Angebliches Handelsdefizit Trump will Trudeau angeschwindelt haben

"Wir haben ein Handelsdefizit mit Kanada": Das hatte US-Präsident Trump bei einem Treffen mit dem kanadischen Premier Trudeau behauptet. Dabei kannte Trump offenbar die Fakten gar nicht. Und lag falsch.

Trudeau und Trump in Washington
REUTERS

Trudeau und Trump in Washington


Was es heißt, mit US-Präsident Donald Trump über Fakten zu diskutieren, hat offenbar auch der kanadische Premier Justin Trudeau erlebt. Auf einer Veranstaltung in Missouri berichtete Trump laut einem Audio-Mitschnitt, welcher der "Washington Post" vorliegt, von einem Treffen der beiden Politiker: "Trudeau kommt, um mich zu sprechen. Er ist ein guter Junge, Justin. Er sagt: 'Nein, nein, wir haben kein Handelsdefizit mit euch, Donald, bitte." Dann habe der US-Präsident entgegnet: "Falsch, Justin, das habt ihr." Dabei habe er, nach eigener Aussage, gar keine Ahnung gehabt, ob das stimmte.

Dessen ungeachtet erzählte Trump offenbar belustigt die Trudeau-Anekdote bei einer Spendengala für den republikanischen Kandidaten Josh Hawley. Den soll er allerdings nur kurz erwähnt haben, berichtet die "Washington Post" - um dann wieder über sich zu sprechen. So war erneut sein Wahlsieg von 2016 Thema, aber auch die seiner Ansicht nach "unfairen Handelspraktiken" der US-Verbündeten.

Laut dem US-Handelsministerium haben die Vereinigten Staaten kein Handelsdefizit mit Kanada; im Gegenteil, sie haben einen Überschuss. Ein Defizit ergibt sich, wenn Dienstleistungen nicht in die Betrachtung einbezogen werden, was jedoch üblich ist. Zur Handelsbilanz nennen beide Länder zudem abweichende Zahlen, was die kanadische Behörde mit "unterschiedlichen Datenquellen und Statistikmethoden" begründet.

Vollkommen ausgeglichene Bilanzen im Handel zwischen zwei Ländern sind die Ausnahme, deshalb hat im Normalfall ein Land einen Überschuss und das andere entsprechend ein Defizit. Als gefährlich gelten solchen Ungleichgewichte nur, wenn sie sehr groß werden. Trump kritisiert seit langem die Überschüsse von Deutschland, Kanada und anderen Ländern.

Seit einigen Wochen hat Trump seinen Kurs in der Handelspolitik deutlich verschärft. Erst kürzlich hatte er Schutzzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe verhängt, die demnächst in Kraft treten und auch Europa treffen könnten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters plant er zudem Zölle auf chinesische Warenimporte im Umfang von bis zu 60 Milliarden Dollar. China drohte darauf indirekt mit einer Eskalation des Handelskonflikts.

Kritik auch an Südkorea und Japan

Auch Südkorea hat Trump im Visier. Das Land sei auf Kosten der USA reich geworden, weil seine Vorgänger schlechte Vereinbarungen mit Seoul getroffen hätten, behauptete Trump in Missouri. Gleichzeitig unterstützten US-Truppen das dortige Militär. "Wir verlieren Geld beim Handel, und wir verlieren Geld beim Militär. Wir haben gerade 32.000 Soldaten an der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea. Warten wir ab, was passiert." Dass die USA durchaus eigene strategische Ziele mit der Truppenstationierung verfolgen, erwähnte er nicht.

Stattdessen griff er auch Japan an, ebenfalls ein enger US-Verbündeter. Die Japaner sollten seiner Ansicht nach mehr Autos aus US-Herstellung kaufen, doch die Regierung in Tokio stehe dem mit zu strengen Regulierungen entgegen. "Es ist der Bowlingkugel-Test. Sie nehmen eine Bowlingkugel und lassen sie aus sechs Meter Höhe auf das Autodach fallen", sagte Trump. "Wenn das eine Delle ergibt, ist das Auto nicht gut genug. Es ist schrecklich." Es sei nicht wirklich klar geworden, worüber genau der US-Präsident sprach, merkt die "Washington Post" an.

vks/dab



insgesamt 50 Beiträge
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carlitom 15.03.2018
1.
Wie niedlich: "Trump kannte die Fakten nicht." Wo ist da die Neuigkeit? Es stellt sich doch ständig heraus, dass er irgendwas in dei Welt posaunt, ohne eine Ahnung davon zu haben. Das ist doch normal für ihn. Noch wichtiger ist, dass ihn die Fakten auch gar nicht interessieren. Das ist nur dieses kleine Denken von uns Rationalisten, dass Fakten interessant wären oder irgendeinen Wert hätten. Da steht ein Trump drüber.
hagebe 15.03.2018
2. Reingefallen
Mit all diesen Aktionen erreicht der Twitterpresident Donald Trump vor allem eines, die öffentliche Debatte der Russlandaffäre scheint beendet. Oder habe ich in den letzten Tagen hier irgendeinen Artikel übersehen?
KaWeGoe 15.03.2018
3. Trump ist eine echte Gefahr für die Welt !
Man merkt schon, dass sein Großvater sein Geld mit dem Betrieb von Bordellen machte. Donald Trump verhält sich diesem Milieu entsprechend. Hinzu kommt, dass er offensichtlich dumm und jähzornig ist - das sind denkbar schlechte Charaktereigenschaften für den Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte. Ich gehe davon aus, dass das US-Militär und die US-Dienste wissen, welch einen Blindgänger sie im weißen Haus sitzen haben. Bin mal gespannt, wann und wie sie das Ding entschärfen.
emobil 15.03.2018
4. kann man sich eigentlich...
... diesen Präsidentenimitator vorstellen, wie der Akten und Gutachten liest oder sich intensiv von Fachleuten beraten lässt? Wohl kaum!
Papazaca 15.03.2018
5. Trump will ablenken mit immer ....
wieder neuen Themen. Nein, nicht bitte reden über das Schulhof-Massaker, über Stormy Daniels, über das Chaos im White House, über die verlorene Wahl - und schon gar nicht über Russland, warum auch immer. Aber man kann ziemlich sicher voraus sagen, das dieser OVERKILL an Trump-News den Amerikanern - und nicht nur denen - irgend wann auf den Senkel geht. Bin gespannt, wann dieser Punkt erreicht ist.
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