitalerträge das Einkommen ausmachen. Obamacare nun ja, das ist in seiner derzeitigen Form nicht das Gelbe vom Ei, aber das wird früher oder später sowieso mal überarbeitet werden. Was die Staatsverschuldung angeht, bin ich eher bei Romney. Es muss gespart werden, ich bin nicht Obama's Meinung, dass teure Stimuli durch den Staat der Wirtschaft helfen. Und was Ben Bernake treibt ist ja wohl auch Wahnsinn!! In 10 Jahren haben wir in den USA ein Szenario wie in Griechenland (das leugnet er nicht mal) und das bedeutet dann eine Weltwirtschaftskrise die den "Reset" einleiten wird, sprich das Geld ist nichts mehr wert. Die Chinesen werden da auch nicht mehr helfen können, die haben bis dahin ihre eigenen wirtschaftlichen Probleme und ihre Immobilienblase dürfte bis dahin auch geplatzt sein. Alles in allem muss Obama also seinen eigenen Kurs nach der Wahl auch ändern, es sei denn er will als Negativbild in die Geschichte der USA eingehen.
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahlkampf: Romneys Patzer-Serie
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Barack Obama: Vom Außenseiter zum Präsidenten

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Mitt Romney: Auf den Spuren des Vaters
US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.