Bei Obamacare-Abschaffung 14 Millionen US-Bürgern droht Verlust der Krankenversicherung

Die geplante Gesundheitsreform der Republikaner würde schon 2018 rund 14 Millionen US-Bürgern die Krankenversicherung kosten. Zu diesem Ergebnis kommt das unabhängige Budgetbüro des Kongresses.

Protest gegen Obamacare-Abschaffung
DPA

Protest gegen Obamacare-Abschaffung


Es ist eines von Donald Trumps zentralen Wahlkampfversprechen: die Rücknahme von Barack Obamas Gesundheitsreform. Vergangene Woche stellten seine Republikaner den ersten Entwurf für den Obamacare-Ersatz vor. Doch die Gesundheitspläne könnten nach Ansicht von Experten dramatische Folgen haben, im kommenden Jahr werden demnach 14 Millionen Menschen weniger krankenversichert sein als derzeit.

Das geht aus einem Bericht hervor, den das unabhängige Budgetbüro des Kongresses (CBO) veröffentlichte. Bis 2026 könnten sogar rund 24 Millionen Menschen weniger versichert sein als unter dem derzeitigen System. Im Jahr 2026 wären ohne Obamacare dann insgesamt 52 Millionen Bürger unversichert, mit Obamacare läge ihre Zahl bei 28 Millionen. Gesundheitsminister Tom Price widersprach der Einschätzung vehement. Der Bericht ignoriere, dass es mit dem System der Republikaner größere Auswahlmöglichkeiten gebe.

Auf den Staatshaushalt hätte die von den Republikanern geplante Reform positive Auswirkungen, errechnete das CBO. Das Budgetdefizit würde bei Verabschiedung der republikanischen Reform in den kommenden zehn Jahren zusammengerechnet um rund 337 Milliarden Dollar (umgerechnet 316 Milliarden Euro) niedriger ausfallen als ohne Rücknahme von Obamacare.

Republikaner wollen Versicherungspflicht abschaffen

Die Mehrheitsfraktion der Republikaner im Repräsentantenhaus hatte in der vergangenen Woche einen Entwurf für eine Reform der Reform vorgelegt, die einst Präsident Barack Obama zu seinem Markenzeichen gemacht hatte und die landläufig Obamacare genannt wird.

Millionen Amerikaner sind auf diese Gesundheitsversorgung angewiesen. Vor der Einführung gab es keine flächendeckende Vorsorge. Vor allem Geringverdienende, die mit der Variante Medicaid eine Art Grundversorgung erhalten, profitieren derzeit von der Politik. Viele Menschen halten die Beiträge allerdings für zu hoch.

Der Entwurf der Republikaner sieht vor, wesentliche Teile der Obamacare-Reform abzuschaffen. Dazu soll auch die Versicherungspflicht gehören. An die Stelle des bisherigen Systems mit staatlichen Zuschüssen soll eine freiwillige Krankenversicherung treten, die mit altersabhängigen Steuernachlässen zwischen 2000 und 4000 Dollar begünstigt werden soll. Bleiben soll die Verpflichtung für Versicherer, Menschen unabhängig von ihren Vorerkrankungen aufzunehmen.

Trump unterstützt die Pläne, die umstritten sind. Auch aus den Reihen der Konservativen kommt Kritik. Im Repräsentantenhaus meldeten sich in der vergangenen Woche zahlreiche republikanische Abgeordnete zu Wort, denen die vorgeschlagenen Veränderungen nicht weit genug gehen.

max/dpa/AFP

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gandhiforever 14.03.2017
1.
Versicherung ist den Republikanern eine sozialistische Erfindung, Eigenverantwortung ist, was sie lieben. Ein reicher oder superreicher Mitbuerger hat natuerlich kein Problem, die ungeheuer hohen Gesundheitskosten zu tragen. Weil CBO offenlegt, was fuer Trumpcare fuer die Normalbuerger bedeutet, ihn kostet, wird auch diese Behoerde von den Republikanern der Parteilichkeit beschuldigt, was nattuerlich barer Unsinn ist, denn CBO ist bipartisan. Laut GOP-Ryan muss der 'verantwortungsvolle' Buerger nun halt eine Entscheidung treffen. Wenn ihm eine Krankenversicherung wichtig ist, dann muss jemand, der $ 25000/p.a. verdient etwa $ 8000 davon fuer die KV ausgeben. Ein anderer, asozialer Republikaner meinte, mancher Buerger sollte sich halt ueberlegen, was ihm wichtiger sei, ein enues Telefon oder eine KV. Die Republikaner vergessen natuerlich nicht, wem sie dankbar zu sein haben. Trumpcare bringt den Buergern, bei denen die GOP sich grosser Sympathien zu erfreuen glaubt, Steuergeschenke, die nicht zu klein ausfallen. Im Senat wird Trumpcare durchfallen. durchfallen, weil die Demokraten nicht mitmachen, aber auch, weil einigen "Konservativen" Trumpcare nicht weit genug von Obamacare abrueckt.
agent-mo 14.03.2017
2. ....dann ist doch alles wieder gut!
Obamacare war eines der umstrittensten Projekte des B. Obama. Es gab damals einen enormen Aufschrei der führenden Gesundheits-Elite des Landes und in der Öffentlichkeit wurden diese Pläne regelrecht in der Luft zerrissen. Auch in den hiesigen Medien wurde Unverständnis für dieses Projekt kommuniziert. Letztlich musste Obama per Direktive das Vorhaben durchsetzen und konnte wenigstens das viel beschriebene Obamacare-Light aufsetzen. Jetzt verlangt der drohende Verlust natürlich wieder einen medialen Aufschrei - nur stellt man sich eben diesmal auf die andere Seite der Betrachtung. Plötzlich war man ja schon immer DER Supporter und hat sich geradezu aufopfernd um Aufklärung bemüht und weil da jetzt so'n blonder Medien-Basher den Ton angibt, ist die Medienhaltung ja wohl selbstrendend - ganz egal worum es geht - "anti-sein" ist eben Trump(f). Wie der Wind halt grad steht - so die Headline und die Meinungsmanipulation..... Na dann: BLESS YOU!
dbrown 14.03.2017
3. So ist es halt,
wenn eine Clique reicher alter Männer über das Wohl ihrer Wähler entscheidet. Das wird da drüben so in die Hose gehen!
nano-thermit 14.03.2017
4. Weniger krieg?
Weniger krieg und mehr Geld in Bildung und Gesundheit? Keine Option, ich weiss
der_nachtarbeiter 14.03.2017
5. Das reichste Land der Erde...
...und dann sind ca. 30 Mrd. Im Jahr zu viel-besser die Steuern noch etwas senken! Unglaublich.
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