Nach Bruch mit Bannon Trump stemmt sich gegen Veröffentlichung des Enthüllungsbuchs

Ein Enthüllungsbuch bringt Donald Trump erneut in Bedrängnis. Am liebsten würde der US-Präsident das Werk verbieten lassen und Ex-Berater Bannon zum Schweigen bringen. Doch so einfach ist das nicht.

Donald Trump
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Mit aller Macht wehrt sich Donald Trump gegen das Enthüllungsbuch des Publizisten Michael Wolff und gegen die Kritik seines Ex-Beraters Steve Bannon. Bislang sind nur Auszüge aus dem brisanten Werk veröffentlicht worden, doch der US-Präsident steht bereits jetzt enorm unter Druck. Nun versucht er, mit einem Rundumschlag Schlimmeres zu verhindern.

Trump will Bannon juristisch zum Schweigen bringen. Nach dem öffentlichen Bruch mit seinem einst engen Vertrauten schickten die Anwälte des Präsidenten zunächst ein Unterlassungsschreiben an den Rechtspopulisten. Trumps persönlicher Anwalt Charles Harder warf Bannon zudem üble Nachrede vor und drohte mit "rechtlichen Schritten", die unmittelbar bevorstünden.

Parallel versuchte Harder, die Veröffentlichung des für kommende Woche angekündigten Buchs "Fire and Fury: Inside the Trump White House" (Feuer und Wut: In Trumps Weißem Haus) zu verhindern. Darin spricht Bannon im Zusammenhang mit der Russlandaffäre von Verrat. In einem formellen Schreiben, aus dem die Nachrichtenagentur Reuters zitiert, informierte Harder den Verleger Henry Holt und den Autor Wolff, dass er sie womöglich verklagen werde, unter anderem wegen Verleumdung.

Trumps Anwälte werfen Bannon in ihrem Brief vor, gegen ein Abkommen verstoßen zu haben, indem er mit Wolff über den Präsidenten, dessen Familie und den Wahlkampf gesprochen habe. Zudem habe er Trump und dessen Familie verunglimpft. Reuters konnte nach eigenen Angaben auch diesen Brief einsehen.

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Experten zeigten sich skeptisch, dass die Anwälte mit ihrem Vorgehen Erfolg haben. Sollte Bannon - wie zu erwarten ist - nach dem Unterlassungsschreiben nicht einlenken, könnte Trump allenfalls klagen. In diesem Fall müsste der Präsident möglicherweise vor Gericht unter Eid aussagen - weitere für Trump unangenehme Informationen könnten an die Öffentlichkeit gelangen. Juristen halten all das für äußerst unwahrscheinlich. Juraprofessor Michael Dorf von der Universität Cornell sagte zudem, die Vorstellung der Anwälte, sie könnten eine Buchveröffentlichung verhindern, sei absurd.

Bannon galt als Rechtsaußen-Architekt der nationalistisch ausgerichteten Kampagne Trumps und treibende Kraft hinter umstrittenen Entscheidungen wie dem Einreisestopp für Bürger aus mehreren muslimischen Ländern. Wenige Monate vor der Präsidentenwahl im November 2016 wurde er Trumps Wahlkampfleiter und anschließend Chefstratege im Weißen Haus. Im August kam der Rückzug, nachdem interne Spannungen und Machtkämpfe zunahmen. Trump traf sich aber auch danach noch mit Bannon, der zum rechtspopulistischen Nachrichtenportal Breitbart zurückkehrte.

Video: Trump feindet Bannon an

Grund für das endgültige Zerwürfnis sind insbesondere Bannons Kommentare in Wolffs Buch, die sich um ein Treffen mit einer russischen Anwältin während des Präsidentschaftswahlkampfs im Juni 2016 im Trump Tower drehen. Daran hatten Trumps ältester Sohn Donald Trump Jr., sein Schwiegersohn Jared Kushner und sein damaliger Wahlkampfleiter Paul Manafort teilgenommen. Die russische Seite hatte belastende Informationen über Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton in Aussicht gestellt.

Bannon bezeichnet das Treffen in Wolffs Buch als Verrat und unpatriotisch. "Man hätte sofort das FBI rufen müssen." Er äußert sich zudem überzeugt davon, dass "Don Jr." die Russen anschließend ins Büro seines Vaters geführt habe. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Don Jr. diese jumos (etwa: Besoffenen) nicht in das Büro seines Vaters im 26. Stock gebracht hat, ist gleich null", wird Bannon zitiert.

"Verstand verloren"

Nachdem die Passagen am Mittwoch vorab bekannt wurden, ließ Trump eine Presseerklärung veröffentlichen, in der er Bannon scharf attackiert: "Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job, sondern auch seinen Verstand verloren." Bannon habe "sehr wenig" mit dem Sieg bei der Präsidentenwahl zu tun gehabt. "Steve repräsentiert nicht meine Basis. Es geht ihm nur um sich selbst." Während seiner Zeit im Weißen Haus habe er falsche Informationen an die Medien gegeben, um sich selbst viel wichtiger zu machen als er gewesen sei. "Das ist das Einzige, was er gut macht." Donald Trump Jr. schrieb auf Twitter: "Steve ist kein Stratege. Er ist ein Opportunist." Er warf Bannon Verrat und Mobbing vor.

Bannon selbst äußerte sich bislang nicht konkret zu den Vorgängen. CNN zufolge versicherte er im Breitbart-Radiosender am Donnerstag einem Anrufer: "Nichts wird je zwischen uns und Präsident Trump sowie seine Agenda kommen."

Bannons Äußerungen in dem Buch sind brisant, weil sie den Verdacht nähren, dass Russland die Präsidentenwahl zugunsten Trumps beeinflusst haben könnte. Trump und die russische Regierung haben dies zurückgewiesen. Dennoch prüfen mehrere Kongressausschüsse die Vorwürfe und mit Ex-FBI-Direktor Robert Mueller hat das US-Justizministerium einen Sonderermittler eingesetzt. Im Raum steht die Frage, ob Trump oder Personen aus seinem Umfeld erpressbar sein könnten oder sich gesetzeswidrig verhalten haben. Bannon soll einem Medienbericht zufolge vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses aussagen.

kev/AFP/dpa/Reuters

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Seite 1
wittchen2000 04.01.2018
1. Aufmerksamkeit um jeden Preis
Herr Bannon macht das doch blos damit sein Buch mehr Aufmerksamkeit bekommt und sich besser verkauft. Klar ist Trump eine Katastrophe – menschlich, moralisch, politisch – aber es ist doch sonnenklar das Bannon solche Anschuldigungen an Trump nur deswegen schreibt weil er sich bessere Verkaufszahlen für sein Buch bekommt. Wann hört ihr von SPON endlich auf auf sowas reinzufallen?
Atheist_Crusader 04.01.2018
2.
Am liebsten würde Trump alles und jeden verbieten was ihn in einem schlechten Licht dastehen lässt - ob das jetzt eine menschgewordene Pilzinfektion wie Bannon ist oder akkreditierte Journalisten. Aber ich hoffe, er macht so weiter. Er hat sich schon neulich selbst per Twitter belastet und ist da nur wieder rausgekommen weil einer seiner Anwälte den Tweet auf sich genommen hat. Wird lustig werden wenn er unter Eid aussagen muss.
neu-ark 04.01.2018
3. Die Arschlöcher, die ich rief....
...das ist ein Lehrstück über Dummheit, Dreistigkeit, Narzissmus und die Konsequenz dessen, was die Abwesenheit von Loyalität, Integrität und (sozialer) Intelligenz anzurichten imstande ist. Für die Welt trotz dieses debilen, absurden und grotesken Charakters dieses Kaspertheaters brandgefährlich. Vielleicht begreifen nun selbst die bildungsfernsten und bewusstseinsrestsitentesten Amis was sie angerichtet haben. Was bleibt ist ein Armutszeugnis für das katastrophale Versagen der Republikaner eine solche Farce, einen solchen politischen und ethisch-moralischen Offenbarungseid geleistet zu haben. Macht korrumpiert offenbar immer, überlagert jedwedes Verantwortungsbewusstsein und die gesamte Bandbreite der Vernunft.
motorholer 04.01.2018
4. reale gefahr für trump!
bannon ist als früherer insider im trumpschen augiasstall wirklich jemand, der big t. gefährlich werden kann... im gegensatz zu bannon, der ebenso ein psycho ist, hat trump nicht seinen verstand verloren, da er zu keinem zeitpunkt welchen hatte. das unterscheidt ihn von trump... bleibt zu hoffen, dass der laden t bald komplett hochgeht.
multi_io 04.01.2018
5.
Zitat von wittchen2000Herr Bannon macht das doch blos damit sein Buch mehr Aufmerksamkeit bekommt und sich besser verkauft. Klar ist Trump eine Katastrophe – menschlich, moralisch, politisch – aber es ist doch sonnenklar das Bannon solche Anschuldigungen an Trump nur deswegen schreibt weil er sich bessere Verkaufszahlen für sein Buch bekommt. Wann hört ihr von SPON endlich auf auf sowas reinzufallen?
Es ist nicht Bannons Buch, es ist Wolffs Buch.
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