Vor Besuch von US-Präsident Trump Frankreich warnt Deutschland vor Spaltung in Handelsfragen

Der Handelskrieg zwischen EU und USA habe "bereits begonnen", sagt der französische Finanzminister Le Maire - und warnt davor, dass Deutschland und Frankreich sich von US-Präsident Trump auseinander treiben lassen.

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire
AP

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire


Droht Europa ein Handelskrieg mit den USA? Laut Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire steckt Europa bereits mittendrin. "Er hat bereits begonnen", sagte Le Maire am Sonntag bei einer Wirtschaftskonferenz in Aix-en-Provence.

Ziel der USA sei es, in der Handelspolitik einen Keil zwischen Deutschland und Frankreich zu treiben. "Was die Vereinigten Staaten wollen, ist, Frankreich und Deutschland in der Handelsfrage zu spalten", sagte Le Maire. Er forderte, die europäischen Staaten müssten zusammenstehen. Die USA könnten sich auf eine einheitliche und starke Antwort aus Europa einstellen, sollten sie die Zölle weiter erhöhten.

Wegen des hohen Außenhandelsdefizits der USA von mehr als 800 Milliarden US-Dollar versucht Trump etliche Maßnahmen, scheinbar ohne sich an Regeln der Welthandelsorganisation gebunden zu fühlen. Die USA hatten die Europäische Union mit Strafzöllen auf Stahl- und Aluminium belegt, worauf Europa mit Vergeltungszöllen auf US-Produkte antwortete. Trump droht auch mit höheren Zöllen auf Autoimporte. Diese könnten laut Trump bis zu 20 Prozent betragen.

Donald Trump
REUTERS

Donald Trump

Hierzu sagte le Maire, Europa müsse deutlich machen, dass es eine "souveräne Wirtschaftsmacht" sei. Es sei "nicht zu verstehen, dass zwischen Verbündeten, zwischen dem amerikanischen Volk und dem Volk in Europa, ein Handelskrieg erklärt" werde.

Trump bricht Anfang der Woche zu einer Europareise auf. Zunächst trifft er die Nato-Partner in Brüssel, denen er jüngst erneut vorhielt, nicht genug Geld für die Bündnisverteidigung auszugeben. Danach fliegt er nach England zu Regierungskonsultationen mit Premierministerin Theresa May.

Wegen der zu erwartenden Proteste werden die Termine Trumps nicht in der Hauptstadt London stattfinden. Anschließend reist der US-Präsident zum Golfspielen nach Schottland, ehe er sich im finnischen Helsinki mit Russlands Präsident Wladimir Putin trifft.

cht/dpa/AFP



insgesamt 121 Beiträge
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Seite 1
GSYBE 08.07.2018
1. gut erkannt
Gut erkannt von den Franzosen, die Achillesferse der EU war und ist der deutsche Egoismus.
audaxaudax 08.07.2018
2. Protektionisten
sind die Franzosen seit Louis XIV. Das haben sie auch in der EU durchgestezt um ihre nicht wettbewerbsfähige Industrie und Landwirtschaft zu schützen. Muss Deutschland das mitmachen?
ckessler1000 08.07.2018
3. Überschrift
Die Wahrheit ist dass Trump über seinen Botschafter in deutschland ein verblüffendes Angebot gemacht hat. Bei Aufheben aller eu Zölle werden auch die usa keinerlei importzölle auf eu exporte erheben. Genau das will aber Frankreich nicht. Wer sind hier also die wahren Protektionisten?
bigroyaleddi 08.07.2018
4. Da wir doch alle den Trump kennen -
-bleibt uns bzw. de EU überhaupt nichts anderes übrig, als sich gemeinsam zu wehren. Ich denke mal, dass das entsprechende Rüstzeug dazu doch in allen europäischen Schubladen liegt. Trump versteht keine andere Sprache als die der wirtschaftlichen Gewalt. Und diese muss man ihm entgegenhalten. Und ich will nicht schon wieder hören, dass wir doch vielleicht kuschen sollten, weil das für alle doch viel besser ist. Wenn das der Fall wäre, könnten wir die polnischen und ungarischen Defaitisten gleich von hier aus zu unseren europäischen Volksvertretern wählen. Da bräuchten wir dann nicht mal mehr die AgD dazu.
sagitta 08.07.2018
5. la grande nation versus Mittlemass
Le Maire befürchtet wohl die zersetzende Wirkung der servilen Statisten, die in Deutschland seit längerem in Amt und Würde sind, und die jedwede autonome Politik gegenüber den Vereinigten Staaten als Heräsie und fundamentale Erschütterung der deutschen Sicherheit und Staatlichkeit ansehen. Die Franzosen haben seit jeher eine selbstbewusstere und selbstverständlichere Beziehung zur eigenen Nation. Le Maires Befürchtungen sind wohl begründet. Fraglich ist, ob mit der jetzigen Mannschaft der Tansatlantiker eine emanzipierte, vereinte europäische Haltung druchsetzbar ist. Die vielbeschworene Wertegemeinschaft zwischen gleichberechtigten Partnern ist seit längerem schon dahin. Es braucht wohl noch etwas, damit dies im politischen Berlin ankommt.
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