Trumps Pressesprecher "Es ist unsere Absicht, Sie nie anzulügen"

In seinem ersten Pressebriefing im Weißen Haus musste Trumps Sprecher sich rechtfertigen - für seine merkwürdigen Aussagen vom Wochenende. Und er verkündete neue Regeln für Journalisten.

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Die entscheidende Frage beim ersten offiziellen Pressebriefing im Weißen Haus von US-Präsident Donald Trump kam nach 20 Minuten: "Wie verstehen Sie Ihre Arbeit? Haben Sie die Absicht, von diesem Podium aus immer die Wahrheit zu sagen?", fragte ein Journalist den Pressesprecher Sean Spicer.

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Heft 4/2017
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Der Anlass für die Frage war Spicers Behauptung vom Wochenende, Trumps Vereidigungsfeier am Freitag sei die "größte aller Zeiten" gewesen. Als verschiedene Journalisten dies mit Bildern von der Amtseinführung Barack Obamas widerlegten, hatte er den Medien mit Konsequenzen gedroht.

"Möchten Sie jetzt Aussagen dementieren, widerrufen, korrigieren", fragte der Journalist also weiter. Spicer räumte ein, dass er falsche Zahlen vom Organisationskomitee über die Zahl der U-Bahn-Fahrten erhalten habe.

Seine Aussage, es sei die meistgesehene Amtseinführung gewesen, aber bekräftigte der Sprecher. Gemeint seien damit allerdings alle Zuschauer, nicht nur die auf der Mall, sondern auch die vor dem Fernseher und Livestreams im Internet.

"Unsere Absicht ist es, Sie nie anzulügen. Manchmal werden wir die Fakten unterschiedlich interpretieren," sagte er. Trumps Top-Beraterin hatte am Sonntag den Begriff der "alternativen Fakten" eingeführt, um Spicer zu verteidigen.

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Die Journalisten wurden bei dem ersten Pressebriefing zudem mit neuen Regeln konfrontiert. Traditionell gehen die ersten Fragen an die Nachrichtenagentur AP und die großen Fernsehsender. Spicer jedoch nahm erst das Boulevardblatt "New York Post" und das religiöse Christian Broadcasting Network dran. Danach folgten ein spanischsprachiger Sender sowie der konservative Sender Fox.

Künftig sollen laut Spicer "noch mehr unterschiedliche Medien" Zugang zum Weißen Haus erhalten - zumindest per Videokonferenz. Bereits diese Woche sollen Journalisten erstmals von außen zugeschaltet werden. So könnten auch Medien dabei sein, die "keine Ressourcen für einen Korrespondenten" in Washington hätten.

sun

insgesamt 266 Beiträge
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joes.world 23.01.2017
1. Puhhh, ist der gut!
Über eineinhalb Stunden lang hat der Pressesprecher des White House, Spicer, den Journalisten Rede und Antwort gestanden. Und hätte Spicer nicht so rasch gesprochen, wären das wohl an die 3 Stunden geworden. So viele Themen wurden abgehandelt. Zu allen Themen wurde er gefragt und alles beantwortete er rasant. Er hatte die Zahlen und Fakten fast immer im Kopf. Die er schnell, eloquent und präzise darlegte. Als ein Reporter ihn fragte, ob er immer die Wahrheit sagen würde, war er hervorragend. Und überraschte den Fragenden mit, öffentlich zugängigen, Fakten und Zahlen, die der Fragende nicht kannte. Und plötzlich dementsprechend verlegen und defensiv wirkte. Spicer, der für alle Themen vorbereitet sein musste, war in seiner Vorbereitung des Themas genauer gewesen, als der Fragende selber. Wenn man zusätzlich zu diesem bemerkenswerten Auftritt, Aussschnitte aus den Hearings vom Verteidigungsminister und Außenminister vor dem Senat gesehen hat - dann versteht man besser, dass unsere Regierng mit dieser Administration nicht klar kommt, sie nicht einordnen kann, dass sie nur mehr Bahnhof versteht. Die sind zu schnell für die unseren. Schauen sie sich mal eine Pressekonferenz des Merkel-Sprechers an. Das ist, verglichen mit Spicer, eine Veranstaltung in Zeitlupe. Trump scheint nicht nur hervorragende Leistungsträger um sich gescharrt zu haben, er und seine neue Administration legen ein Tempo hin, gleich an ihrem ersten Arbeitstag, das wohl jeden Minister unserer Regierung schwindlig machen würde, dürfte der dort volontieren. Und das, obwohl die Administration bisher nur 2 Minister offiziell bestätigt hat. Die anderen können die Demokraten zwar am Ende nicht verhindern, sehr wohl aber deren Bestätigung verzögern. Was sie eifrig tun. Etwas, das die Republikaner vor 8 Jahren nicht taten. Obama stand an seinem ersten Arbeitstag mit 7 bestätigten Ministern da. Es ist eine Administration, die zum Taten-setzen zusammengestellt wurde. Und genau so die Sachen angehen. Und dabei beeindruckend wirkt. Wie erfrischend anders, als wir es von uns kennen.
reflexxion 23.01.2017
2. mag sein er hatte nicht die Absicht zu lügen...
aber getan hat er es trotzdem. off topic: meine Idee zu Trump ist eine Art "Adventskalender" oder "Bundeswehr-Massband". Darauf sind wie auf einem Abreißkalender die Anzahl Tage drauf, die er noch im Amt ist. Ich gehe mal davon aus er wird nicht wiedergewählt. Es wird soviel Unfug gedruckt, da wäre das doch mal eine gute Sache.
bernhard.e.fuchs 23.01.2017
3. Niemand hat die Absicht...
...Journalisten anzulügen...oder eine Mauer zu bauen. Dass das so lustig wird, hätte ich nicht im Traum gedacht.
mikechumberlain 23.01.2017
4.
"Bereits diese Woche sollen Journalisten erstmals von außen zugeschaltet werden. So könnten auch Medien dabei sein, die "keine Ressourcen für einen Korrespondenten" in Washington hätten." Find ich gut. Es wird Zeit für Pressevielfalt.
starboy 23.01.2017
5. Klartext
Mein Tip an alle Journalisten die bei solchen Presseterminen teilnehmen. Ein zweiten Kollegen mitnehmen der so schnell wie möglich den Faktencheck durchführen kann. Sofort den Schwachsinn, den dieser Clown verzapft, widerlegen. Spicer macht sich lächerlich und er weiß dies auch. Unangenehm ist es ihm nicht, dass er lügt das sich die Balken biegen, unangenehm wird es ihm nur wenn er beim Lügen erwischt wird und sich äußern muss.
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