Trumps Chefstratege Bannon verlässt das Weiße Haus

Er war Donald Trumps wichtigster Berater - doch zuletzt geriet Stephen Bannon im Weißen Haus immer stärker unter Druck. Jetzt muss er gehen.

REUTERS

Es ist das Ende eines lange andauernden Konflikts, der sich in den vergangenen Tagen zugespitzt hatte: US-Präsident Donald Trumps umstrittener Chefstratege Stephen Bannon verlässt das Weiße Haus. Das teilte eine Sprecherin der Regierung mit. Medien hatten zuvor über die Trennung berichtet.

"Stabschef John Kelly und Steve Bannon haben gemeinsam zugestimmt, dass heute Steves letzter Tag ist", erklärte Sarah Huckabee Sanders in einer Stellungnahme. "Wir sind sehr dankbar für seinen Einsatz und wünschen ihm das Beste."

Bannon gilt als nationalkonservativer Kopf in Trumps Team mit Verbindungen ins radikale Lager. Einst war er Chef der rechten Plattform "Breitbart News". Nach den rechtsextremen Ausschreitungen im US-Bundesstaat Virginia war Bannons Rolle im Weißen Haus wieder verstärkt in den Fokus geraten. Kritiker sehen in ihm einen geistigen Brandstifter der Krawalle in der Uni-Stadt Charlottesville.

Auch Trump steht unter Beschuss, weil er die Extremisten nur zögerlich verurteilt und ihre Gewalttaten in Teilen relativiert hatte. Während der Kundgebung hatte ein Neonazi-Anhänger sein Auto in die Gegendemonstranten gesteuert und eine Frau getötet. Trump sprach relativierend von "Gewalt mehrerer Seiten". Bannon wiederum hatte sich erst Tage später von den rechtsextremen Demonstranten in Charlottesville distanziert.

Rauswurf oder freiwilliger Abgang?

Vor der Mitteilung aus dem Weißen Haus hatten bereits amerikanische Medien über die Trennung von Bannon berichtet. Laut "New York Times" soll Bannon seinen Rücktritt bereits am 7. August eingereicht haben. Aufgrund der Vorfälle in Virginia habe man die Bekanntgabe jedoch verschoben.

Ob er nun tatsächlich selbst die Reißleine zieht oder ob Trump ihn entlässt, war zunächst offen. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert eine Quelle aus dem Weißen Haus, nach der Bannon die Gelegenheit, von selbst zu gehen, nicht genutzt habe.

Bannon war schon vor den Vorfällen in Virginia unter Druck geraten. Seit Monaten hatte er sich Auseinandersetzungen mit gemäßigteren Kräften im Weißen Haus geliefert. Er war seit geraumer Zeit in den Verdacht geraten, vertrauliche Details aus dem Weißen Haus an Medien weitergegeben zu haben. Vor allem Trumps Schwiegersohn Jared Kushner ist ein scharfer Widersacher des 63-Jährigen. Mehrere moderate Republikanerhatten Bannons Rauswurf gefordert.

Mit Blick auf den Nordkorea-Konflikt stellte sich Bannon zuletzt öffentlich gegen Trump. In einem Interview widersprach er dem Präsidenten: Es gebe "keine militärische Lösung" des Atomkonflikts mit Pjöngjang, sagte er. Trump selbst hatte Nordkorea mit einem militärischen Eingreifen gedroht.

Bannon gilt gemeinsam mit Stephen Miller als Architekt der "America-First"-Strategie Trumps. Er war vor Beginn der Endphase des Wahlkampfs 2016 zum Team Trump gestoßen. Ihm wird ein maßgeblicher Anteil am Wahlsieg des Republikaners zugeschrieben.

kev/AP/dpa/Reuters



insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
niska 18.08.2017
1.
Der Breitbart ist ab. Was nun Herr Trump?
jujo 18.08.2017
2. ....
Soll ich jetzt weinen oder lachen? Das weisse Haus ist zur Narrenanstalt verkommen! Das Kompliment muss ich noch loswerden. Die USA ist zur Bananenrepublik verkommen, in kürzester Zeit. Das ist eine Leistung, die muß man anerkennen.
r_dawkins 18.08.2017
3. nanu?
Kein böswilliges Nachtreten von Trump auf Twitter? Dann ist das halt nur eine Rettungsstrategie vom neuen Stabchef, um die "Rassismus"-Wogen wieder zu glätten. Und falls doch noch Twitter-Tiraden kommen, ist es halt wie immer: Schuld sind immer die Anderen!
Bueckstueck 18.08.2017
4. Logisch
Auch der Typ hat sich für schlauer gehalten als er ist und stolperte erst über seine Arroganz und dann über Trumps Ego. Das Karussell dreht sich weiter und weiter...
peeweejay 18.08.2017
5. Gott sei Dank!
Unglaublich, aber es gibt doch noch gute Nachrichten aus Trumpistan! Ob Einsicht dahinter steckt? Nicht anzunehmen. War wohl eher wieder irgendeine narzistische Kränkung ("keine militärische Lösung im Atomkonflikt mit Nordkorea" - Bannon=Loser), die der schwer Erziehbare im Weißen Haus nur per Rauswurf ausagieren konnte.
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