Festnahme US-Amerikaner wollte nach Nordkorea schwimmen

Er wollte sich mit Diktator Kim Jong Un treffen: Südkoreanische Soldaten haben einen US-Bürger festgenommen, der versucht hat, über einen Grenzfluss nach Nordkorea zu schwimmen. Damit bewahrte die Armee den Mann vor Schlimmerem.

Grenzfluss zwischen Nord- und Südkorea: Soldaten retten erschöpften Schwimmer
DPA

Grenzfluss zwischen Nord- und Südkorea: Soldaten retten erschöpften Schwimmer


Seoul - Tausende Nordkoreaner fliehen jedes Jahr aus ihrer Heimat, ein US-Amerikaner wollte den entgegengesetzten Weg nehmen: Der Mann, der um die 30 Jahre alt sein soll, ist am Dienstag bei dem Versuch gescheitert, durch einen Fluss von Süd- nach Nordkorea zu schwimmen.

Südkoreanische Soldaten nahmen den Amerikaner in einem militärischen Sperrgebiet am Ufer des Han-Flusses fest, der durch die demilitarisierte Zone entlang der Grenze führt und auf nordkoreanischer Seite in den Imjin-Fluss mündet. Der Mann sei völlig erschöpft gewesen, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Regierungsbeamte in Seoul.

Der Amerikaner habe nach seiner Festnahme ausgesagt, dass er Nordkoreas Diktator Kim Jong Un treffen wollte. Nach Angaben aus Südkoreas Verteidigungsministeriums dauert die Vernehmung an.

1996 schwamm ein betrunkener Amerikaner nach Nordkorea

Die Grenze zwischen beiden koreanischen Staaten, die sich offiziell seit mehr als sechs Jahrzehnten im Kriegszustand befinden, ist eine der am besten gesicherten weltweit. Vor einem Jahr töteten südkoreanische Soldaten einen Landsmann, der ebenfalls über einen Grenzfluss nach Nordkorea schwimmen wollte.

1996 gelangte der US-Bürger Evan C. Hunziker auf mysteriöse Weise in die Kim-Diktatur. Er schwamm durch den Yalu-Fluss, der die Grenze zwischen China und Nordkorea markierte. Offenbar war der Mann damals betrunken und die Aktion eine Mutprobe.

Der damals 26-Jährige wurde der Spionage beschuldigt und vom Regime in Pjöngjang drei Monate festgehalten. Ein US-Sondergesandter sorgte für die Freilassung des jungen Mannes. Hunziker kam glimpflich davon: Er musste lediglich 5000 US-Dollar an das Hotel in Nordkorea zahlen, in dem er festgehalten worden war.

Derzeit hält das Kim-Regime drei US-Bürger fest. Erst am Sonntag verurteilte ein Gericht in Pjöngjang den 24 -jährigen Matthew Miller zu sechs Jahren Lagerhaft, weil er "feindselige Akte" begangen haben soll. Die USA haben sich bisher vergeblich um die Freilassung der gefangenen Landsleute bemüht.

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye hat Nordkorea angeboten, am Rande des anstehenden Uno-Generalversammlung in New York über eine Annäherung beider Staaten zu sprechen. Kim entsendet seinen Außenminister Ri Su Yong zu dem Treffen, er ist der ranghöchste Vertreter des Regimes bei der Uno seit 15 Jahren. Park sagte, sie hoffe auf einen Dialog zwischen Regierungsvertretern bei den Vereinten Nationen.

syd/AP/Reuters

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insgesamt 6 Beiträge
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bolzenbrecher 17.09.2014
1. Gute Berichterstattung!
Die westlichen, sensationshungrigen Medien wollen uns immer wieder demonstrativ zur Schau stellen, wie unmenschlich das nordkoreanische Regime doch sei. Dabei übersehen sie immer wieder, dass das eigene System weitaus schlimmer ist. Muss wohl so sein, warum sollten die US-Bürger denn nun zu Hauf nach Nordkorea flüchten?
kaksonen 17.09.2014
2.
Zitat von bolzenbrecherDie westlichen, sensationshungrigen Medien wollen uns immer wieder demonstrativ zur Schau stellen, wie unmenschlich das nordkoreanische Regime doch sei. Dabei übersehen sie immer wieder, dass das eigene System weitaus schlimmer ist. Muss wohl so sein, warum sollten die US-Bürger denn nun zu Hauf nach Nordkorea flüchten?
Nach welchen Maßstäben messen Sie? Haben Sie schon mal Blaine Hardens "Flucht aus Lager 14" gelesen? Und was heißt "zu Hauf nach Nordkorea flüchten"? Wenn es unter mehr als 300 Millionen Einwohnern zwei Irre gibt, dann heißt das bei Ihnen schon "zu Hauf"?
Hermes75 17.09.2014
3.
Zitat von bolzenbrecherDie westlichen, sensationshungrigen Medien wollen uns immer wieder demonstrativ zur Schau stellen, wie unmenschlich das nordkoreanische Regime doch sei. Dabei übersehen sie immer wieder, dass das eigene System weitaus schlimmer ist. Muss wohl so sein, warum sollten die US-Bürger denn nun zu Hauf nach Nordkorea flüchten?
Es gab auch Menschen, die aus Westdeutschland unbedingt in die DDR wollten - allerdings nicht viele. Die Anzahl der US-Bürger die nach Nordkorea wollen ist ebenfalls sehr überschaubar - im Gegensatz zu der Anzahl der Nordkoreaner die raus wollen.
ijf 17.09.2014
4. @2. und 3. Ernsthaft?!
Schon auf die Idee gekommen, Bolzenbrecher koennte einen ironischen Post gesetzt haben?! Ich jedenfalls frage mich, ganz ironiefrei, welcher Wahn diese US-Buerger in den letzten Monaten/Jahren immer mal wieder dazu bringt, unbedingt nach Nordkorea zu wollen. Ist das nur ein neues Kapitel aus dem Buch "Am US-evangelikalen Wesen soll die Welt genesen", oder was steckt da dahinter?
schofseggel 17.09.2014
5. @bolzenbrecher
hieß früher sicher ziegenhüter und war schon immer das Sprachrohr und Provokant des lieben Kim.
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