Fahnenflucht-Vorwürfe US-Soldat Bergdahl will sich angeblich schuldig bekennen

US-Soldat Bowe Bergdahl hatte sich von seinem Stützpunkt in Afghanistan entfernt und wurde von Taliban inhaftiert. Beim Prozessauftakt um seine Fahnenflucht wird er AP-Informationen zufolge die Vorwürfe eingestehen.

Bowe Bergdahl (Archivbild von September 2017)
AP/ The Fayetteville Observer

Bowe Bergdahl (Archivbild von September 2017)


Fahnenflucht und "Fehlverhalten vor dem Feind" - so lauten die Anklagepunkte gegen den 31-jährigen Bowe Bergdahl. Der US-Soldat hatte sich im Juni 2009 unerlaubt von seiner Einheit in Afghanistan entfernt und war in die Hände des mit den radikalislamischen Taliban verbündeten Hakkani-Netzwerks geraten. Nach fünf Jahren in den Händen der Aufständischen wurde er im Mai 2014 gegen fünf Guantanamo-Häftlinge ausgetauscht.

Ab Ende Oktober soll er sich dafür vor Gericht verantworten. Die Nachrichtenagentur AP meldet nun mit Verweis auf anonyme Quellen, dass sich Bergdahl schuldig bekennen wolle. Damit könnte er einen langwierigen Prozess umgehen. Ob er dennoch zu einer Haftstrafe verurteilt wird oder ob das Gericht entscheidet, dass ihm das nach der Zeit bei den Taliban nicht mehr zuzumuten sei, steht offen.

Für den Straftatbestand "Fehlverhalten vor dem Feind" könnte er lebenslänglich in Haft kommen. Damit stellt das US-Militär das Wegrennen, das Niederlegen von Waffen und anderes "feiges Verhalten" in Gefechten unter Strafe.

Seinen Angaben nach wurde Bergdahl ein halbes Jahrzehnt lang unter unwürdigen Bedingungen von den Taliban festgehalten. So sei er eingesperrt worden, habe teils das Tageslicht nicht gesehen und sei geschlagen worden. Zudem hätten ihn seine Kidnapper an ein Bett gefesselt.

"Gezielt und freiwillig" Posten verlassen

Dennoch sorgte der Austausch Bergdahls gegen Guantanamo-Häftlinge in den USA für Kritik. Die damals oppositionellen Republikaner warfen US-Präsident Barack Obama vor, mit Terroristen verhandelt und einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen zu haben. Der heutige US-Präsident Donald Trump nannte Bergdahl 2015 einen "Verräter", bei dem es besser gewesen wäre, wäre er von den Taliban getötet worden.

Eine erste Untersuchung kurz nach Bergdahls Verschwinden war bereits zu dem Schluss gekommen, dass der Soldat seinen Posten "gezielt und freiwillig" verlassen habe. Als Fahnenflucht wurde dies damals aber noch nicht eingestuft, weil Bergdahls Motive nicht endgültig zu klären waren. Der Soldat soll sich aber kritisch über den Militäreinsatz in Afghanistan geäußert haben.

Frühere Kameraden warfen Bergdahl vor, er habe das Leben von US-Soldaten aufs Spiel gesetzt, die nach seinem Verschwinden eine Suchaktion gestartet hatten.

vks/AP

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