Vorwürfe aus Israel: USA bezweifeln Bericht über Giftgas-Einsatz in Syrien

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US-Außenminister Kerry in Brüssel: "Implosion Syriens verhindern"

US-Außenminister Kerry hat Israels Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien angezweifelt. Für die Nato sehe er daher derzeit "keine Rolle" in dem Konflikt. Gemeinsam mit dem russischen Außenminister Lawrow will er den Weg für neue Verhandlungen bereiten.

Brüssel/Tel Aviv - Zwar wächst in der Nato die Sorge über den Bürgerkrieg in Syrien. Doch US-Außenminister John Kerry betonte am Dienstag, er sehe derzeit "keine Rolle" für das Bündnis in dem Konflikt. Israelische Berichte über den Einsatz von Giftgas durch das syrische Regime hat Kerry bei einem Treffen mit den Nato-Verteidigungsministern in Brüssel angezweifelt.

In einem Telefongespräch habe ihm Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Dienstag die Verwendung jener Massenvernichtungswaffe nicht bestätigen können, sagte Kerry in Brüssel. "Ich weiß noch nicht, was die Tatsachen sind." Israel hatte Syriens Staatschef Baschar al-Assad vorgeworfen, das tödliche Nervengas Sarin eingesetzt zu haben.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow zeigte sich bei dem Treffen mit den Nato-Verteidigungsministern hart. Moskau unterstützt weiterhin das Regime von Präsident Baschar al-Assad und wirft der vom Westen unterstützten Opposition vor, keinen politischen Dialog mit der Regierung zu wollen. Lawrow forderte in Brüssel, Behauptungen über den Einsatz von Chemiewaffen müssten sorgfältig von internationalen Experten geprüft werden. Allerdings hat das dafür vorgesehene Expertenteam der Vereinten Nationen bisher keine Einreiseerlaubnis von der syrischen Führung erhalten.

"Implosion Syriens verhindern"

Kerry widersprach Medienberichten, wonach er von der Nato eine neue Planung für den Fall einer Eskalation in Syrien gefordert habe. "Ich habe mich sehr klar zur Bedrohung durch chemische Waffen geäußert und zur Gefahr, dass chemische Waffen in falsche Hände geraten könnten", sagte er. "Wir müssen deshalb alle darüber nachdenken, wie wir an den Verhandlungstisch kommen, um eine Implosion Syriens zu verhindern, die das Schlimmste wäre." Er wolle die Anstrengungen für neue Verhandlungen verdoppeln. "Und genau darüber habe ich mit Lawrow gesprochen", sagte Kerry. Es sei Sache der Opposition, zu entscheiden, was sie akzeptieren kann und was nicht.

Die Nato ist nach Worten ihres Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen "extrem besorgt" über den möglichen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. Nach dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister sagte Rasmussen, die Nato habe Notfallplanungen, um jederzeit ihr Bündnismitglied Türkei, Syriens nördlichen Nachbarn, schützen zu können.

US-Präsident Barack Obama hatte im Vorjahr mit einem Militärschlag gegen Syrien gedroht, sollte das Regime chemische Waffen einsetzen oder deren Einsatz vorbereiten. Auch Netanjahu kündigte ein militärisches Eingreifen an, sobald Chemiewaffen oder hochmoderne Waffen in falsche Hände gelangen sollten.

bos/dpa

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