Kampf gegen Terroristen USA werfen Spionage-Netz über Afrika

Geheime Überwachungsflüge in unmarkierten Propellermaschinen, Drohnen-Einsätze und ein ganzes Netzwerk von Stützpunkten: Die USA weiten ihren Spionage-Einsatz in Afrika massiv aus. Laut "Washington Post" treibt sie vor allem die Angst vor Terroristen.

USAF

Washington - Die Pilatus PC-12 ist ein unscheinbares Flugzeug. Ein Propeller, je nach Konfiguration bis zu neun Sitze oder reichlich Stauraum. Zu Dutzenden ist die Maschine Schweizer Bauart über Afrika im Einsatz, transportiert Passagiere oder Fracht. Schon bald werden weitere Flugzeuge dazukommen. Auch sie sind von außen unscheinbar, im Inneren dagegen vollgestopft mit neuester Spionage-Technik. Sie bilden die Speerspitze einer gewaltigen Überwachungsaktion der USA, die weite Teile des Kontinents besser kontrollieren wollen.

Nach Informationen der "Washington Post" richtet das US-Militär schon seit 2007 rund ein Dutzend neuer Flugzeug-Stützpunkte ein. Das Blatt beruft sich dabei auf mehrere ehemals hochrangige Mitglieder der Streitkräfte, die am Ausbau des Netzwerkes beteiligt waren. Nun sollen die Spionage-Aktivitäten offenbar ausgebaut und beschleunigt werden.

Offiziell kommentiert das Afrika-Kommando der Streitkräfte den äußerst detaillierten Bericht der "Washington Post" nicht. General Carter F. Ham, der das US-Militär auf dem Kontinent anführt, hatte jedoch bereits im März vor dem Kongress betont, wie wichtig Beobachtungsaktionen in Afrika seien.

Das Muster ist beim Ausbau des Netzwerkes laut dem Blatt stets dasselbe: Auf afrikanischen Militärflughäfen oder zivilen Airports wurden eigene, unmarkierte Hangar eingerichtet. Die nach außen hin zivilen Maschinen nutzen die bestehenden Startbahnen. An Bord haben sie Video-Ausrüstung, Wärmebildkameras und Technik zur Ortung und Bespitzelung von Mobiltelefonen.

Nach ihrem Start von der Basis nutzen die Piloten ein Netz aus Dschungel- und Staubpisten, um immer wieder nachzutanken. So kann die Reichweite der kleinen Flugzeuge drastisch erhöht werden.

Diese Reichweite ist dringend nötig, denn offenbar soll das militärische Personal an Bord ein gewaltiges Areal überwachen. Von Burkina Faso im Westen des Kontinents, über die Sahara, das zentralafrikanische Uganda bis nach Äthiopien, Somalia und Kenia im Osten reicht der Einzugsbereich des US-Überwachungsnetzwerks. Die primäre Aufgabe ist laut dem Bericht die Suche nach Terroristen.

Billige Flieger statt teurer Drohnen

Eskalierende Konflikte wie in Nigeria, wo die Terrorsekte Boko Harum immer mehr Einfluss gewinnt, oder die Ausrufung eines islamistischen Staates im Norden Malis, haben in den letzten Monaten zu verstärkten Spionage-Einsätzen geführt.

Zwar setzen die US-Streitkräfte im Osten des Kontinents auch immer wieder Drohnen ein - in den meisten Fällen bekommen jedoch normale Passagierflugzeuge den Vorzug. Dies hat zwei Gründe: Sie sind deutlich billiger als die unbemannten Drohnen und können vollkommen unauffällig operieren. Allein das Kommando der Spezialkräfte hat 21 Pilatus-Maschinen im Einsatz.

Die Stützpunkte sind dabei strategisch günstig verteilt. Flieger starten aus Uganda, um die Jagd auf den flüchtigen Rebellenchef Joseph Kony zu unterstützen. Im Osten sind zahlreiche Maschinen auf dem offiziellen US-Stützpunkt Camp Lemonnier in Dschibuti stationiert. Eine weitere Präsenz ist laut dem US-Bericht im Krisengebiet Südsudan geplant.

Wichtige Basis in Burkina Faso

Eine zentrale Rolle beim Ausbau des Spionagenetzwerks nimmt offenbar Burkina Faso ein. Seit mehreren Jahren sind nach Informationen der "Washington Post" Dutzende US-Soldaten und private Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Ouagadougou stationiert. Von dort können Flugzeuge rasch die Ränder der Sahara, Mali, Nigeria und Mauretanien erreichen - Gebiete, in denen die US-Behörden mit einer hohen Terrorgefahr rechnen.

Offiziell äußert sich auch die Regierung des bitterarmen aber politisch relativ stabilen Landes nicht im Detail zu den US-Aktionen auf ihrem Staatsgebiet. Im Interview mit der "Washington Post" lobte der Außenminister von Burkina Faso jedoch die gute Zusammenarbeit mit den USA. Diese sei entscheidend, um die Ausbreitung von Terrornetzwerken in der Region zu kontrollieren. "Die Kooperation ist sehr hilfreich, sollte aber auch weiter diskret ablaufen. Wir können al-Qaida nicht unsere Karten zeigen", so Politiker Djibril Bassole.

jok



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Seite 1
MoonofA 14.06.2012
1.
Zitat von sysopUSAFGeheime Überwachungsflüge in ummarkierten Propellermaschinen, Drohnen-Einsätze und ein ganzes Netzwerk von Stützpunkten: Die USA weiten ihren Spionage-Einsatz in Afrika massiv aus. Laut "Washington Post" treibt sie vor allem die Angst vor Terroristen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,838869,00.html
Wieder mal das wesentliche Thema verfehlt. Das "Spionagenetz" ist ein militärisches Informationsnetz betrieben wie die WaPo richtig schreibt vom U.S. Militär. Hat mit "Spionage" wenig zu tune eher mit Umsturzabsichten und Killerdrohnen. Setzen 6.
hugahuga 14.06.2012
2. Also - gegen Terrorristen
Zitat von sysopUSAFGeheime Überwachungsflüge in ummarkierten Propellermaschinen, Drohnen-Einsätze und ein ganzes Netzwerk von Stützpunkten: Die USA weiten ihren Spionage-Einsatz in Afrika massiv aus. Laut "Washington Post" treibt sie vor allem die Angst vor Terroristen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,838869,00.html
schon möglich, dass das ein Zweck ist. Es ist aber auch ebenso anzunehmen, dass es den USA darum geht, dem Treiben der Chinesen in Afrika nicht untätig zuzusehen. Gegen Terrorrismus allein scheint mir zu simpel, da die USA erstens ihre eigene Definition davon haben, wer als ,böser Terrorist' und wer als ,nützlicher Terrorist' zu gelten hat. Und zweitens gibt es ausreichend Beispiele dafür, wie die USA ,nützliche Terrorristen' zur Durchsetzung eigener Interessen instrumentalisierten.
Atheist_Crusader 14.06.2012
3.
Mit Terrorismus hat das nicht viel zu tun, zumindest nicht mit der gängigen Definition. Aber die USA neigen ja dazu, jede fünf-Mann-Guerilla-Gruppe als Terroristen zu bezeichnen. Mit Selbstschutz hat das also nichts zu tun, sondern eher mit der Durchsetzung von Machtinteressen.
innajjanni 14.06.2012
4.
Zitat von sysopUSAFGeheime Überwachungsflüge in ummarkierten Propellermaschinen, Drohnen-Einsätze und ein ganzes Netzwerk von Stützpunkten: Die USA weiten ihren Spionage-Einsatz in Afrika massiv aus. Laut "Washington Post" treibt sie vor allem die Angst vor Terroristen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,838869,00.html
Ist wohl eher die Angst vor (vorallem) wirtschaftlichen Nachteilen...
Moewi 14.06.2012
5.
chrchrchr...Die Fotostrecke ist ja wieder zum Schiessen ;o) Da erfahren wir also, dass in Ostafrika Truppen stationiert sind, um gegen Piraten zu kämpfen. (http://www.spiegel.de/fotostrecke/spionage-in-afrika-mit-hightech-kameras-auf-terroristenjagd-fotostrecke-83663-7.html) Sofern wir das nicht schon wussten. Und vier Bilder vorher sehen wir sogar, unter welcher Flagge. (http://www.spiegel.de/fotostrecke/spionage-in-afrika-mit-hightech-kameras-auf-terroristenjagd-fotostrecke-83663-4.html) Na hoffentlich gibt's DA mal keine gefährlichen Verwechslungen, und der Begriff "false flag" gewinnt AUCH plötzlich eine ganz neue Bedeutung ;o)
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