US-Wahlkampf Republikaner-Spot verhöhnt deutsche Obama-Fans

John McCains Partei geht in die Spott-Offensive: In einem neuen TV-Werbefilm machen sich die Republikaner über die Obamania in Berlin lustig. Den Deutschen werfen sie miesen Geschmack vor - und vergleichen den Demokraten mit David Hasselhoff.


Washington - Auf den ersten Blick wirkt es wie das Pausenprodukt eines gelangweilten Filmstudenten. Das gut eine Minute lange Video zeigt den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Barack Obama, wie er am vergangenen Donnerstag zum deutschen Publikum vor der Berliner Siegessäule spricht ("People of Berlin") - der sekundenkurze Ausschnitt ist untermalt von Disco-Beats und flimmernd-pinkfarbenen Grafiken:

Das Video ist allerdings kein Privatfilm - sondern ein neuer Fernseh-Werbespot der Republikaner. Die Partei des des Präsidentschaftskandidaten John McCain macht sich in dem Clip über die deutsche Massenbegeisterung für Obama lustig.

Zu Wort kommen Besucher der Berliner Obama-Veranstaltung, die für amerikanische Ohren Merkwürdiges von sich geben. Da berichtet ein junger Mann, dass seine "marxistischen Freunde" in den USA Obama unterstützten. Ein anderer vergleicht den US-Demokraten mit dem Revolutionsführer Che Guevara.

Bilder Obamas werden mit Fotos des US-Schauspielers David Hasselhoff verknüpft und überblendet. Amerikaner machen sich oft über den angeblich schlechten Geschmack der Deutschen lustig, die selbst den in den USA nicht sonderlich populären Hasselhoff zum Star machten.

Zweiter Spot stellt Obama in eine Reihe mit Britney Spears

Es scheint, als ob die Partei die aufsehenerregende Deutschland-Reise des demokratischen Konkurrenten jetzt gezielt für ihren Wahlkampf ausschlachten möchte. Der Werbe-Spott kommt allerdings von den Republikanern - nicht direkt von McCains Team.

Dieses hat stattdessen einen anderen neuen Fernsehfilm veröffentlicht (siehe Video unten). Es beginnt mit Bildern von Obama und den Worten: "He's the biggest celebrity in the World" ("Er ist der größte Star auf der Welt"), kombiniert mit Szenen jubelnder Obama-Anhänger in Berlin.

Dazwischen tauchen Aufnahmen von Popstar Britney Spears und Hotelerbin Paris Hilton auf, wie sie vor Paparazzi fliehen. Dann wird die Frage gestellt: "But is he ready to lead?" ("Kann er wirklich ein Land regieren?") - gefolgt von einer Kritik an Barack Obamas Energiepolitik.

Die neue Strategie von Obamas Rivalen macht übrigens auch vor Kino-Kassenschlagern nicht halt. Der Hasselhoff-Spot endet mit der berühmten "Titanic"-Szene von Hollywoodstar Leonardo DiCaprio, der sich am Bug des Schiffs zum "König der Welt" erklärt. Nur dass auf das Gesicht des Schauspielers das Konterfei Obamas montiert wurde.

amz/dpa

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