Kampf gegen Assad: USA erwägen direkte Hilfe für syrische Rebellen

Ein Rebell sichert eine Straße in Syrien: Bald direkte Hilfe aus Washington? Zur Großansicht
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Ein Rebell sichert eine Straße in Syrien: Bald direkte Hilfe aus Washington?

In den USA deutet sich laut "Washington Post" ein Strategiewechsel in der Syrien-Politik an. Demnach erwägt die amerikanische Regierung jetzt direkte Hilfe für die Rebellen im Kampf gegen das Assad-Regime - die Rede ist von gepanzerten Fahrzeugen und Schutzwesten.

Washington - Das Weiße Haus steht womöglich vor einem grundsätzlichen Strategiewechsel in seiner Syrien-Politik. Einem Bericht der "Washington Post" zufolge erwägt die Regierung von US-Präsident Barack Obama, sich jetzt stärker in den seit zwei Jahren währenden Konflikt des Landes einzuschalten - demnach prüft die Regierung direkte Hilfen für die Rebellen im Kampf gegen Machthaber Baschar al-Assad. So könnten den Rebellen Schutzwesten und gepanzerte Fahrzeuge geliefert werden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Regierungsvertreter in den USA und Europa. Denkbar sei auch, eine militärische Ausbildung anzubieten.

Politisch unterstützt die US-Regierung die Rebellen in Syrien schon seit geraumer Zeit, direkte Hilfen aus Washington gab es für die Opposition in dem Bürgerkriegsland bislang aber nicht. Waffenlieferungen sind dem Bericht zufolge auch weiterhin nicht vorgesehen.

Der neue US-Außenminister John Kerry werde diesen möglichen Politikwechsel auf seiner Antrittsreise durch mehrere Staaten der EU und des Nahen Ostens ansprechen, heißt es in dem Bericht.

Kerry wird bei der Konferenz der Freunde Syriens am Donnerstag in Rom mit Vertretern der syrischen Opposition zusammenkommen. Die Gruppe vereint westliche sowie arabische Länder und internationale Organisationen, die das Oppositionsbündnis gegen Assad unterstützen. Bei dem Treffen geht es um konkrete Hilfen für die Aufständischen.

Waffenembargo lockern?

Bei seinem Besuch in London sagte Kerry am Montag, US-Präsident Obama prüfe weitere Schritte, "um unsere Verpflichtung gegenüber unschuldigen Menschen zu erfüllen", ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Man komme nicht nach London, um "nur zu reden". Es gehe auch darum, "Entscheidungen für die nächsten Schritte" zu treffen.

Auch bei seinem Berlin-Besuch am Dienstag besprach Kerry das Thema Syrien. Er kam in der deutschen Hauptstadt unter anderem mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow zusammen. Nach der Unterredung betonten beide Seiten in ungewöhnlicher Übereinstimmung ihren Willen, Verhandlungen über ein Ende des seit zwei Jahren andauernden Konflikts voranzubringen.

Vor Studenten in Berlin sagte Kerry am Dienstag, dass die USA auf eine friedliche Lösung des Konflikts in Syrien hofften - wenn die Führung des Landes jedoch Verhandlungen ablehne und weiter Bürger töte, müsse man Unterstützung für diejenigen leisten, die um ihre Rechte kämpfen würden. In dem Konflikt wurden nach Uno-Schätzungen bislang bis zu 70.000 Menschen getötet.

Auch in der EU wird über eine neue Strategie nachgedacht - so hatte etwa zuletzt Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) vorsichtige Bereitschaft für eine Lockerung des EU-Waffenembargos gegen Syrien signalisiert. Es gehe darum, "dass man die berechtigten Interessen der Nationalen Koalition nicht nur politisch, sondern auch tatsächlich sieht und unterstützt", hatte Westerwelle nach einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel gesagt. Bislang gilt das Waffenembargo für ganz Syrien - und somit gleichermaßen für die Regierung und die Rebellen.

hen/Reuters/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 78 Beiträge
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1. Pervers
iman.kant 27.02.2013
Der amerikanische und russische Außenminister einigen sich auf konstruktive Verhandlungen. Auf Deutsch: Amerika und Russland wollen diesen Krieg beenden, was aber im Umkehrschluß bedeutet dass beide Seiten diesen Krieg ausgetragen haben. Dieser perverse Krieg hätte schon längst beendet werden können wenn diese beiden Länder es so beschlossen hätten. Gott möge mit diesen Politikern gnädig umgehen!
2. Syrische Rebellen
kf_mailer 27.02.2013
natürlich kein Wort, das diese "syrischen" Rebellen zum größten Teil aus dem Ausland stammen und das es jene Gruppierungen sind, die man in Afghanistan und Mali angeblich bekämpft aber hier wieder mit Waffen unterstützt. Orwell hätte seine Freude and der Berichterstattung und die Medien versagen total bei der Aufklärung und sind nichts weiter als Erfüllungsgehilfen einer verabscheuungswürdigen Politik.
3. Die Einsicht kommt spät aber immerhin!
jesse01 27.02.2013
Endlich kommt man einmal eine Reaktion. Endlich scheint man sich nicht mhr vor Angst vor einem wildgewordenen russischen Diktator in die Hosen zu machen ! Eine Woche Luftangriffe der Nato und die Sache wäre beendet, dann müssten keine mehr sterben. Ich denke sowieso, dass sich die Russen im Ernstfall still halten werden. Russland wird die Beziehungen zu Europa und den USA sicher nicht wegen eines kleinen Regimes und dessen Diktator langfristig riskieren wollen. Russland ist längst wirtschaftlich so mit dem Westen verwoben, dass man vernünftig bleiben wird. Man muss den Mut haben nun wirklich loszuschlagen. Das gilt auch für unseren unsäglichen und zaudernden Westerwelle. Ich möchte doch daran erinnern, dass Assad damit begonnen hat, auf wehrlose Demonstranten zu schiessen, nicht umgekehrt. Das noch im Hinblick auf die so bösen "Terroristen".
4. Tolle Unterstützung
rob72 27.02.2013
Gebt den Rebellen genug Waffen damit sie schneller ihren Gottesstaat einführen können. Und passt dann gut auf euren Botschafter auf damit ihm nicht das gleiche passiert wie in Lybien. Hoch lebe der "Fundamentalistische äh Arabische Frühling".
5. es ist egal,
RudiLeuchtenbrink 27.02.2013
Zitat von sysopIn den USA deutet sich laut "Washington Post" ein Strategiewechsel in der Syrien-Politik an. Demnach erwägt die amerikanische Regierung jetzt direkte Hilfe für die Rebellen im Kampf gegen das Assad-Regime - die Rede ist von gepanzerten Fahrzeugen und Schutzwesten. USA erwägen direkte Hilfe für syrische Rebellen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-erwaegen-direkte-hilfe-fuer-syrische-rebellen-a-885801.html)
ob die USA offen oder verdeckt die Terroristen unterstützen. Offen ist wesentlich billiger, wegen der Zwischenhändler. Ich hoffe das sich Chinesen und Russen auch deutlicher engagieren. Die Zeit der gelenkten "Farbenrevolutionen" sollte im Interesse der Menschen beendet werden.
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