Nach mutmaßlichem Giftgasanschlag USA dementieren Angriff auf syrischen Flugplatz

Die USA und Frankreich wollen "stark" auf die mutmaßliche Giftgasattacke von Baschar al-Assad reagieren. Nun wurde ein Militärflugplatz tief in Syrien bombardiert. Washington bestreitet eine Beteiligung.


Die syrische Armee von Machthaber Baschar al-Assad hat am Samstag mutmaßlich einen Giftgasanschlag auf die Stadt Duma in der Rebellenhochburg Ost-Ghuta verübt. Mehr als 150 Menschen sollen ums Leben gekommen sein. Nun wurde einem Bericht der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana zufolge in der Nacht zu Montag der Militärflugplatz T4 des Regimes von Raketen angegriffen. Dieser liegt unweit der antiken Oasenstadt Palmyra in der Provinz Homs. Die USA bestreiten eine Beteiligung an dem Angriff.

"Derzeit führt das Verteidigungsministerium keine Luftschläge in Syrien aus", sagte ein Pentagon-Sprecher am Sonntag. Nichtsdestotrotz werde die Situation genau beobachtet. Zuvor hatte das syrische Regime erklärt, es sei davon auszugehen, dass es sich um einen US-Angriff gehandelt habe.

Schwerverletztes Kleinkind nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff
DPA

Schwerverletztes Kleinkind nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff

Noch am Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump Assad als "Tier" bezeichnet und dessen Verbündeten - Iran und Russland - eine Mitschuld an dem Giftgasangriff gegeben. Seine Drohung: Die Verantwortlichen müssten einen "hohen Preis" zahlen.

Frankreich und USA wollen "starke Reaktion" koordinieren

Nach einem Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron erklärte das Weiße Haus noch am Sonntag: "Sie haben sich darauf verständigt, Informationen zur Art der Attacke auszutauschen und eine starke, gemeinsame Reaktion zu koordinieren."

Sicherheitsexperten zufolge wird der Flugplatz T4 regelmäßig von russischen Streitkräften genutzt, um Angriffe auf Rebellengebiete zu fliegen. Nach Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind dort zudem iranische Einheiten sowie Kämpfer der schiitischen Hisbollah-Miliz stationiert.

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Die Beobachtungsstelle berichtete am Montag, bei dem nächtlichen Angriff seien mindestens 14 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien auch iranische Kämpfer. Die Angaben der Beobachtungsstelle können nicht unabhängig überprüft werden, haben sich aber in der Vergangenheit als verlässlich erwiesen.

Die syrische Flugabwehr habe acht Raketen abgeschossen, sagte die Agentur Sana unter Berufung auf Militärquellen. Dies konnte bislang ebenfalls nicht unabhängig bestätigt werden. Zivilisten berichteten laut dem syrischen Fernsehen von lauten Explosionsgeräuschen in der Gegend.

Israel will sich nicht äußern

Nach dem Dementi der Vereinigten Staaten bleibt zunächst unklar, wer für den Beschuss verantwortlich war. Libanesischen Medien zufolge hatten Bewohner nahe der südöstlichen Grenze zu Syrien in den frühen Morgenstunden von Kampfjets im Luftraum berichtet, was möglicherweise auf einen Angriff aus Israel hindeuten könnte.

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Die Berichte konnten vorerst nicht unabhängig verifiziert werden. Eine israelische Armeesprecherin sagte, man wolle sich zu dem Vorfall nicht äußern. Zuletzt hatte die israelische Armee das Flugfeld T4 im Februar dieses Jahres angegriffen. Von dort aus war zuvor eine hochmoderne iranische Drohne gestartet und in den israelischen Luftraum eingedrungen.

dop/dpa/Reuters/AFP



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