Washington - 20 Kinder und acht Erwachsene starben beim Amoklauf in der Sandy-Hook-Grundschule in der US-Stadt Newtown. US-Präsident Barack Obama versprach dem schockierten Land, Maßnahmen zu ergreifen, um ähnliche Tragödien künftig zu verhindern. Doch genau diese Maßnahmen haben jetzt offenbar den gegenteiligen Effekt: Die Amerikaner sind in einen wahren Waffen-Kaufrausch verfallen.
Offensichtlich aus Sorge, dass es bald schärfere Gesetze geben könnte, stürmen die Kunden die Waffenläden. In manchen Läden stünden die Menschen Schlange, um sich rasch mit einer Schusswaffe einzudecken, berichtete die "New York Times" am Samstag. Leere Vitrinen und Regale gehörten in Waffengeschäften in vielen Bundesstaaten zum gewohnten Bild.
Heiß begehrt seien insbesondere Magazine mit großer Kapazität - sie stehen ganz oben auf der Liste der Dinge, die Obama verbieten lassen will. Die "New York Times" zitierte einen Händler im Bundesstaat Iowa mit der Aussage, dass 30-Schuss-Magazine - sie werden üblicherweise für Sturmgewehre benutzt - inzwischen fünfmal höhere Preise erzielen als noch vor wenigen Wochen.
Auch halbautomatische Gewehre wie das Armalite AR-15 - mit dem der Amokläufer von Newtown die weitaus meisten Opfer tötete - finden demnach reißenden Absatz. "Hätte ich 1000 AR-15, könnte ich sie innerhalb einer Woche verkaufen", sagte ein Waffenhändler in Des Moines (US-Bundesstaat Iowa) der Zeitung. "Wenn ich den Laden schließe, hämmern die Leute ans Schaufenster und wollen hereingelassen werden. Sie winken mit Geldscheinen."
Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Vizepräsident Joe Biden wird voraussichtlich am Dienstag Vorschläge für künftige Beschränkungen bei Waffenkäufen vorlegen. Zu den möglichen geplanten Maßnahmen zählen unter anderem ein Verkaufsverbot für halbautomatische Waffen und besonders große Magazine sowie gründlichere Personenüberprüfungen bei Waffenkäufen. Allerdings ist fraglich, ob deutliche Verschärfungen im Kongress durchzusetzen sind. Die Waffenlobby-Organisation NRA lehnt Restriktionen entschieden ab. Ihr Einfluss auch in Washington ist groß.
Einen starken Anstieg von Waffenverkäufen verzeichneten die US-Behörden bereits im Dezember. Die Zahl der Zulassungsprüfungen, die vor dem Kauf einer Schusswaffe vorgeschrieben sind, ist im Dezember nach Angaben des FBI auf den Rekordwert von 2,8 Millionen gestiegen. Dies sei ein Anstieg von 49 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Nachfrage war auch schon vor dem Amoklauf von Newtown groß, 2012 war insgesamt ein Rekordjahr: 19,6 Millionen Prüfungen wurden durchgeführt - eine Zunahme von 19 Prozent im Vergleich zu 2011.
mbe/dpa
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