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US-Wahlkampf: Romney punktet im Duell mit Obama

Mitt Romney hat seine Chance genutzt. Im ersten TV-Duell des US-Wahlkampfs wirkte der Herausforderer lebendiger, angriffslustiger, argumentierte besser. Das Echo für Amtsinhaber Obama ist dagegen miserabel. Lesen Sie Streitpunkte, Highlights und Reaktionen im Minutenprotokoll der Debatte nach.

AFP

Denver/Hamburg - Mitt Romney hat sich besser geschlagen als erwartet: In der ersten Fernsehdebatte mit Barack Obama hat er den amerikanischen Präsidenten und dessen Politik der letzten vier Jahre scharf attackiert.

Das Rededuell in Denver stand ganz im Zeichen der Innenpolitik. 90 Minuten lang stritten die Kontrahenten über Steuer- und Sozialpläne, das Staatsdefizit, den Haushalt, die Gesundheitsreform.

Die amerikanischen Kommentatoren waren sich einig, dass Romney besser war. Der Republikaner, dessen Wahlkampf bislang von Pannen geprägt war und der oft hölzern wirkt, zeigte sich diesmal angriffslustig und leidenschaftlich. Präsident Obama dagegen blieb größtenteils in der Defensive, dabei hätte er viele Behauptungen Romneys attackieren können, denn der Herausforderer blieb gerade bei seinen Steuerplänen vage.

Der Präsident hatte sich in den entscheidenden "battleground states", die über den Ausgang der Wahl entscheiden, zuletzt einen Vorsprung herausgearbeitet. Doch in der ersten von drei TV-Debatten konnte er seinen Favoritenstatus nicht bestätigen. Obama wirkte angespannt und leidenschaftslos.

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TV-Duell in Denver: Leidenschaftlicher Romney, kühler Obama
In einer Blitzumfrage des US-Senders CNN unmittelbar nach dem Duell sahen zwei Drittel der Befragen Romney als Gewinner der Debatte. 67 Prozent votierten für den Republikaner, 25 Prozent für Obama.

Lesen Sie den Schlagabtausch zwischen Romney und Obama im Minutenprotokoll nach:

+++ Beobachter sehen schwachen Obama +++

[4.40 Uhr] Sofort nach der Debatte ziehen die amerikanischen Kommentatoren Bilanz: Romney war besser, heißt es. In der Tat: Der Republikaner war angriffslustig, argumentierte flüssiger und nagelte Obama fest: Wo bleiben die Jobs für Amerikas Mittelklasse? Es kommt dicke für Obama: "Er wirkte lustlos, als wolle er eigentlich lieber woanders sein", bilanziert Candy Crowley von CNN - sie wird übrigens das nächste TV-Duell zwischen Romney und Obama moderieren.

+++ Kämpferische Schlussworte +++

[4.31 Uhr] Das letzte Thema wird etwas eingedampft, die Zeit ist knapp. Obama betont in seiner Schlussbemerkung: "Alles, was ich bislang getan habe und künftig tun will, soll sicherstellen, dass Amerikaner Erfolg haben können." Er habe vor vier Jahren versprochen, er werde jeden Tag für die Mittelklasse kämpfen. "Das Versprechen habe ich gehalten." Romney tupft sich vor seinem Schlusswort noch mal den Schweiß von der Oberlippe, sagt dann: "Ich sorge mich um Amerika." Bei der Wahl gehe es nicht um zwei Personen, sondern um den künftigen Kurs Amerikas. Er entwirft ein düsteres Bild von Amerika, für den Fall, dass Obama wiedergewählt werde: Preise, Steuern und Arbeitslosenzahlen würden steigen.

+++ Es wird ideologisch +++

[4.22 Uhr] Vorletztes Thema der Debatte: die Rolle der Regierung, ein hochideologisches Thema in den USA. Obama verteidigt die aktive Rolle der Regierung in der Gesellschaft. "Anders als Gouverneur Romney glaube ich, wir brauchen mehr Lehrer." Romney weist das unmittelbar zurück. Jeder Bezirk, jeder Staat solle selbst über Lehrer entscheiden. Die Regierung solle Bürgern, die selbst über ihr Leben bestimmen wollten, nicht im Weg stehen.

+++ Romney konzentriert, Obama bissig +++

[4.14 Uhr] Romney schlägt sich gut. Er greift Obama immer wieder wegen dessen Regierungsbilanz an. Und: immer noch kein Patzer. Der Präsident ist sichtbar angespannt und manchmal bissig. Einmal grantelt er Moderator Lehrer an: "Ich hatte noch fünf Sekunden, bevor Sie mich unterbrachen." Dann lacht er.

+++ Obamacare und Romneycare +++

[4.05 Uhr] Obama verteidigt sein Prestigeprojekt wenig leidenschaftlich, sagt dann aber genüsslich: Das Modell funktioniert doch gut, das habe man doch in Massachusetts gesehen. Tatsächlich führte Romney dort als Gouverneur ein ganz ähnliches Programm ein, worüber dieser heute nicht mehr so gerne redet. Jetzt sagt der Republikaner: Anders als Obama habe er mit den politischen Gegnern zusammengearbeitet, deshalb sei sein Programm besser gewesen.

+++ Reizthema "Obamacare" +++

[3.58 Uhr] Moderator Lehrer fragt Romney: Warum wollen Sie die Krankenversicherung zurückdrehen? Obamas Programm sei zu teuer, darunter litten Familien. "Obamacare hat Jobs gekostet", wirft er dem Präsidenten vor. Der habe sich zu viel um sein Lieblingsprojekt statt um die Wirtschaft gekümmert.

+++ Minutenlanger Streit über das Sozialsystem +++

[3.50 Uhr] Obama betont, dass er und Romney beim Thema soziale Sicherung nicht so weit auseinanderliegen. Doch dann streiten sie minutenlang über Medicare, die Krankenversicherung für Alte. Die Kosten senken wollen beide. Romney will das System dem Wettbewerb öffnen. Obama sagt: So überlasse man Rentner dem Gutdünken privater Versicherungskonzerne.

+++ Zwischenstand: unentschieden +++

[3.38 Uhr] Die erste halbe Stunde ist um: Keiner der Kontrahenten hat sich bislang einen Ausrutscher geleistet. Romney liegt der direkte Schlagabtausch, er kann durchaus punkten, versucht harte Attacken gegen Obama mit einem Lächeln zu servieren, nicht zu verbissen zu wirken. Immer wieder greift er Obama beim Thema Jobs und Wirtschaft an. Obama bislang: sehr ernst und ruhig. Er streut häufig Geschichten von "normalen Amerikanern" ein, versucht Romney als abgehobenen Millionär darzustellen.

+++ Die Schuldenfrage +++

[3.30 Uhr] Jetzt geht es um die Staatsschulden. "Es ist nicht moralisch, mehr auszugeben als einzunehmen", sagt Romney. Er werde Programme wie Obamacare streichen, auch Subventionen für den öffentlichen Sender PBS, bei dem Moderator Lehrer arbeitet. Obama habe die Neuverschuldung verdoppelt. Obama weist wie so oft auf die dramatische Lage hin, in der er Präsident wurde - mitten in der Wirtschafts- und Finanzkrise - und gibt der Bush-Regierung Schuld an der massiven Verschuldung.

+++ Was ist ein "small business?" +++

[3.24 Uhr] Romney betont, er wolle Steuern für Mittelständler, "small businesses", senken. Obama entgegnet, bei Romney seien auch Millionäre small businesses. "Bei Romney ist auch Donald Trump ein Kleinunternehmer."

+++ Romneys Steuerpläne sorgen für Streit +++

[3.19 Uhr] Obama kontert und zerlegt Romneys Plan für Steuererleichterungen "in der Höhe von fünf Billionen Dollar". Der belaste vor allem die Mittelschicht. So werde die Wirtschaft nicht wachsen, sagt Obama. Romney kontert: "Das stimmt nicht, ich will keine Fünf-Billionen-Dollar-Steuersenkung".

+++ Romney greift an +++

[3.14 Uhr] Romney wirft Obama vor, dass Benzinpreise und Essenspreise gestiegen sind, wirft ihm Versagen in der Energiepolitik vor. "Ich mag Kohle", sagt der Republikaner. Er werde Amerika energieautark machen. Man müsse die Mittelklasse entlasten.

+++ Erster Lacher für Romney +++

[3.07 Uhr] Romney sagt: "Mr. President, ich bin sicher, Sie könnten an Ihrem Hochzeitstag an keinem romantischeren Ort sein als hier - mit mir."

+++ Viele Jobs und ein Hochzeitstag +++

[3.05 Uhr] Bei der ersten Frage geht es um die Schaffung von Arbeitsplätzen. Jeder hat zwei Minuten zum Antworten. Barack Obama beginnt - spricht erst mal über seinen Hochzeitstag, heute vor 20 Jahren hat er Michelle geheiratet.

+++ Jetzt geht's los +++

[3.03 Uhr] Moderator Jim Lehrer begrüßt die Zuschauer und die beiden Kandidaten. Langes Händeschütteln zwischen Obama und Romney. Es geht los.

+++ Romney muss angreifen +++

[2.57 Uhr] Die Ausgangslage: Romney muss angreifen, darf aber nicht zu aggressiv werden. Obama darf nicht zu abgehoben rüberkommen - und muss Patzer vermeiden. Bislang läuft das Rennen ums Weiße Haus zu seinen Gunsten.

+++ Obama beginnt +++

[2.51 Uhr] Ein Münzwurf im Vorfeld hat entschieden: Obama hat das erste Wort, Romney das letzte.

+++ Kurzer Kuss der First Ladys +++

[2.48 Uhr] Auftritt der Frist Ladys: Michelle Obama und Ann Romney betreten den Saal in Denver, küssen sich einmal auf die Wangen. Frau Romney trägt Weiß, Michelle Obama trägt Blau, die Farbe der Demokraten.

+++ Herzlich Willkommen! +++

[2.45 Uhr] 20.45 Uhr in Denver, 2.45 Uhr in Hamburg: Herzlich Willkommen zu unserem Liveticker! In einer Viertelstunde geht es auf der Bühne in der University of Denver los. Im ersten von drei Fernsehduellen zwischen Barack Obama und Mitt Romney geht es um die Innenpolitik. Es wird in sechs Abschnitten zu je 15 Minuten diskutiert - zuerst wird es in drei Blöcken um die Wirtschaft gehen. Dann um die umstrittene Gesundheitspolitik, schließlich um die Rolle der Regierung.

fab

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1.
larryaround 04.10.2012
eins muss man Romney lassen, bis jetzt liefert er eine Hammer gute show ab. Allerdings ist er auch in einer "einfacheren" Position weil er Versprechungen machen kann die Obama nicht machen kann. Ach ja und an das liebe Spiegel Team, ihr seid grade ganz schoen verzögert ;)
2. wieso ?
roland.vanhelven 04.10.2012
ist doch voellig egal, was diese beiden herren dort sagen oder wer gewinnt. beide werden von den selben banken und konzernen bezahlt, und beide werden mehr steuern, mehr GMO, mehr eugenik, mehr kriege, mehr ueberwachung, weniger freiheiten, weniger arbeitsplatze und mehr geld fuer die privaten banken...
3. Zeitunterschied
hans1314 04.10.2012
Nur so als Anmerkung: "20.45 Uhr in Denver, 2.45 Uhr in Hamburg": Der Zeitunterschied zwischen Denver und Hamburg beträgt, mehr oder weniger bekanntermaßen, 8 Stunden. Bin zur Zeit in der Nähe von Denver und es ist momentan 19.30 Uhr und das TV-Duell hat um 18.45 Uhr Ortszeit bekonnen....
4. Liberterian
Freiheit 04.10.2012
Zitat von sysopAFPUm 3.00 Uhr geht es los: Im Rennen ums Weiße Haus treffen Barack Obama und Mitt Romney in ihrer ersten Fernsehdebatte aufeinander. Verfolgen Sie das Duell im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-wahlkampf-tv-duell-obama-gegen-romney-a-859370.html
Ich schaus mir grad an und Romney macht den besseren job im Diskutieren. Aber am ende vom tag wollen beide das gleiche. Mehr staat und weniger selbsverantwortung. Und das kann es nicht sein. Romney sagte es gibt 3 wege wie man seine schulden abbezahlt. Als erstes 16 trillionen KANN man nicht zurueck zahlen. Das sind schulden die Menschen zurueck zahlen oder darunter leiden muessen die noch gar nicht am lebem sind...
5.
mayflowercloud 04.10.2012
Zitat von sysopAFPUm 3.00 Uhr geht es los: Im Rennen ums Weiße Haus treffen Barack Obama und Mitt Romney in ihrer ersten Fernsehdebatte aufeinander. Verfolgen Sie das Duell im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-wahlkampf-tv-duell-obama-gegen-romney-a-859370.html
Ich sehe immer noch nicht wo Romney gegenüber Obama überzeugt, und es liegt nicht daran, dass ich blind wäre. Romney redet zwar dem Wähler mehr nach dem Mund, aber das wirkt alles irgendwie aufgesetzt. Obama hat natürlich auch seine Strategien gegenüber dem Wähler, aber wirkt ehrlicher und weniger künstlich als Romney.
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US-Präsidentschaftsdebatten: Nixons Bart, Reagans Witze

Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahlkampf: Romneys Patzer-Serie
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Barack Obama: Vom Außenseiter zum Präsidenten

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Mitt Romney: Auf den Spuren des Vaters
US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.
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