Bush-Museum: Ihr Comeback, Mr. Dabbelju

Von , Washington

George W. Bush: Eine Bibliothek für den Ex-Präsidenten Fotos
AFP

Plötzlich ist er wieder da: Zu Ehren des amerikanischen Ex-Präsidenten George W. Bush wird diese Woche eine Bibliothek eingeweiht, die seinen Namen trägt, und er gibt schönfärberische Interviews. Zugleich steigen seine Beliebtheitswerte - schon ist er gleichauf mit Amtsnachfolger Barack Obama.

Es schien so, als habe Amerika seinen 43. Präsidenten schon fast vergessen. Im Wahlkampf letztes Jahr ließ er sich nicht blicken; zum zehnten Jahrestag der Irak-Invasion war nichts zu hören; und wirklich vermisst hat ihn auch keiner. Aber sei's drum, jetzt ist George W. Bush plötzlich wieder in den Schlagzeilen. Und wie: eigenes Museum, Lobhudelei in Interviews, gute Umfragewerte und eine Enkeltochter. Aber der Reihe nach.

An diesem Donnerstag wird das "Bush Presidential Center" in seinem Wohnort Dallas eingeweiht: Präsidentenbibliothek, Bush-Museum und Bush-Denkfabrik. Das volle Programm für Dabbelju. US-Präsident Barack Obama kommt und die lebenden Ex-Präsidenten auch. Neben Bush Vater und Sohn sind das Bill Clinton und Jimmy Carter. Sie alle haben schon ihre eigene, aus Spendengeldern finanzierte Präsidentenbibliothek bekommen, so ist das Tradition in Amerika.

Sein Bruder Jeb? "Ein fabelhafter Kandidat" für die Präsidentschaft

Nun, vier Jahre nach Amtsende, ist George W. Bush dran. Rundherum gibt's die große Comeback-Show: Interviews in Print und Fernsehen sowie - glücklicher Zufall - die Geburt der ersten Enkeltochter am vorvergangenen Wochenende. In einer ABC-Umfrage kommt Bush neuerdings auf Beliebtheitswerte wie Präsident Obama: 47 Prozent der Amerikaner sehen ihn positiv; vor vier Jahren waren es nur magere 33 Prozent. Und in einer CNN-Erhebung sagen 42 Prozent der Befragten, Bushs Präsidentschaft sei ein Erfolg; das sind elf Punkte mehr als noch 2009.

Am Mittwochabend der vorläufige Höhepunkt, ABC-Journalistin Diane Sawyer trifft in der neuen Präsidentenbibliothek auf Bush und Ehefrau Laura. Es geht fortan recht schwülstig zu. Und reichlich selbstgerecht. Bush sagt, dass er die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nicht vermisse, habe er doch "genug Ruhm" gehabt. Er setzt dagegen auf seinen Bruder Jeb, der würde "einen fabelhaften Kandidaten" für die Präsidentschaft abgeben.

Massenvernichtungswaffen? Der Irak-Krieg "war die richtige Entscheidung"

Sawyer fragt jetzt vorsichtig nach dem Irak-Krieg und der Sache mit den nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen. Ach, sagt Bush, er finde, es sei "die richtige Entscheidung" gewesen, Saddam Hussein zu stürzen. Und damit Sawyer das auch kapiert, schiebt er noch flugs hinterher: "Was mich angeht, ist diese Debatte vorbei. Ich habe getan, was ich getan habe."

Er hat diesen Satz auch schon in den anderen Interviews variiert. Den "Dallas Morning News" versicherte er: "Mir geht's gut mit dem, was ich getan habe. Mir geht's gut mit dem, der ich bin." Und im "Parade"-Magazin sprachen er und Laura lieber über seine neue Leidenschaft, die Malerei. Ihr Mann habe das Zigarren-Rauchen aufgegeben, sagte Laura, "deshalb suchte er verzweifelt nach einem Zeitvertreib". Und so ersetzte Bush die Zigarre mit der Malerei.

"Ihre Füße in der Badewanne"

Darüber will jetzt auch Diane Sawyer im großen ABC-Interview sprechen. Oh, flötet sie, der Ex-Präsident male sich sogar selbst in der Badewanne. "George Bush, der Künstler", sagt sie. Und: "Die Leute gucken auf Ihre Füße in der Badewanne." Da kichert Sawyer, da lachen die Bushs. "Ich liebe es zu malen", sagt der Ex-Präsident. Das Malen habe sein Leben positiv verändert. Natürlich wisse er, dass seine Unterschrift auf den Bildern mehr wert sei als das Gemälde selbst. Übrigens, sagt da aber die Journalistin Sawyer, einige Kritiker meinten, dass diese Bilder wirklich gut seien.

Bushs Kriege? Sein Missmanagement nach dem Hurrikan "Katrina"? Die Finanzkrise? Scheint plötzlich alles vergessen. Komisch, oder?

• Die "Washington Post" kommentiert: "Dieser Mann hat das heitere Selbstbewusstsein eines Monarchen von Gottes Gnaden." Tag oder Nacht, Bush scheine stets gut zu schlafen. Und weiter: "Unter den vielen Dingen, die ihm abgehen, ist auch der Selbstzweifel."

• Kolumnist Ezra Klein präsentiert 24 Grafiken, die Bushs Scheitern belegen, von der Arbeitslosigkeit bis zu den Kriegskosten. Klein schreibt: "Bush war klug. Viele Leute um ihn herum waren klug. Aber er war ein schlechter Präsident."

• "New York Times"-Zahlenpapst Nate Silver hat schon im Januar aggregierte Daten verschiedener Rankings präsentiert, die Historiker mit Blick auf die Qualität der 43 Ex-Präsidenten erstellt haben. George W. Bush liegt aktuell auf Platz 38.

Werden die aktuellen Bush-Festspiele von Dauer sein? Nein, versichert der Ex-Präsident selbst, er wolle auch in Zukunft eine zurückhaltende Rolle spielen, "diesen Pfad" habe er für sich gewählt. Das neue Bush-Zentrum von Dallas ist nicht ganz so zurückhaltend angelegt, umfasst ein Gelände so groß wie 13 Fußballfelder, inklusive Park. Kostenpunkt: 250 Millionen Dollar. Das Archiv enthält rund 70 Millionen Seiten Dokumente, 200 Millionen E-Mails. Natürlich ist alles darauf angelegt, das Image von Nummer 43 zu bessern - jedenfalls langfristig.

Die Ausstellung umfasst neben einem Nachbau des Oval Office etwa jenes Megafon, mit dem Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu den Rettungskräften am Ground Zero in New York sprach: "Die Leute, die diese Gebäude zum Einsturz gebracht haben, werden schon bald von uns hören!" Dann gibt es das "Decision Point Theater", wo Besucher in die Rolle Bushs schlüpfen können: Vier Minuten haben sie Zeit, um selbst Entscheidungen wie die der Irak-Invasion zu treffen. Es gibt virtuelle Berater und Informationen aus der Zeit. Am Ende erläutert der Ex-Präsident seine Politik.

Zumindest in Dallas behält George W. Bush also das letzte Wort.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die neue Präsidentenbibliothek befinde sich in Lewisville nahe Dallas. Das ist nicht richtig, sie befindet sich in Dallas. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, diesen zu entschuldigen.

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insgesamt 131 Beiträge
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1.
spon-facebook-10000212679 25.04.2013
Wieviel Tote hat Bush zu verantworten, 1 Million, 2 Millionen ?
2. Was Zeit und selektive..
HäretikerX 25.04.2013
Wahrnehmung anrichten, zeigen die Foren zu Umfragen und "Wählermeinungen".. auch in Deutschland zur Genüge! ;-)
3.
josifi 25.04.2013
Zitat von spon-facebook-10000212679Wieviel Tote hat Bush zu verantworten, 1 Million, 2 Millionen ?
Das ist Quatsch. Wie kommen Sie auf diese Zahlen??
4. Feiert mal schön,
denkmal65 25.04.2013
wenn Bush nach Europa reist, muss er damit rechnen das er festgenommen und vor das internationale Tribunal als Kriegsverbrecher gestellt wird. Unter seiner Präsidentschaft haben sich die U.S.A zum Folterstaat entwickelt, der Menschenrechte mit Füßen tritt.
5. Tendenzpresse
leser75 25.04.2013
Zitat von sysopPlötzlich ist er wieder da: Zu Ehren des amerikanischen Ex-Präsidenten George W. Bush wird diese Woche eine Bibliothek eingeweiht, die seinen Namen trägt, und er gibt schwülstige Interviews. Zugleich steigen seine Beliebtheitswerte - schon ist er gleichauf mit Amtsnachfolger Barack Obama. USA: Einweihung der Präsidentenbibliothek für George W. Bush - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-einweihung-der-praesidentenbibliothek-fuer-george-w-bush-a-896398.html)
Wieso immer noch diese Aversion gegen Bush? Obama wird pressemäßig als Messias gepriesen, sein Vorgänger übelst beschimpft, wer will solche Art Einheitspresse.
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Bevölkerung: 310,384 Mio.

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Staats- und Regierungschef: Barack Obama

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