Bilateraler Streit USA weisen Verantwortung für Krise in der Türkei von sich

"Die wirtschaftlichen Probleme haben nicht erst begonnen, als wir Sanktionen verhängt haben": Die US-Regierung hat sich zur türkischen Wirtschaftskrise geäußert - und erneut die Freilassung des US-Pastors gefordert.

Heather Nauert
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Die US-Regierung hat den Vorwurf zurückgewiesen, für die Wirtschaftskrise in der Türkei verantwortlich zu sein. "Die wirtschaftlichen Probleme haben nicht erst begonnen, als wir am 1. August dieses Jahres Sanktionen gegen zwei Personen verhängt haben", sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert.

Die USA hatten am 1. August Sanktionen gegen zwei Regierungsmitglieder der Türkei verhängt, weil das Land den US-Pastor Andrew Brunson wegen angeblicher terroristischer Aktivitäten weiter festhält. In den vergangenen Tagen hatte sich die Krise in der Türkei mit einem Kurssturz der Landeswährung Lira verschärft.

Video zur Wirtschaftskrise: "Der Hauptverantwortliche ist Erdogan"

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Ein US-Botschaftsmitarbeiter habe Brunson am Dienstag besucht, sagte Nauert nun. Sein Gesundheitszustand sei nach ihrer Kenntnis unverändert. Die USA fordern von der Türkei weiterhin die sofortige Freilassung des Geistlichen. Präsident Donald Trump hatte in dem Streit auch eine Verdopplung von Strafzöllen auf türkische Einfuhren von Stahl und Aluminium verkündet. Erdogan reagierte mit einem Aufruf zum Boykott von Elektronik aus den USA.

Jeffrey Hovenier, Geschäftsträger der US-Botschaft in Ankara, teilte über den Twitter-Account der Botschaft mit, er habe Brunson und seine Frau besucht. Er fordere, dass der Fall Brunson und die Fälle von anderen "zu Unrecht inhaftierten" Amerikanern und türkischen Mitarbeitern von US-Vertretungen ohne Verzögerung gelöst würden.

Brunson, Pastor einer evangelikalen Kirche in Izmir, war 2016 unter Terrorverdacht in Untersuchungshaft genommen worden. Ende Juli wurde der 50-Jährige wegen Gesundheitsproblemen in den Hausarrest entlassen. Ihm werden Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und zur Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert dafür bis zu 35 Jahre Haft.

Brunsons Anwalt forderte am Dienstag erneut die Freilassung seines Mandanten. Er habe Einspruch gegen den Hausarrest und die Ausreisesperre eingelegt, sagte Anwalt Ismail Cem Halavurt der Deutschen Presse-Agentur am Dienstagabend. Das sei ein Routinevorgang.

aar/dpa

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whitemouse 15.08.2018
1. Untergang
In Sachen Türkei hat Trump mal Recht. Und die Türkei wird wirtschaftlich untergehen. Sie wird wohl auch nur so Erdogan los.
stefan.p1 15.08.2018
2. Völlig unwichtig wer Schuld an der Krise ist -
Es wird Erdogan nicht schaden oder sogar stürzen. Erdogan hat jetzt einen Schuldigen für die Wirtschaftkrise gefunden. Es läßt sich ja nicht abstreiten das der Kurssturz der Lira direkt nach Verkünden der Sanktion durch die USA stattgefunden hat. Die Türken werden sich in der Mehrzahl hinter ihrem, von ihnen immer noch, hochverehrten Präsidenten stellen und auf die bösen Amis oder dem Westen allgemein schimpfen.Der Schaden wird wie immer die Falschen haben. Wobei ich nicht sage das Erdogan nicht sanktioniert werden soll -aber eben nur Erdogan! Wieso wird dem Mann zB mit den Empfang durch Merkel wieder die Chance geboten sich in der Öffentlichkeit zu profilieren? Internationale Ignoranz gegenüber dem türkischen Präsident würde diesen Ergomanen mehr treffen als jede Sanktion.
omanolika 15.08.2018
3. Die Verantwortung...
können die USA in diesen Tagen, doch ja natürlich niemals tragen, wenn es um negative Dinge geht, was sich nun von selbst versteht, und das sollen sie auch gar nicht allein, doch mitverantwortlich können sie sein. Wenn man irgendwann doch merkt, dass man diese Krise nur verstärkt, in dem man verhängt manche Sanktion, und sich ja sucht die Konfrontation, dann wäre der Sache sehr geholfen, doch Trump geht wohl lieber Golfen :( Erdogan will ich ganz sicher NICHT in Schutz nehmen, doch die USA sind nicht unschuldig am Ausmaß von den Problemen
cup01 15.08.2018
4.
Ganz gleich wie man über Erdogan denken mag, ich hoffe er bleibt in dieser Sache standhaft und liefert den Pastor nicht aus. Selbst wenn Erdogan selbst den Putsch inszeniert hat, es der Gülen-Bewegung in die Schuhe schieben will und den amerikanischen Pastor als Tauschpfand benutzt, das Vorgehen Trumps darf hier nicht Erfolg haben, sonst ist die ganze Welt erpressbar.
KingTut 15.08.2018
5. Erdogan ist der Hauptverantwortliche
Zitat von stefan.p1Es wird Erdogan nicht schaden oder sogar stürzen. Erdogan hat jetzt einen Schuldigen für die Wirtschaftkrise gefunden. Es läßt sich ja nicht abstreiten das der Kurssturz der Lira direkt nach Verkünden der Sanktion durch die USA stattgefunden hat. Die Türken werden sich in der Mehrzahl hinter ihrem, von ihnen immer noch, hochverehrten Präsidenten stellen und auf die bösen Amis oder dem Westen allgemein schimpfen.Der Schaden wird wie immer die Falschen haben. Wobei ich nicht sage das Erdogan nicht sanktioniert werden soll -aber eben nur Erdogan! Wieso wird dem Mann zB mit den Empfang durch Merkel wieder die Chance geboten sich in der Öffentlichkeit zu profilieren? Internationale Ignoranz gegenüber dem türkischen Präsident würde diesen Ergomanen mehr treffen als jede Sanktion.
Für Erdogan ist das jetzt die beste Gelegenheit, die Schuld für die Krise den USA in die Schuhe zu schieben, obwohl sie seit langem von Wirtschaftswissenschaftlern vorhergesagt wurde. Die US-Sanktionen haben diesen Prozess höchstens noch beschleunigt. Nur wer von Wirtschaft keine Ahnung hat oder Erdogan bedingungslos verfallen ist, kann diese Lügen glauben. Dabei schätze ich Erdogan so ein, dass er eine weitere Eskalation bewusst in Kauf nimmt - also zum Schaden seiner Bevölkerung - um sich von jeder Verantwortung freizusprechen. Der Wirtschaftsprofessor Rocholl bringt es im Interview auf den Punkt: "Der Hauptverantwortliche für diese Krise ist der türkische Präsident Erdogan." Übrigens: in der Türkei dürften wir dies alles nicht sagen oder schreiben, ohne Gefahr zu laufen als "Wirtschaftsterroristen" belangt zu werden: https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/afxline/topthemen/article181032392/Lira-Krise-Tuerkei-unterdrueckt-Kritik-an-Wirtschaftslage.html
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