Zugang zum Weißen Haus CNN-Reporter Acosta soll Akkreditierung erneut verlieren

Darf CNN-Reporter Jim Acosta wieder an Pressekonferenzen des Weißen Hauses teilnehmen? Ein Gericht entschied: vorläufig ja. Präsident Trump plant aber offenbar, den Journalisten bald wieder auszuschließen.

Jim Acosta
MICHAEL REYNOLDS/ EPA-EFE/ REX/ SHUTTERSTOCK

Jim Acosta


Noch bis zum Monatsende muss US-Präsident Donald Trump die Anwesenheit von CNN-Reporter Jim Acosta im Weißen Haus dulden. Das hatte ein Bundesrichter in Washington, D.C., entschieden. Nach dem Ablauf der einstweiligen Verfügung könnte Acosta von den Terminen aber wieder ausgeschlossen werden. Das geht aus einem Schreiben des Weißen Hauses vom 16. November hervor, das von CNN nun veröffentlicht wurde.

Darin wurde Acosta mitgeteilt, dass vorläufig entschieden wurde, ihm die Akkreditierung nach Ablauf der 14-tägigen Gültigkeitsdauer der einstweiligen Verfügung erneut zu entziehen. "Der Präsident kennt diese vorläufige Entscheidung und stimmt damit überein", heißt es darin. Der US-Sender warnte: "Diese Handlungen bedrohen alle Journalisten und Nachrichtenorganisationen." CNN beantragte eine Dringlichkeitsanhörung bei Gericht.

Trump hatte den Entzug der Akkreditierung des prominenten CNN-Journalisten nach einem Wortgefecht bei einer Pressekonferenz am 7. November angeordnet.

Im Video: Acosta und Trump streiten bei Pressekonferenz

REUTERS

Nach der ersten Darstellung der Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, hatte Acosta eine Praktikantin unzulässig berührt, als diese ihm das Mikrofon abnehmen wollte. Ein Video, das die Pressesprecherin dazu online stellte, konnte den Vorwurf nicht belegen. Acosta berührte die Praktikantin allenfalls nur sehr leicht am Arm. Auch entschuldigte er sich sofort bei der Frau, als er an dem Mikrofon festhielt, um eine weitere Frage zu stellen.

Später begründete Sanders die Entscheidung des Weißen Hauses damit, dass Acosta sich auf Trumps Aufforderung hin "physisch geweigert" habe, das Mikrofon abzugeben und Kollegen ebenfalls zu Wort kommen zu lassen. Trump und der Journalist waren bei dem Termin verbal aneinandergeraten, nachdem Acosta Trump etwa für die Bezeichnung "Invasoren" für Flüchtende kritisiert hatte.

Am Freitag erließ ein Bundesgericht eine einstweilige Verfügung, wonach Acosta bis zu einer endgültigen richterlichen Entscheidung wieder zu Pressekonferenzen zugelassen werden muss. Das Weiße Haus akkreditierte Acosta daraufhin vorläufig wieder. Trump hatte nach der Verfügung vom Freitag neue Regeln für Pressekonferenzen angekündigt und "Anstand" von Journalisten im Weißen Haus eingefordert.

vks/dpa

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g.eliot 19.11.2018
1. Decorum fürs Weiße Haus
Zitat: "Trump und der Journalist waren an dem Termin verbal aneinandergeraten, nachdem Acosta Trump etwa für die Bezeichnung "Invasoren" für Flüchtende kritisiert hatte." Acosta hat ihn nicht kritisiert, sondern eine kritische Frage gestellt. Das müssten Journalisten, welche den Artikel verfasst haben, eigentlich zu unterscheiden wissen. Nun verlangt Trump "Decorum", also quasi eine Etikette des guten Benehmens. Das ist so grotesk, wenn man bedenkt, wie unverschämt er Journalisten beschimpft. Aber diese Unverschämtheit fokussiert er auf Nichtweiße, aktuelle Beispiele für beleidigende Ausdrücke, die völlig aus dem Rahmen fallen, gegenüber afroamerikanische Journalistinnen: https://www.independent.co.uk/news/world/americas/trump-black-female-journalists-questions-phillips-ryan-alcindor-cnn-jim-acosta-a8627416.html Jim Acosta ist Latino, dessen Eltern aus Kuba emigriert sind. Trumps respektlose Beschimpfung gegenüber Jim Acosta waren völlig unangemessen, der nur seinen Job machen wollte. Das "Decorum" wird wahrscheinlich eine Art Diktatoren-Kodex sein, willkürlich und ungerecht. Trumps Einstellung ist die eines Mannes, der Rassen- und Standesunterschiede pflegt, wie ein widerlicher Autokrat aus dem 19. Jahrhundert. Ich frage mich oft, ob diejenigen, die das gut und angemessen finden, in einem entsprechend autoritären Elternhaus aufgewachsen sind, in welchem Kinder mit autoritärer Gewalt erzogen wurden, nach dem Motto: Eltern haben immer Recht, selbst wenn sie sich nachweislich irren.
brotherandrew 19.11.2018
2. Ausgerechnet ...
... Trump fordert "Anstand" ein. Wäre das der Maßstab, dann hätte Trump längst zurück treten müssen. Trump greift die Pressefreiheit an, sonst nichts. Er möchte nur noch ergebene Hofberichterstatter um sich haben. Es ist zum Kotzen.
draco2007 19.11.2018
3.
Bitte was? Mit Ankündigung scheißt Trump auf eine richterliche Entscheidung und geht mal wieder gegen die Pressefreiheit vor? Was ist denn das für eine Demokratie? Trump herrscht wie ein Diktator und der Kongress/Senat schaut einfach zu? Und Trumps Anhänger jubeln, geht es doch gegen "die Feinde des Volkes". Armes Amerika, möge es uns als warnendes Beispiel dienen, auch hier gibt es diese Möchtegern-Herrscher-Demagogen, die als erstes die Pressefreiheit bekämpfen wollen.
speleonaut 19.11.2018
4. Intellektuelle Überforderung
Es scheint so zu sein, das der überforderte POTUS den Unterschied zwischen Anstand und Willfähigkeit nicht kennt.
isi-dor 19.11.2018
5. Die Welt muss in einem Zustand des ewigen Wohlstandsfriedens sein
Der US-Präsident hat anscheinend nichts wichtigeres zu tun, als wochenlang Zeit für seine absurden und kindischen Privatkriege mit irgendwelchen Leuten zu verschwenden. Mir graut.
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