Nahost: Israelische Kampfjets greifen syrischen Konvoi an

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Israelischer Kampfjet (Archivbild): Nächtlicher Angriff in Syrien

Israelische Kampfjets haben einen syrischen Lastwagenkonvoi nahe Damaskus bombardiert. Das bestätigten amerikanische Regierungsbeamte der "New York Times" und der Nachrichtenagentur Reuters. Israels Regierung hat den Vorfall demnach Washington gemeldet, will sich aber öffentlich nicht äußern.

Beirut/Washington - Israels Luftwaffe hat in der Nacht auf Mittwoch einen Lastwagenkonvoi in Syrien angegriffen, meldet die "New York Times". Der Konvoi sei mit hochmodernen Flugabwehrwaffen auf dem Weg zur Hisbollah-Miliz im Libanon gewesen. Der Angriff habe auf syrischem Gebiet unweit der Grenze zum Libanon stattgefunden. Die Zeitung beruft sich auf US-Regierungsbeamte, die von Israel informiert worden waren. Auch die Nachrichtenagentur Reuters bestätigt diese Version. Die israelischen Regierung wollte den Vorfall nicht kommentieren.

Die Meldung deckt sich mit den Angaben örtlicher Sicherheitskräfte, die von der Nachrichtenagentur AP zitiert werden: Ihnen zufolge hatte Israel in den Tagen vor dem Luftangriff geplant, eine für die Hisbollah bestimmte Waffenlieferung ins Visier zu nehmen. Zur Ladung hätten aus russischer Produktion stammende Flugabwehrraketen vom Typ SA-17 gehört.

Russland reagierte am Donnerstagmorgen "besorgt" auf die Berichte. "Sollten die Informationen wahr sein, wäre es eine grundlose Attacke auf dem Gebiet eines souveränen Staates", erklärte das Außenministerium in Moskau. Ein solcher Angriff sei inakzeptabel. Russland ist einer der wenigen verbliebenen Verbündeten der syrischen Führung von Staatschef Baschar al-Assad, distanziert sich aber langsam von ihm.

Damaskus spricht von Angriff auf Forschungszentrum

Syrische Staatsmedien berichteten zwar über einen nächtliche Angriff israelischer Kampfjets - dieser habe allerdings einem militärischen Forschungszentrum in der Provinz Damaskus gegolten. Bei der Attacke auf den Komplex in Dschamraja seien zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt worden, teilte die Militärführung weiter mit. Das Gebäude sei zerstört worden.

In der Erklärung hieß es, Dschamraja sei eines von zahlreichen Forschungszentren im Land, das "der Stärkung des Widerstandes und der Selbstverteidigung" diene. Die Flugzeuge seien in einer Höhe in den syrischen Luftraum eingedrungen, in der die syrischen Radarsysteme sie nicht hätten erfassen können. Die Provinz Damaskus hat eine lange gemeinsame Grenze mit dem Libanon.

Der Libanon dagegen dementierte den Angriff. "Die Meldungen über einen israelischen Angriff an der syrisch-libanesischen Grenze entbehren jeder Grundlage", meldete die staatliche Nachrichtenagentur NNA. Allerdings teilten die libanesischen Streitkräfte mit, israelische Flugzeuge seien in der Nacht zum Mittwoch in den südlibanesischen Luftraum eingedrungen. "Jets haben die Region um Mitternacht herum in geringer Höhe überflogen, und es war ein Geräusch wie vom Durchbrechen der Schallmauer zu hören", sagte eine Quelle im Sicherheitsapparat der Agentur dpa. Die Uno-Truppen im Libanon betonten, sie hätten keine Informationen über einen möglichen Angriff.

Furcht vor Chemiewaffen in den Händen der Hisbollah

Israel ist sehr besorgt, dass Chemiewaffen und hochmoderne Waffensysteme aus dem umkämpften Syrien an die schiitischen Hisbollah-Milizen fallen könnten. Sollten die radikalen Islamisten wie befürchtet in den Besitz von SA-17-Flugabwehrraketen gelangen, würde dies das Machtgefüge in der Region aus Sicht von Experten dramatisch verschieben. Der israelische Minister für Regionale Entwicklung, Silvan Schalom, hatte erst am Sonntag betont, Israel werde Maßnahmen ergreifen, um das zu verhindern.

In Syrien kämpft Machthaber Baschar al-Assad seit knapp zwei Jahren gegen die Opposition. In dem Bürgerkrieg sind nach Uno-Schätzungen mehr als 60.000 Menschen ums Leben gekommen. Auf Seite der Rebellen kämpfen auch Islamisten, die wie die palästinensische Hamas das Existenzrecht Israels in Frage stellen. Die syrische Hauptstadt Damaskus ist nur 50 Kilometer von den Golanhöhen entfernt, die Israel annektiert hat.

hen/Reuters/AP

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