US-Präsidentschaftskandidat Romney Ein Mann will nach unten

Noch sieben Wochen bis zur Wahl, der Wahlkampf in den USA steht an einem Wendepunkt. Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney lag gleichauf, doch nun leistet er sich einen Patzer nach dem anderen - seine Aussichten auf einen Wahlsieg schwinden.

Präsidentschaftskandidat Romney bleibt nur die Hoffnung auf ein politisches Wunder
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Präsidentschaftskandidat Romney bleibt nur die Hoffnung auf ein politisches Wunder

Ein Kommentar von , Washington


Mitt Romney wird es schwer haben, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. In den verbleibenden sieben Wochen bis zur Wahl im November kann es dem 65-Jährigen kaum mehr gelingen, noch entscheidende Punkte gegen US-Präsident Barack Obama zu machen. Das Spiel ist so gut wie gelaufen.

Zugestanden, im Oktober stehen noch drei TV-Debatten an. Und ja doch, Romney hat eine gutgefüllte Kriegskasse, er wird noch viele Millionen Dollar in Anzeigen investieren. Alles wahr, doch man sollte sich nicht täuschen lassen: Der Kandidat Romney hat sein Pulver längst verschossen. Und das liegt so ganz und gar nicht an Amtsinhaber Obama, der schwächelt ja selbst.

Nein, das liegt allein an Mitt Romney. Der Kandidat hat sich selbst aus dem Spiel genommen, durch seine schlechte Performance.

Der eigenen Basis bleibt Romney fremd

Nichts enthüllt das mehr als Romneys Reaktion auf die Erstürmung von US-Vertretungen in arabischen Staaten. Noch bevor er sich ein Bild von der Lage machen konnte, hat er der Regierung Obama Sympathie für die radikalislamistischen Angreifer unterstellt. Und anstatt sich rasch zu korrigieren, legt Romney nach, wirft Obama Schwäche vor. Seine Berater streuen, all das wäre nicht passiert, wenn ihr Mann schon Präsident wäre.

Das war unwürdig und peinlich. Es war eine Verzweiflungstat. Nur noch Donald Trump, Newt Gingrich und ein paar andere aus dieser Kategorie finden Romneys Einlassungen wirklich gut. Viele in der Partei schütteln den Kopf. In solchen schwierigen Augenblicken erwarten Amerikaner - Republikaner wie Demokraten -, dass die Nation zusammensteht. Romney hat diesen traditionsreichen Konsens verletzt.

In den meisten landesweiten Umfragen liegt mittlerweile Obama vorn, genau wie in fast allen Swing States: in Florida, Virginia, Ohio, in Wisconsin, Colorado, in New Hampshire, Nevada und Pennsylvania.

Romney hatte wohl gedacht, in Sachen Ägypten und Libyen endlich mal Profil zeigen zu können. Endlich mal für etwas zu stehen. Über Monate hinweg konnte er ja keine Antwort geben auf die Frage, was er denn außenpolitisch konkret anders machen würde. Heraus kam stets banales Gerede: Europa hält er für sozialistisch, Russland für den geopolitischen Feind Nummer eins, China droht er mit Handelskrieg.

Ein Mann ohne Eigenschaften

Und innenpolitisch? Da verspricht er alles auf einmal: Schulden reduzieren, massiv Steuern senken, mehr Geld fürs Militär. In der jüngsten Erhebung der "Washington Post" sagen 47 Prozent der Befragten, Obama trauten sie in wirtschaftlichen Dingen mehr zu. Romney kommt auf 45 Prozent - und das bei einem Amtsinhaber, der mit einer historisch hohen Arbeitslosenquote zu ringen hat. Bei Frauen hat Romney politisch sowieso ein Problem, ebenso bei den vielerorts wahlentscheidenden Latinos.

Komisch, der Geschäftsmann Romney betreibt schon seit 2007 Wahlkampf in eigener Sache. Doch in diesen sechs Jahren hat er noch immer kein schlüssiges Argument für sich finden können. Der eigenen Basis bleibt er fremd. Warum sollte ihn dann eine Mehrheit der Amerikaner wählen? Romney suchte stets seinen Erfolg, indem er sich an anderen ausrichtete. Was denken die Leute? Das war eine seiner ersten Fragen, als er Anfang der neunziger Jahre die politische Bühne betrat, um US-Senator zu werden.

Nicht: Was denke ich?

Er ist ein Mann ohne Eigenschaften geblieben. Wollen die Amerikaner einen Präsidenten ohne Eigenschaften? Die Leute sind schwer enttäuscht von Obama, das ist offensichtlich. Viele haben einen Messias gewählt und einen nicht fehlerlosen Präsidenten bekommen. Bei Romney hingegen stellt sich die Frage: Kann der überhaupt Präsident?

Amerika ist eine stolze Nation. Romney hat Obama nach den Anschlägen auf die US-Vertretungen vorgeworfen, er entschuldige sich in aller Welt für sein Land. In Wahrheit haben es die Amerikaner satt, sich auf der Welt für peinliche Präsidenten zu entschuldigen. George W. Bush lässt grüßen. Romney bleibt nur die Hoffnung auf ein politisches Wunder.

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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
joe49 15.09.2012
1. was wohl bedeutet,
dass die Vernunft gegen Hass und Propaganda siegt. Newt Gingrich hat auf die Frage eines Journalisten ob Romney ein Luegner ist, nach kurzem Zoegern die Frage mit JA beantwortet. Wenn dies auch aus dem Zusammenhang gerissen ist aber die als Romneycare in Massachussetts eingefuehrte Gesundheitsreform dem Rest des Landes zu verweigern nur weil sie vom politischen Gegner umgesetzt wurde zeigt welchen Character Romney hat. Die USA und die Welt moegen von Romney verschont bleiben.
b.oreilly 15.09.2012
2. Abwarten!
naja, die Messe ist noch nicht gesungen. Bei Gallup liegt Romney zwar hinten, aber Obama verlor einen Punkt. Election 2012 Polling and News, Republican Presidential Candidates, Obama, Interactive Polling Data (http://www.gallup.com/poll/election.aspx) Der Schlüssel liebt in der Wirtschaftspolitik und der weiteren Entwicklung der Arbeitsmarktzahlen. Gerade da ist bis zu den Wahlen mit keinen positiven Nachrichten zurechnen.
el-gato-lopez 15.09.2012
3. Gleichauf?
Zitat von sysopAFPNoch sieben Wochen bis zur Wahl, der Wahlkampf in den USA steht an einem Wendepunkt. Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney lag gleichauf, doch nun leistet er sich einen Patzer nach dem anderen - seine Aussichten auf einen Wahlsieg schwinden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855870,00.html
Das vermeintliche Kopf-an-Kopf Rennen ist ein Märchen, dass man sich vor allem in europäischen Medien erzählt, die recht wenig Ahnung vom US-Wahlsystem haben und dafür umso mit den Prozentzahlen der Opinion Polls hausieren. Obama vereint weit mehr Elektorenstimmen (electoral votes) auf sich als Romney, da die meisten der bevölkerungsreichen Staaten (mit Ausnahme von z.B. Texas) demokratisch wählen werden und somit die Elektorenstimmen bei der "Endabrechnung" ihm zufallen.
Walther Kempinski 15.09.2012
4. Zuerst Holland und nun die USA
Das extreme Spektrum hat in Holland verloren, nun sind wohl die USA dran. Auf lange Sicht siegt dann doch die Vernunft. Das Stimmvieh ist wohl nicht ganz so dumm wie man meinen mag. Allerdings ist und bleibt der Wutbürger (siehe Stuttgart21) gefährlich. Der Sieg der Unwissenheit und des ewigen Zweifels am Stammtisch, gepaart mit Verschwörungstheorien muß im Auge behalten werden.
Stelzi 15.09.2012
5. Die GOPler Traumwelt
Ja, ihr GOPler lebt wahrhaftig in einer Traumwelt. Glücklich darf sich die US schätzen, dass ihr Wahlkampf zwar immer einem abstrusen Zirkus entspricht, aber die Mehrheit nach 8 Jahren Bush fürs erste nicht mehr so leicht auf Taugenichts herein fällt. Deshalb hatte Romney auch nie eine echte Chance - ausser in der GOP-Parallelwelt...
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