Romneys Schlussoffensive in Virginia: Im Schweinsgalopp durch die Swing States

Aus Virginia berichten Sebastian Fischer und Sandra Sperber (Video)

Bei den TV-Duellen steht es unentschieden, nun setzen die Präsidentschaftskandidaten alles auf die Wähler in den Swing States. In Virginia fegt Romney durch einen 25-Minuten-Auftritt: Eine Mischung aus Wahlprogramm, Rührseligem und Hommage an die gute alte Zeit.

REUTERS

Es darf wirklich nicht mehr lange dauern bis zur Wurst. Weil: Gleich soll es doch losgehen, vorne auf der Bühne. "Wissen Sie was", sagt die Frau in der Schlange vorm Hot-Dog-Stand, "wissen Sie was? Gestern haben die mich entlassen, einfach entlassen." Und ihr Mann, na, der sei ja auch schon arbeitslos.

Verdammt. Was soll sie jetzt tun?

"23 Millionen!", schallt da die Stimme des Präsidentschaftskandidaten vom Video, das sie gerade jetzt auf der Großleinwand zeigen, über die Wiese rüber zur Wurstbraterei. 23 Millionen Amerikaner seien - mehr oder weniger - ohne Job, sagt Mitt Romney. "23 Millionen plus zwei", sagt die Frau. Tja. "Wo kommen Sie eigentlich her?" Deutschland. "Ach Gott", sagt die Frau, "Sozialismus". Das tue ihr nun aber doch leid.

Am Ende könnte Virginia entscheiden

Nein, aus der amerikanischen Misere soll allein der amerikanische Weg führen. Deshalb ist sie und deshalb sind Tausende andere heute hier, in der Abenddämmerung auf dieser Wiese in Leesburg, eine Autostunde von der Hauptstadt Washington entfernt: Gleich tritt Romney auf, die Leute reden über das verlorene TV-Duell vom Vorabend, nur 20 Tage noch sind es bis zur Wahl. Eine Wahl, die sich im Acht-Millionen-Einwohner-Staat Virginia entscheiden könnte.

Denn hier liefert sich Romney mit dem Präsidenten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wer ins Weiße Haus einzieht, das bestimmen am Ende möglicherweise ein paar tausend Wähler in Virginia. Neben den Swing States Ohio, Florida, Iowa ist der Südstaat ein Polit-Territorium, das Barack Obama und Mitt Romney jetzt Tag für Tag zu beackern suchen.

Sie versprechen alles, machen alles. Nur noch gut sechs Prozent der Wähler gelten als unentschlossen. In Iowa warnt Obama am Mittwoch wie schon im TV-Duell, ein Romney-Wahlsieg würde den Interessen der Frauen schaden. Diese wichtige Wählergruppe - bei der Obama stets einen Vorsprung hielt, Romney zuletzt aber aufholte - rückt zweieinhalb Wochen vor der Wahl in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung.

Romneys Endspurt ist besonders beeindruckend. Weil der Mann gleich in alle möglichen Richtungen spurtet - viel hilft viel: in die Mitte, in die Emotionen, in die gute alte Zeit. Dafür braucht der Kandidat in Virginia exakt 25 Minuten; die ein, zwei Späßchen schon mitgerechnet. Das muss jetzt alles zackzack gehen in Romneys Best-of-Wahlkampf.

Aber der Reihe nach.

  • Romneys Spurt zur Mitte: Der Kandidat ist am Tag danach noch nicht durch mit dem verlorenen TV-Duell gegen Obama. Der Präsident sei schließlich eine Menge Antworten schuldig geblieben: "Er hatte fürs erste Jahr seiner Amtszeit ein Immigrationsgesetz versprochen", ruft Romney, aber daraus sei nichts geworden. Der Kandidat der Republikaner hatte noch im Vorwahlkampf illegale Immigranten sogar per "Selbst-Abschiebung" außer Landes bringen wollen.

    Weiter geht's mit "Medicare", der staatlichen Krankenversicherung für die Alten. Die wolle Obama kürzen, warnt - nicht ganz der Wahrheit folgend - Romney. Hinzu kommt: Paul Ryan, sein Vize-Kandidat, hat selbst einen Plan mit massiven "Medicare"-Kürzungen vorgelegt. Und auch die weiblichen Wähler vergisst Romney nicht: Heute würden 3,6 Millionen Frauen mehr in Armut leben als zur Zeit der Amtsübernahme Obamas.
  • Romneys Spurt in die Emotionen: Um nicht mehr kühl, opportunistisch, abgehoben zu wirken, weiß der Kandidat nun Rührseliges zu berichten. Zum Beispiel die Sache mit der US-Fahne: Da übergaben einst die amerikanischen Pfadfinder der Raumfahrtbehörde Nasa ein Star Spangled Banner, damit diese es ins All und wieder zurück bringen möge: an Bord der "Challenger". Die verunglückte 1986, die Fahne aber blieb unversehrt. Romney hat sie später berührt: "Es elektrisierte mich", berichtet er jetzt. Die Menge schweigt. Doch dann fliegt ein Hubschrauber über den Stadtpark von Leesburg und Romney, der in der Sekunde zuvor noch gerührt über Flagge und "Challenger" gesprochen hat, will einen Witz machen: "Lächeln, Leute, ihr seid im Fernsehen!"
  • Romneys Spurt in die gute alte Zeit: "Ich will Amerika nicht verwandeln, ich will es wiederherstellen", sagt er mit Seitenhieb auf Obama. Alles soll wieder so werden, wie früher: billiges Benzin, gute Jobs, starkes Militär. Vor allem werde er Amerika nicht zu Europa machen, "zu einer auf die Regierung ausgerichteten Gesellschaft". Der Präsident Romney, verspricht der Kandidat Romney, werde die Amerikaner wieder zusammenbringen: "Republikaner, Demokraten, kommt zusammen!", ruft er.

Damit sind wir eigentlich durch, die Sonne ist längst untergegangen, ein Junge schlägt seine Schwester auf der Wiese mit einem aufblasbaren Romney-Lärmschläger nieder. Nur Romney will nicht aufhören. Der ist gar nicht mehr zu bremsen. Läuft die Bühne rauf und runter, winkt, sogar ein Bad in der Menge ist drin. Ungewöhnlich. Aber jetzt geht eben alles. Nur noch 20 Tage.

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1. die Amerikaner die ich aus Deutschland kenne
mhwse 18.10.2012
lieben unseren "Sozialismus". Aus Angst, dass andere folgen, muss die Story wohl zu Hause weiter belebt werden. Und ob reichste Menschen oder andere "amerikanische" Träume, die können wir ohne Weiteres bedienen. Dazu noch kein Speed Limit und eine der niedrigesten Arbeitslosenraten zu haben, was ist dagegen freier Waffenbesitz, wenn im gleichen Augenblick schon mit einem Bein im Knast steht.. Aber psst..im Sozialismus darf man nix sagen also...
2. Re: Romney, werde die Amerikaner wieder zusammenbringen
shine31 18.10.2012
---Zitat--- Der Präsident Romney, verspricht der Kandidat Romney, werde die Amerikaner wieder zusammenbringen: "Republikaner, Demokraten, kommt zusammen!", ruft er. ---Zitatende--- Das sagt gerade ein Republikaner. Die sind doch diejenigen, die die Spaltung Amerikas weitergeführt haben. Die sind doch diejenigen, die für die aktuelle wirtschaftliche Lage und Kriege verantwortlich sind. Die sind doch diejenigen, die im Kongress jede mögliche Zusammenarbeit verhindern. Die sind doch diejenigen, die jede Zusammenarbeit mit Obama ablehnen um nun jetzt vor den Wahlen sagen zu können, daß der Präsident nichts zustande gebracht hat.
3. Unwissenheit
themistervolt 18.10.2012
Deutschland = Sozialismus? Also da muss ich mir doch an den Kopf fassen!!! Es ist anscheinend noch nicht bei den Republikanern angekommen, daß die Mauer nicht mehr existiert (seit mehr als 20 Jahren!!!) und die DDR untergegangen ist. Danach herrscht in Deutschland die Ellbogengesellschaft mit Kapitalismus pur. Der Sozialstaat ist doch löchrig wie ein schweizer Käse. Deutschland = Sozialismus? Da muss ich wohl im falschen Land wohnen, liebe Republikaner...
4. Es ist einzig und allein Obamas Verantwortung!
b.oreilly 18.10.2012
Zitat von shine31Das sagt gerade ein Republikaner. Die sind doch diejenigen, die die Spaltung Amerikas weitergeführt haben. Die sind doch diejenigen, die für die aktuelle wirtschaftliche Lage und Kriege verantwortlich sind. Die sind doch diejenigen, die im Kongress jede mögliche Zusammenarbeit verhindern. Die sind doch diejenigen, die jede Zusammenarbeit mit Obama ablehnen um nun jetzt vor den Wahlen sagen zu können, daß der Präsident nichts zustande gebracht hat.
naja, der derzeitige Präsident, und damit Verantwortlicher, ist ein Demokrat! Und Fakt ist nun mal, dass die Nation in den letzten 4 Jahren unter Obama gespalten wurde, wie noch nie zuvor in der Geschichte des Landes. Der Mann hat nichts auf die Reihe bekommen in den letzten 4 Jahren! Aber hier im Sponforum sind G.W. Bush und sein Erbe oder wie sie hier behaupten die Republikaner Schuld an der Misere! :-(
5. Sozialismus
seppedoni 18.10.2012
Zitat von sysopBei den TV-Duellen steht es unentschieden, nun setzen die Präsidentschaftskandidaten alles auf die Wähler in den Swing States. In Virginia fegt Romney durch einen 25-Minuten-Auftritt: Eine Mischung aus Wahlprogramm, Rührseligem und Hommage an die gute alte Zeit. US-Wahlkampf: Romney spricht in Virginia - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-wahlkampf-romney-spricht-in-virginia-a-861947.html)
In Deutschland herrscht also Sozialismus und den ungehemmten Kapitalismus heilt man durch noch mehr Kapitalismus? Ich glaube, die Amerikaner haben noch bittere Lehren vor sich.
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  • Donnerstag, 18.10.2012 – 11:26 Uhr
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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