US-Wahlstart Obama erobert Republikaner-Hochburgen in New Hampshire

Barack Obama überzeugt selbst eingeschworene Gemeinden: Seit Jahrzehnten gehen die Menschen in den Dörfern Dixville Notch und Hart's Location als erste an die Urnen - und wählen traditionell republikanisch. Dieses Mal ist alles anders.


Dixville Notch/USA - Fulminanter Frühstart für den Hoffnungsträger der Demokraten: Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat die ersten Republikaner-Hochburgen bereits geknackt. Mit Öffnung der Wahllokale in den Dörfern Dixville Notch und Hart's Location im Bundesstaat New Hampshire haben am Dienstag um Mitternacht (6 Uhr MEZ) die Präsidentschaftswahlen begonnen - Obama konnte sich hier klar gegen seinen Konkurrenten John McCain behaupten.

Wähler in Dixville Notch: 15 zu 6 für Barack Obama
AP

Wähler in Dixville Notch: 15 zu 6 für Barack Obama

Zusammen haben die Mini-Gemeinden zwar gerade einmal 115 Einwohner - doch wer hier als Demokrat eine Wahl gewinnt, muss mächtig Überzeugungsarbeit geleistet haben. Bislang hatten in Dixville Notch und Hart's Location meist die republikanischen Kandidaten die Nase vorn - in Dixville Notch sogar seit 40 Jahren ununterbrochen. Bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen 2000 und 2004 hatte der Republikaner George W. Bush in beiden Dörfern seine demokratischen Rivalen geschlagen.

Doch diesmal ist alles anders: 15 Wähler stimmten in Dixville Notch für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama, 47. Auf seinen 72-jährigen Rivalen John McCain entfielen nur sechs Stimmen. Auch in Hart's Location gewann Obama: 17 Wähler stimmten für ihn, zehn für McCain.

Traditionell gehen die Wahlberechtigten in den beiden Ortschaften bereits in den ersten Minuten des Wahltages an die Urnen. Die Möglichkeit dazu gibt ihnen das Wahlgesetz des Staates New Hampshire. Dieses sieht zwar vor, dass die Wahllokale um elf Uhr Ortszeit (17 Uhr MEZ) öffnen. Aber einzelnen Gemeinden ist es freigestellt, schon vor dem offiziellen Wahlstart zu beginnen.

Die Tradition der Frühwahl geht bis ins Jahr 1948 zurück: Damals begann Hart's Location, die Wahl in der Nacht abzuhalten, um Eisenbahnarbeitern die Abstimmung zu ermöglichen. Nach einer Pause hält die Gemeinde seit mehr als zehn Jahren wieder an dem vorgezogenen Wahlstart fest.

Dixville Notch schloss sich 1960 an, als John F. Kennedy gegen Richard Nixon antrat. In der Ortschaft verbuchte der Republikaner Nixon damals alle neun Stimmen, den landesweiten Sieg fuhr aber Kennedy ein. 1968 hatte sich die Stimmung gewendet: Nixon bekam noch vier Stimmen in der Gemeinde, acht sein demokratischer Gegner Hubert Humphrey - und das war bis Dienstag auch das einzige Mal, dass Dixville Notch demokratisch stimmte.

Erster Wähler in Dixville Notch war Tanner Nelson Tillotson. Das Privileg wurde ihm per Los zugeteilt. Länger Anstehen mussten die übrigen Wähler aber auch nicht: Für jeden gab es eine Kabine im eigens dafür hergerichteten Hotelsaal.

Voll in Schwung kommt die Präsidentenkür um 12 Uhr MEZ mit der Öffnung der Wahllokale in mehreren Bundesstaaten an der Ostküste. Als erstes endet die Stimmabgabe dann um Mitternacht MEZ im Bundesstaat Indiana und einem Teil Kentuckys, wo Ostküsten-Zeit gilt.

Am Montag hatten der 47-jährige Obama und sein republikanischer Rivale John McCain noch ein Marathon-Programm in mehreren umkämpften Bundesstaaten absolviert. Nach jüngsten Umfragen führte Obama klar vor dem 72-jährigen McCain und hat damit gute Aussichten, als erster schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten zu werden.

amz/AP/dpa



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