Bericht über Schweden Fox News präsentiert Fake-Sicherheitsberater

Was ist los in Schweden? Trumps Lieblingssender Fox News lud zum Thema einen "schwedischen Verteidigungs- und Sicherheitsberater" ein. Aber in seiner Heimat kennt man den offenbar wegen Gewalttaten verurteilten Mann nicht als Experten.

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Die "Schweden-Fakten" - mit einer Schautafel beginnt der Moderator des konservativen US-Senders Fox News am Donnerstagabend seinen Beitrag: 275.000 Flüchtlinge habe Schweden in den vergangenen drei Jahren aufgenommen. Die Mehrheit von ihnen komme aus muslimischen Ländern. Jede dritte schwedische Frau fühle sich laut Umfragen in ihrem Stadtviertel nicht mehr sicher.

Was Fox News wohl sagen will? Dass Flüchtlinge schwedische Frauen in Angst und Schrecken versetzen?

Als Gesprächspartner hatte Bill O'Reilly, Moderator der Show "The O'Reilly Factor" die USA-Korrespondentin der schwedischen Zeitung "Expressen" Anne-Sofie Näslund eingeladen. Außerdem einen Mann namens Nils Bildt, "schwedischer Berater für Verteidigung und nationale Sicherheit", wie ihn Fox News betitelte.

Nur: In Schweden kennt man einen Nils Bildt nicht als Experten - geschweige denn als Berater.

Die Zeitung "Dagens Nyheter" fragte beim schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium nach. Das Ergebnis: Einen Nils Bildt beschäftige man nicht, wisse nichts von dem angeblichen Berater. Die schwedische Zeitung "Metro" fragte bei der schwedischen Botschaft in Washington nach - auch dort kennt man Nils Bildt demnach nicht. Fox News hat sich laut schwedischer Medien bisher nicht zur Klärung des Falls geäußert. Johan Wiktorin, früherer Verteidigungsanalyst beim Nachrichtendienst des schwedischen Militärs, erklärte, Nils Bildt sei in Schweden nicht bekannt als Experte für nationale Sicherheit. Die Darstellung Schwedens als Problemland in den amerikanischen Medien sei ein verstörender Trend, so Wiktorin gegenüber schwedischen Medien weiter.

Wer aber ist dann der von Fox News präsentierte Experte, der in der TV-Show von Schwedens großen Problemen, über Kriminalität und Flüchtlinge sprach und erklärte, es sei in dem Land nicht möglich, eine offene und ehrliche Debatte über Zuwanderung zu führen?

Nach Recherchen der Zeitung "Dagens Nyheter" ist Bildt selbst ein verurteilter Gewalttäter. Dem Bericht zufolge wurde Bildt im Juni 2014 in Virginia festgenommen, nachdem er Ordnungskräfte angegriffen hatte. Im November desselben Jahres wurde Bildt demnach zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt. Laut "Dagens Nyheter" erklärte Bildt gegenüber der Zeitung per Mail, er könne sich zu den Anschuldigungen nicht äußern, da er davon nichts wisse.

Unterschiedlichen Berichten zufolge soll Nils Bildt 1994 aus Schweden ausgewandert sein, damals hieß er noch Nils Tolling. Den Nachnamen änderte er später, er soll mehrere Sicherheitsfirmen in den USA führen. Zumindest zeitweise soll Bildt in Japan gelebt haben und dort für japanische Medien gearbeitet haben. Zuvor soll er Berichten zufolge am King's College in London studiert haben.

Die Schweden-Kampagne von Fox News

Bildt selbst erklärte laut schwedischen Medien auf Anfrage: Die Bezeichnung "Verteidigungs- und Sicherheitsberater" sei von der Fox-News-Redaktion ausgewählt worden, er selbst hätte keinen Einfluss darauf gehabt. Er sei unabhängiger Analyst, der in den USA lebe.

Anders als Bildt hatte die USA-Korrespondentin von "Expressen" in der Fox-News-Sendung zurückgewiesen, dass es in Schweden eine Welle der Gewalt gäbe. Weiterhin sei das Land eines der sichersten und friedlichsten weltweit. Sie wies außerdem zurück, dass die gestiegene Waffengewalt im Zusammenhang mit dem Flüchtlingszuzug stehe. Es gäbe dennoch Herausforderungen.

Bei Fox News ist das entsprechende Video der Sendung nicht auffindbar - wurde aber bei YouTube hochgeladen. Auf der Seite der Show "The O'Reilly Factor" ist eine kurze schriftliche Zusammenfassung zu der Sendung zu finden, in der Bildt aber keine Beschreibung zugefügt ist.

Seit Tagen berichten US-Medien - angeführt von Trumps Lieblingssender Fox News - über Schweden und das dort angeblich herrschende Chaos. In der Stadt Malmö hatte es in den vergangenen Wochen mehrere Morde gegeben - die Täter sind unbekannt. In einem Stockholmer Viertel, in dem hauptsächlich Migranten leben, gab es vor einigen Tagen Krawalle.

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Trump hatte bereits Tage vor diesen Ausschreitungen vergangenes Wochenende in einer Rede suggeriert, es habe in Schweden einen Terroranschlag gegeben. Was nicht stimmte. Später erklärte der US-Präsident, er habe sich bei seinem Ausspruch auf Fox News bezogen. In dem Beitrag, auf den sich Trump bezog, wurden auch zwei schwedische Polizisten zitiert und als Kronzeugen für die schwierige Lage in Schweden herangezogen. Die Polizistenallerdings wehrten sich nach Ausstrahlung des Films. Ihre Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Ihnen sei gesagt worden, in den Interviews gehe es um Kriminalität in Brennpunkten. Es sei nicht von einem Fokus auf Einwanderung und Flüchtlingen die Rede gewesen. Er hätte auf ganz andere Fragen geantwortet, als später in dem Fox-News-Beitrag suggeriert worden sei, so der schwedische Polizist Anders Göranzon.

Dass Schweden in rechten und konservativen Kreisen in den USA als Schreckensbild gilt, hat bereits jahrzehntelange Tradition. (Lesen Sie hier mehr darüber.)

anr

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